Jede vierte Person zwischen 16 und 29 Jahren räumt ein, sich im Netz glücklicher darzustellen, als sie es im Alltag tatsächlich ist. Was viele intuitiv vermuten dürften, belegt nun eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom mit konkreten Zahlen – und offenbart dabei einen deutlichen Generationengraben in der digitalen Selbstinszenierung.
Für die Erhebung befragte Bitkom Research im Januar 2026 insgesamt 1.449 Internetnutzerinnen und -nutzer ab 16 Jahren in Deutschland. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen – 53 Prozent – legt Wert darauf, online einen möglichst positiven Gesamteindruck zu hinterlassen. Bei den über 30-Jährigen sinkt dieser Anteil auf 28 Prozent. Noch markanter fällt der Unterschied bei der bewussten Beschönigung aus: Während ein Viertel der Jüngeren zugibt, sich im digitalen Raum glücklicher zu geben als in der Realität, tun dies bei den Älteren nur elf Prozent.
Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder ordnet die Ergebnisse differenziert ein: „Gerade für junge Menschen ist die digitale Welt ein wichtiger sozialer Raum, in dem sie positiv wahrgenommen werden wollen.“ Es sei völlig normal, sich eher von der Schokoladenseite zu zeigen. Doch er warnt zugleich: „Wenn die digitale Inszenierung aber zum Dauerzustand wird, erzeugt das bei den Selbstdarstellern vor allem Stress und bei Begegnungen im realen Leben Enttäuschung.“
Das geschönte Selbstbild beschränkt sich keineswegs auf vorgetäuschtes Glück. Jeweils 24 Prozent der 16- bis 29-Jährigen geben an, sich online selbstbewusster, interessanter oder sozialer zu präsentieren, als sie es offline sind. 18 Prozent stellen sich schöner oder lustiger dar, elf Prozent erfolgreicher und zehn Prozent sportlicher. Nur knapp drei von zehn jungen Befragten sagen, dass ihr digitales Auftreten ihrem realen Ich entspricht. Bei den über 60-Jährigen hingegen verzichten 65 Prozent auf jede Form der Selbstoptimierung im Netz – eine Kluft, die verdeutlicht, wie unterschiedlich die Generationen soziale Medien und digitale Kommunikation nutzen.
Die Zahlen werfen ein Schlaglicht auf ein Phänomen, das weit über individuelle Eitelkeit hinausgeht. Wer permanent eine idealisierte Version seiner selbst kuratiert, setzt sich einem Erwartungsdruck aus, der langfristig belastend wirken kann. Gleichzeitig entsteht bei anderen Nutzerinnen und Nutzern ein verzerrtes Bild davon, wie das Leben der Mitmenschen tatsächlich aussieht – ein Kreislauf, der sich gegenseitig verstärkt. Die Bitkom-Studie liefert damit einen nüchternen Beleg für das, was Fachleute seit Jahren unter dem Stichwort „Social-Media-Vergleichsdruck“ diskutieren.
Bemerkenswert bleibt, dass die Befragten ihre eigene Inszenierung durchaus reflektiert benennen können. Die Bereitschaft, offen über die Diskrepanz zwischen Online-Auftritt und Offline-Realität zu sprechen, deutet darauf hin, dass das Bewusstsein für digitale Selbstdarstellung wächst – auch wenn das Verhalten selbst sich dadurch offenbar noch nicht grundlegend verändert hat.






















