Wenn am morgigen Mittwoch auch in Nordrhein-Westfalen das neue Schuljahr beginnt, wiederholt sich vor vielen Grundschulen ein Bild, das Eltern seit Jahren spaltet: dicht an dicht parkende Autos, aus denen Kinder aussteigen und in Richtung Schultor eilen. Für die einen ist das Elterntaxi schlicht Alltag, für die anderen eine reale Gefahr. Eine neue Umfrage der ADAC Stiftung zeigt nun, dass sich an dieser Situation so schnell wohl nichts ändern wird.
Trotz aller Kritik bleibt das Auto das meistgenutzte Transportmittel für jene Grundschüler, die nicht zu Fuß unterwegs sind. Nahezu jedes vierte Kind wird mehrmals pro Woche zur Schule gefahren und nachmittags wieder abgeholt. Genau dieses Aufkommen empfindet die Mehrheit der befragten Eltern als Problem: 61 Prozent finden, dass zu viele Wagen vor den Schulen stehen. Für 58 Prozent sind es die Elterntaxis selbst, die gefährliche Situationen heraufbeschwören.
Dabei bewegt sich in den ersten beiden Klassen ein Großteil der Kinder noch ganz ohne Motor: 58 Prozent gehen an mindestens drei Tagen zu Fuß, zwölf Prozent nehmen das Fahrrad, sechs Prozent den Tretroller. Rund ein Viertel wird regelmäßig gefahren. Und selbst von den Kindern, die nicht im Auto sitzen, wird etwa die Hälfte zumindest gelegentlich zu Fuß begleitet. Für 17 Prozent der Eltern wäre das überflüssig, gäbe es weniger Verkehr vor der Schule.
Bemerkenswert ist der Widerspruch, der sich in den Antworten auftut. Viele beklagen die Autoflut, doch wer selbst fährt, sieht dazu meist keine Alternative. Zwei Drittel dieser Eltern bezeichnen das tägliche Bringen und Holen schlicht als Notwendigkeit. Die Gründe sind fast durchweg praktischer Natur: 37 Prozent nennen Anschlusstermine der Kinder, 31 Prozent das Wetter, 27 Prozent die Verbindung mit dem eigenen Arbeitsweg und 18 Prozent den geringeren Zeitaufwand.
Die ADAC Stiftung rät dennoch, wo immer möglich auf das Auto zu verzichten. „Zu Fuß gehen, Rollern und Radfahren schafft Bewegung, fördert Selbstständigkeit und intensiviert soziale Kontakte“, sagt Christina Tillmann, Vorständin der Stiftung. Ein guter Anfang sei das gemeinsame Üben des Schulwegs – etwas, das laut Umfrage bereits 88 Prozent der Eltern vor der Einschulung tun.
Ob sich die Zahl der Elterntaxis tatsächlich verringern lässt, bleibt fraglich. Seit die Stiftung 2023 mit ihren Befragungen begann, verändern sich die Werte nur minimal. Am ehesten würden Eltern auf den Fahrdienst verzichten, wenn die Wege sicherer gestaltet und weniger zeitaufwendig wären. Angesichts der überwiegend praktischen Beweggründe erscheint eine spürbare Trendwende jedoch unwahrscheinlich.
Tillmann nimmt deshalb auch Kommunen und Schulträger in die Pflicht. „Neben den berechtigten Appellen, auf Elterntaxis zu verzichten, sollten Kommunen und Schulträger auch den Verkehrsraum vor den Schulen anpassen“, sagt sie. Empfohlen werden etwa ausgewiesene Halteflächen abseits der Eingänge, der Ausbau von Rad- und Gehwegen, mehr Schülerlotsen und notfalls auch absolute Halteverbote.
Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule entspannt sich die Lage ohnehin. Dann werden nur noch neun Prozent der Kinder mit dem Auto gebracht, während das Fahrrad mit 22 Prozent an Bedeutung gewinnt. Über die Hälfte legt zumindest einen Teil des Weges zu Fuß zurück, viele davon in Kombination mit Bus oder Bahn. Grundlage der Ergebnisse ist eine Onlinebefragung von 1.000 Eltern schulpflichtiger Kinder zwischen fünf und 15 Jahren, durchgeführt Ende Juni 2026.

















