Deutschlands Autofahrer steigen um – und das in Rekordtempo. Schon in den ersten drei Quartalen 2026 wurden mehr als 604.000 vollelektrische Pkw neu zugelassen. Damit ist der Vorjahresbestwert von rund 545.000 Fahrzeugen bereits jetzt übertroffen. Das geht aus dem 9. Elektromobilitätsmonitor des BDEW hervor, den der Branchenverband am 3. November vorgelegt hat.
„Die Zahlen zeigen: Elektromobilität überzeugt immer mehr Menschen“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Für den Schub sorgen aus ihrer Sicht mehrere Faktoren, die ineinandergreifen: ein wachsendes Fahrzeugangebot, Preise, die sich in vielen Segmenten denen vergleichbarer Verbrenner annähern, hohe Spritkosten und die staatliche Förderung. Auch der Anteil der Stromer an allen Neuzulassungen klettert kräftig. Er liegt bislang bei 27,2 Prozent – seit dem Sommer sogar bei mehr als einem Drittel.
Besonders bemerkenswert ist die Bewegung auf dem Gebrauchtwagenmarkt, der erstmals spürbar anzieht. Rund 261.000 gebrauchte E-Pkw wechselten in den ersten neun Monaten den Besitzer, ein Plus von etwa 56 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für die Branche ist das ein Signal, dass sich der Umstieg nicht mehr nur auf Neuwagenkäufer beschränkt.
Dass der Andrang nicht zu Engpässen führt, liegt am Ausbau der Infrastruktur. Mehr als 220.000 öffentliche Ladepunkte mit über elf Gigawatt Ladeleistung stehen inzwischen bereit, getrieben vor allem durch den Ausbau der Ultraschnelllader. Trotz der Rekordzulassungen sind im Schnitt nur 13 Prozent der Ladepunkte zeitgleich belegt – ein leichter Anstieg gegenüber den zwölf Prozent des Vorjahres. Bei den langsameren AC-Ladern liegt die Auslastung nie über durchschnittlich 17 Prozent.
Auch der Güterverkehr findet bereits ein tragfähiges Netz vor. An rund 790 Standorten können vollelektrische Lkw in Deutschland öffentlich laden, Tendenz steigend. Die Fahrrouten der Logistiker sind damit nach BDEW-Angaben gut abgedeckt. Dazu trägt bei, dass auch Ultraschnellladestandorte für Pkw mitgenutzt werden, hinzu kommen zahlreiche Lademöglichkeiten in den Depots der Unternehmen.
Überzeugend fällt der Blick aufs Geld aus. In allen untersuchten Szenarien ist Laden günstiger als Tanken. Wer den Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage bezieht, zahlt umgerechnet 0,28 Euro je Liter – gegenüber einem im Monitor angesetzten Benzinpreis von 2,17 Euro je Liter ergibt das ein Minus von rund 1,90 Euro. Selbst im teuersten und in der Regel vermeidbaren Fall, dem Schnellladen bei einem Fremdanbieter, bleibt ein Vorteil von etwa 60 Cent je Liter.
Entsprechend groß ist die Zufriedenheit der Nutzer. 94 Prozent der befragten E-Autofahrerinnen und -fahrer würden sich beim nächsten Kauf erneut für ein Elektroauto entscheiden, ebenso viele würden es weiterempfehlen. Mit dem öffentlichen Ladeangebot sehen 91 Prozent ihre Erwartungen erfüllt, bei 55 Prozent wurden sie sogar übertroffen.
Für den BDEW hängt der weitere Erfolg nun an der Politik. Die Energie- und Ladebranche habe im Vertrauen auf die EU-Vorgaben massiv investiert und übererfülle diese in Deutschland um fast 250 Prozent, so Andreae. Sie fordert verlässliche Rahmenbedingungen, wirksame Anreize für elektrische Unternehmensflotten, eine steuerliche Flankierung und weniger Bürokratie beim Ausbau. Das, sagt sie, „ist Industriepolitik für den Standort Deutschland“.




















