Der FC 08 Homburg hat eine Woche vor dem Saisonstart ein sportlich ordentliches und emotional besonderes Zeichen gesetzt. Im Rahmen des Kickoffs im Waldstadion besiegten die Grün-Weißen am Samstagnachmittag die U23 der TSG 1899 Hoffenheim mit 2:1. Fast 1000 Fans kamen zur Generalprobe vor dem Regionalliga-Auftakt gegen den 1. FSV Mainz 05 II – und sorgten für einen Rahmen, der weit über ein normales Testspiel hinausging.
Für den Verein war der Tag auch organisatorisch eine besondere Aufgabe. Der ursprüngliche Kickoff-Termin war bereits vorbereitet gewesen, musste aber wetterbedingt neu geplant werden. Eine Woche vor dem Saisonstart noch einmal Programm, Spiel, Ehrungen und Abläufe zusammenzubringen, war vor allem für die Geschäftsstelle und die Verantwortlichen ein erheblicher Kraftakt. Der Zuspruch auf den Rängen und die vielen positiven Reaktionen zeigten jedoch: Der Aufwand hatte sich gelohnt.
Vor dem sportlichen Teil standen Erinnerungen im Mittelpunkt. Die Spieler der Homburger Meistermannschaft wurden im Waldstadion mit viel Applaus empfangen. Es war ein Moment mit Nostalgie, aber auch mit einer Botschaft für die Gegenwart. Trainer Fritz Fuchs und frühere Spieler erinnerten daran, dass der damalige Erfolg eng mit Zusammenhalt, Identifikation und der Verbindung zur Region zu tun hatte. Für den heutigen FCH ist das durchaus aktuell. Der Verein muss sich in einem Umfeld behaupten, in dem namhafte und höherklassige Konkurrenz nie weit weg ist. Um sich hier eine Nische für den eigenen Erfolg zu suchen, ein durchaus denkbarer Ansatz.
Auch Markus Mendler bekam an diesem Nachmittag den Abschied, den er sich durch seine Jahre im grün-weißen Trikot verdient hat. Der 33-Jährige hatte im Sommer nach einem schweren Schicksalsschlag in seiner Familie seine aktive Profikarriere beendet. In der 88. Minute wurde er noch einmal eingewechselt, begleitet von großem Applaus und Standing Ovations. Nach dem Abpfiff folgte die offizielle Verabschiedung. Spätestens dort wurde deutlich, welchen Stellenwert Markus Mendler für den gesamten FCH hatte – nicht nur als Spieler, sondern auch als Persönlichkeit. Viele Fans riefen seinen Namen, Mendler selbst sprach später von vielen schönen und erfolgreichen Jahren in Homburg.
Davor wurde auch Fußball gespielt. Der FCH musste weiterhin auf Hilal El-Helwe und Nico Jörg verzichten, ansonsten stand Trainer Roland Seitz für die Generalprobe der restliche Kader zur Verfügung. Homburg begann mit Michael Gelt im Tor, davor Frederik Schumann, Michael Heilig, Philipp Steinhart und Tim Steinmetz. Im Zentrum spielten Nicolas Andermatt und Simon Joachims, offensiv begannen Armend Qenaj, Julian Günther-Schmidt und Birkan Çelik hinter Emir Kuhinja, der nach seiner Mandelentzündung die Gelegenheit bekamt, Spielpraxis zu sammeln und sich unter Wettkampfbedingungen zu präsentieren.
Der FCH erwischte einen guten Start. Bereits in der Anfangsminute wurde es gefährlich, als ein Querpass von Günther-Schmidt im Strafraum zunächst abgeblockt wurde und Kuhinja nach der anschließenden Ecke per Kopf den Pfosten traf. Danach übernahm Hoffenheim zeitweise mehr Spielkontrolle. Die Gäste liefen nicht in Bestbesetzung auf, gingen die Partie aber engagiert an und kamen zu Abschlüssen. Michael Gelt musste unter anderem gegen Tiago Poller und Ben Opoku Labes eingreifen.
Mit zunehmender Dauer kam Homburg besser ins Spiel. In der 28. Minute traf Çelik nach einer Flanke von Qenaj per Kopf die Latte, wenig später landete ein abgefälschter Distanzschuss von Qenaj am Pfosten. Der FCH zeigte durchaus, das jede Menge ansehnliches Offensivpotential in der Mannschaft steckt – aber eben auch noch zu wenig Zählbares entstand. Kurz vor der Pause fiel dann doch die Führung. Nach einer Klärungsaktion der Hoffenheimer kam Simon Joachims in der 40. Minute zum Abschluss. Der Ball war nicht unhaltbar, rutschte dem Hoffenheimer Torhüter aber über die Linie. Mit dem 1:0 ging es in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie offen. Hoffenheim suchte weiter den Weg nach vorne, Gelt war bei mehreren Hereingaben und einem Freistoß von Florian Micheler zur Stelle. Auf der anderen Seite wurde ein Abschluss von Günther-Schmidt nach Vorarbeit von Joachims geblockt, Justin Petermann zielte nach einem starken Chipball von Joachims am Tor vorbei. In der 68. Minute leistete sich der FCH dann selbst einen groben Fehler im Spielaufbau. Ben Opoku Labes nutzte den Fehlpass, umspielte Gelt und schob zum 1:1 ein. Es war ein Gegentor, das in die Kategorie unnötig fiel – und zugleich ein Hinweis darauf, worauf es zum Saisonstart ankommen wird. Offensiv sieht vieles inzwischen gut aus. Defensiv und im eigenen Aufbau darf sich Homburg solche Geschenke aber nicht zu häufig erlauben.
Die Reaktion stimmte allerdings. Der FCH suchte weiter den Weg nach vorne und belohnte sich sechs Minuten vor dem Ende. Nach frühem Pressing zwang Homburg Hoffenheim zu einem Ballverlust. Petermann fing den Pass ab und spielte Jacob Roden an, der direkt abzog und abgezockt zum 2:1 traf. Auch dieser Treffer hatte seinen Ursprung in einem Fehler der Gäste, war aber zugleich Ergebnis eines konsequenten Nachsetzens. Am Ende stand ein verdienter Sieg in der Generalprobe. Homburg hatte über die Partie hinweg mehr und bessere Möglichkeiten, traf mehrmals Aluminium und zeigte phasenweise schnellen Offensivfußball. Zur Wahrheit gehört aber auch: Für die beiden Tore war der FCH auf individuelle Fehler der Hoffenheimer Hintermannschaft angewiesen. Die eigene Chancenverwertung bleibt ein Thema, ebenso die Absicherung gegen Umschaltmomente und Fehler im Aufbau.
Seitz trat nach dem Spiel bewusst auf die Euphoriebremse. Hoffenheim sei nicht mit der Stammformation gekommen, mehrere Spieler hätten bei den Profis ausgeholfen. „Trotzdem hat Hoffenheim so einen guten Nachwuchs, dass auch diese Spieler, die da waren, gute Kicker sind“, sagte der FCH-Trainer. Sein Fazit fiel entsprechend nüchtern aus: „Wir haben es ordentlich gemacht, wir haben es gut gemacht. Wir sind auch noch nicht so weit. Viele Spieler sind noch nicht 100% fit, weil sie spät gekommen sind. Insgesamt war es ein ordentlicher Auftritt, aber bitte nicht zu hoch hängen.“
Auf die Frage, wo seine Mannschaft nach der Vorbereitung stehe, antwortete Seitz ungewöhnlich klar: „Die Frage kann ich beantworten, weil ich es nicht weiß.“ Erst nach einigen Punktspielen werde man mehr sagen können. Der Trainer verwies auch auf den Druck, der in Pflichtspielen dazukommt: „Wir wissen auch, dass bei Punktspielen ein bisschen mehr Druck am Kessel ist. Wir wissen auch, wie kritisch unser Publikum ist. Ich hoffe, dass wir uns nicht anstecken lassen, dass wir unterstützt werden. Das wäre sehr, sehr wichtig.“
Auch die Kaderplanung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Seitz machte keinen Hehl daraus, dass der Verein weiter sucht. „Wir haben es ja schon öffentlich kommuniziert, dass wir noch auf der Außenbahn einen Spieler suchen“, sagte er. Aktuell habe der FCH dort mit Çelik und Qenaj nur zwei gelernte Optionen. Nico Jörg braucht noch Zeit, bis er nach seiner Verletzung wieder eine kreative Alternative ist. Dennoch sieht Seitz die Mannschaft inzwischen deutlich besser aufgestellt: „Wir haben trotzdem jetzt schon einen sehr, sehr guten Kader, denke ich.“ Der Pflichtspielstart folgt am Samstag, 8. August, um 14 Uhr im Waldstadion gegen die U23 des 1. FSV Mainz 05. Zuvor lädt der Verein am Donnerstag, 6. August, ab 18 Uhr noch zu einem Fantreffen mit Spielern, Trainerteam und Vorstand an die Jahnhütte am Waldstadion ein.
Der Kickoff hat gezeigt, dass rund um den Verein etwas möglich ist, wenn Organisation, Stimmung und sportlicher Auftritt zusammenpassen. Für den FCH war es ein Nachmittag mit Erinnerungen, Applaus, einem emotionalen Abschied und einer ordentlichen Generalprobe. Ab Samstag zählt dann nicht mehr, wie vielversprechend einzelne Phasen waren. Dann beginnt die Liga. Nach dem gelungenen Kickoff und dem emotionalen Abschied von Markus Mendler richtet sich der Blick nun endgültig auf den Saisonstart.





















