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Ein Forschungsteam der Universität Trier und die katholische KiTa gGmbh Trier untersuchten wie sich die Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern im Kindergartenalter auswirkt.Die in der Forschungskooperation EINSTEIN durchgeführten Untersuchungen ergaben, dass sich die psychische Gesundheit der Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren in der Pandemie verschlechtert hat. Insbesondere nahmen sichtbare problematische Verhaltensweisen wie Hyperaktivität, Impulsivität und Aufmerksamkeitsprobleme zu. Ein wichtiges Ziel der Kooperation besteht auch darin, aus den wissenschaftlichen Ergebnissen Unterstützungsmaßnahmen abzuleiten.

Die Forschungskooperation zwischen der katholischen KiTa gGmbH Trier und den drei Abteilungen für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Entwicklungspsychologie und Sozialpsychologie der Universität Trier entstand Ende 2019. Sie hat das Ziel, Forschungslücken zur sozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern im Kindergartenalter zu reduzieren und die Erkenntnisse direkt in die Praxis umzuleiten. Infolge der Corona-Pandemie wurde die etablierte Forschungsinfrastruktur genutzt, um die Auswirkungen der Pandemie für Kinder und ihre Bezugspersonen zu untersuchen.

Das Forschungsteam nahm mehrere Online-Erhebungen vor, die erste im Mai 2020. Bei einer Untersuchung während des zweiten Lockdowns im März 2021 wies nach mehr als einem Jahr Pandemie eine deutliche Mehrheit der Kinder (65 Prozent) keine erhöhten psychischen Belastungen auf. Allerdings fanden sich bei 35 Prozent der Kinder grenzwertige bis auffällige Ergebnisse, insbesondere hinsichtlich Hyperaktivität und Verhaltensproblemen. In 40 Prozent der Fälle traten diese Probleme laut der Beobachtungen der Eltern innerhalb der Pandemie zum ersten Mal oder in diesem Zeitraum zumindest verstärkt auf. „Die Befunde weisen darauf hin, dass die psychische Gesundheit nicht nur von Schulkindern, sondern auch von jüngeren Kindern unter der Corona-Pandemie gelitten hat“, fasst Prof. Dr. Tanja Hechler von der Universität Trier die Ergebnisse zusammen.

Auch die Situation in den Familien entwickelte sich nach den Studienbefunden zunehmend problematisch. Während im Mai 2020 nur etwas mehr als ein Viertel der Eltern (27 Prozent) die aktuelle Situation in der Familie als häufig angespannt erlebt hatte, war dies im März 2021 schon bei rund der Hälfte der Befragten der Fall. Außerdem wuchsen bei den Eltern Sorgen und Ängste wegen der Corona-Pandemie, und sie nahmen sich selbst als weniger stressresistent wahr. Eine weitere Messung im November 2021 ergab, dass sich die psychische Gesundheit der Kinder zu diesem Zeitpunkt etwa auf dem Niveau der Erhebung vom März 2021 befand. Nach den zwischenzeitlich erfolgten Öffnungsschritten und den Lockerungen stellten die Wissenschaftler im November bei den Verhaltensauffälligkeiten zumindest eine leichte Besserung fest. „Es ist allerdings noch zu früh, um hier von einem Trend hin zum Besseren zu sprechen“, sagt Dr. Tobias Maldei-Gohring von der Universität Trier.

Eine leichte Verbesserung war auch in den Familien zu beobachten. Hier hatten in der Wahrnehmung der Eltern Spannungen und Konflikte in der Familie im Vergleich zum März 2021 abgenommen. Dies werten die Forscher als ein wichtiges Signal, da die Situation der Eltern und der Familien einen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Kinder haben. Eine starke Belastung der Eltern, etwa durch Stress oder Alltagsprobleme, kann beispielsweise das auffällige Verhalten der Kinder verstärken, was wiederum zu einer höheren Belastung der Eltern führt. Bei den Untersuchungen kam auch heraus, dass die befragten Eltern die Veränderungen durch die Corona-Krise für sich selbst als belastender wahrnahmen als für ihre Kinder. „Die Unterschiede zwischen den Eltern und ihren Kindern könnten darauf hinweisen, dass es den Eltern ein wichtiges Anliegen war, ihre Kinder vor den Belastungen der Pandemie zu schützen und die Belastungen abzufedern“, vermutet das EINSTEIN-Projektteam. Die bisherigen Ergebnisse machen deutlich, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die Kinder und ihre Familien nicht mit dem Ende der Pandemie-bedingten Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens endeten. Vielmehr scheint die Belastung in vielen Familien weiter sehr hoch zu sein. Das Forschungsteam der Kooperation EINSTEIN plant daher aktuell eine vierte Untersuchung im Herbst 2022.

Die bisherigen Ergebnisse des EINSTEIN-Projektteams decken sich mit den Beobachtungen der katholischen KiTa gGmbH Trier in der Praxis. Eine eigene, unternehmensinterne Befragung unter den Kita-Standortleitungen zu Belastungen des KiTa-Fachpersonals hatte ergeben, dass auch die Mitarbeiter langfristige Folgen der Pandemie für die Kinder und zunehmende Verhaltensauffälligkeiten befürchteten. Die daraus entstehenden besonderen Bedürfnisse bei den Kindern, um die sich die pädagogischen Fachkräfte zusätzlich zum KiTa-Alltag kümmern, führen gerade in Zeiten des branchenweiten Fachkräftemangels in einigen Kindertageseinrichtungen auch zu einer deutlich wahrgenommenen Mehrbelastung.

Gleichzeitig zeigt sich die katholische KiTa gGmbH Trier überzeugt, dass die pädagogische Arbeit in den KiTas die Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie unterstützt, denn im KiTa-Alltag kommen Mechanismen zum Tragen, die bisherige Studien zur psychischen Gesundheit von Kindern als förderlich identifiziert haben. So betont Pia Khoilar, Leiterin des Strategiebereichs Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung bei der katholischen KiTa gGmbH Trier, dass Kindertageseinrichtungen allen Kindern ein stabiles und vertrautes Umfeld bieten, in dem der Tagesablauf von wiederkehrenden Ritualen strukturiert wird. Nicht zu unterschätzen sei auch die präventive Wirkung von regelmäßigem Kontakt zu Freunden und altersangemessenen Bewegungsmöglichkeiten, welche der Besuch einer KiTa ermöglicht. Zudem baue das Fachpersonal in den KiTas der katholischen KiTa gGmbH Trier tragende und vertrauensvolle Beziehungen zu den Kindern auf, beobachte die Kinder systematisch und könne dadurch deren Bedürfnisse und besondere emotionale Belastungen schnell erkennen.

Die Mitarbeiter seien geschult darin, die Anliegen und Themen, die die Kinder beschäftigen, aufzugreifen und spielerisch aufzuarbeiten. Gleichzeitig merkt Pia Khoilar aber auch an, dass das KiTa-Fachpersonal zwar Expertise bei der frühkindlichen Entwicklung und Bildung vorweise, aber nicht die Arbeit von psychologisch geschulten Experten übernehmen könne. „Unsere pädagogischen Fachkräfte pflegen selbstverständlich regelmäßigen Kontakt mit allen Eltern und Sorgeberechtigten und beraten diese abgestimmt auf den Bedarf und die familiäre Situation, wenn für die Kinder der Rückgriff auf weitere Unterstützungssysteme erforderlich wird“, erläutert Pia Khoilar. Auch auf die Ergebnisse der nächsten Untersuchung durch die Forschungskooperation EINSTEIN ist die katholische KiTa gGmbH Trier gespannt, denn Kinder, Eltern und das KiTa-Fachpersonal standen aufgrund der Pandemie vor einer Vielzahl von neuen Herausforderungen. Diese erhebliche Mehrbelastung aller Personengruppen lässt sich nur in der Zusammenarbeit aller Beteiligten bewältigen, und hierfür ist es nach Ansicht der Forschungskooperation von entscheidender Wichtigkeit, die Bedürfnisse und Thematiken zu verstehen, die die Pandemie bei den Kindern hervorgebracht hat.

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