Erst der Klick, dann doch der Gang zum Schalter: So lässt sich der Alltag mit deutschen Behörden derzeit treffend zusammenfassen. Zwar haben bereits 72 Prozent der Menschen hierzulande schon einmal online einen Termin beim Amt gebucht. Doch eine Verwaltungsleistung wie die Anmeldung eines Wohnsitzes tatsächlich digital zu beantragen, haben bislang nur 17 Prozent geschafft. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom, die zum Start der Smart Country Convention an diesem Montag in Berlin veröffentlicht wurde.
Immerhin: Die Richtung stimmt. Vor einem Jahr lag der Anteil derjenigen, die eine Behördenleistung komplett online erledigt haben, noch bei 13 Prozent. Und der Wunsch nach einem digitaleren Staat ist deutlich ausgeprägt. 57 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Behördenkontakte grundsätzlich digital ablaufen sollten. Ein knappes Viertel will sogar ausschließlich auf den Online-Weg setzen, während 34 Prozent zusätzlich Unterstützung vor Ort für jene wünschen, die digital nicht mithalten können. Nur sechs Prozent lehnen die Verwaltungsdigitalisierung grundsätzlich ab.
„Die Menschen sind beim digitalen Staat weiter als viele Ämter“, bringt es Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst auf den Punkt. Die Veränderungen kämen zwar voran, erreichten die Bürgerinnen und Bürger aber noch nicht wirklich. Er sieht die Bundesregierung in der Pflicht, der sie sich gestellt habe: Die Staatsmodernisierung sei zum politischen Schwerpunkt erklärt worden, und dafür gebe es Rückenwind aus der Bevölkerung. „Jetzt muss aus dem Online-Termin flächendeckend der Online-Antrag werden“, fordert Wintergerst.
Ein zweiter Blick in die Zahlen zeigt, dass die Zufriedenheit mit digitalen Angeboten langsam, aber stetig wächst. Fast jeder Zweite hat bereits per E-Mail mit einer Behörde kommuniziert, 37 Prozent nutzten ein Kontaktformular auf der Website. Beim Formular kletterte die Zufriedenheit binnen eines Jahres von 53 auf 64 Prozent, bei der E-Mail von 49 auf 55 Prozent. Auch die Online-Beantragung selbst holt auf: 44 Prozent zeigen sich zufrieden, nach 37 Prozent im Vorjahr. Chatbots, Video-Sprechstunden oder Verwaltungs-Apps bleiben dagegen bislang Randerscheinungen.
Die Debatte um den digitalen Staat bündelt sich in diesen Tagen auf dem Berliner Messegelände. Vom 13. bis 15. Oktober 2026 kommen dort mehr als 23.000 Fachleute aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, dazu über 600 Aussteller aus 15 Ländern und mehr als 850 Rednerinnen und Redner auf sieben Bühnen. Partnerland der diesjährigen Convention ist Portugal, die Schirmherrschaft liegt beim Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung.
Für Digitalminister Dr. Karsten Wildberger ist die Messe der „zentrale Treffpunkt für das digitale Deutschland“, der Know-how, Verwaltungsexpertise und Unternehmen zusammenbringe. Digitalisierung und smarte Städte müssten den Alltag der Menschen spürbar einfacher machen, so der Minister – denn nur so wachse das Vertrauen in den Staat. Messe-Chef Dr. Mario Tobias betont, hier würden aus Ideen konkrete Lösungen, weil Entscheider auf Best Practices und die entscheidenden Partner träfen.
Neu im Programm ist in diesem Jahr der Resilience Day am 15. Oktober, der sich der Widerstandsfähigkeit von Wirtschaft und Verwaltung im Krisenfall widmet. Zu den Gästen zählen unter anderem BKA-Präsident Holger Münch, ARD-Vorsitzender Florian Hager und THW-Präsidentin Sabine Lackner. Grundlage der vorgestellten Umfrage ist eine telefonische Befragung von 1.004 Personen ab 18 Jahren, die Bitkom Research zwischen August und September 2026 durchgeführt hat.



















