Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) hält die in Berliner Sondierungsgesprächen zwischen Linken, SPD und Grünen diskutierte Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften für einen teuren Irrweg. Statt neuen Wohnraum zu schaffen, so die Kernkritik, würde lediglich bereits vorhandener günstiger Wohnraum von privater in staatliche Hand verschoben – ohne dass eine einzige zusätzliche Wohnung entstünde.
Im Zentrum der Debatte stehen Unternehmen mit mehr als 10.000 Wohnungen. Betroffen wären nach den Berechnungen rund 160.000 Einheiten. Der BKU verweist auf das Prinzip der Subsidiarität: Der Staat sei nicht der bessere Unternehmer, und auch private Anbieter hätten ein Interesse daran, die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum zu bedienen. Genau das täten viele von ihnen bereits heute.
Rechtlich sieht der Verband erhebliche Risiken. Eine Vergesellschaftung mit dem Ziel, Bestände unter Marktwert zu übernehmen, setze eine gemeinwohlnotwendige Zwangslage voraus und würde zwangsläufig in langwierige juristische Auseinandersetzungen münden. Für den Investitionsstandort Deutschland hätte ein solcher Schritt nach Einschätzung des BKU verheerende Folgen, weil er national wie international Rechtsunsicherheit auslöse. Vor dem Verfassungsgericht dürfte der Ansatz mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern.
Besonders kritisch bewertet der Verband die soziale Treffsicherheit. Geht man von einem Wert in Höhe des 20-fachen der Jahresmiete aus, läge die Durchschnittsmiete bei rund 400 Euro monatlich – es handele sich also längst um Sozialwohnungen oder um Wohnungen, die preislich dafür geeignet seien. Neue Sozialwohnungen entstünden so nicht. Profitieren würden vor allem jene, die ohnehin einen alten, günstigen Mietvertrag halten, während echte Sozialkriterien außen vor blieben.
Der BKU führt sechs zentrale Einwände an. Günstiger Wohnraum werde der Privatwirtschaft entzogen, ohne dass eine Wohnung hinzukäme. Die öffentliche Hand lade sich massive Finanzlasten auf, die Berlins ohnehin bescheidene Bonität belasten und den Spielraum für Wohngeld oder Wohnbauförderung einengen. Zugleich drohe ein Instandhaltungsstau, weil bei eingefrorenen Mieten das Geld für Modernisierungen fehle – ein Szenario, das vor 30 Jahren bereits zur Privatisierung veralteter städtischer Bestände geführt habe.
Als Alternative setzt der Verband auf die Förderung von kostengünstigem Bauen. Kurzfristig ließen sich Kosten durch Standardisierung von Bauteilen und Grundrissen, serielles und modulares Bauen, konsequente Digitalisierung der Planung sowie den Verzicht auf teure Sonderlösungen wie Tiefgaragen senken. Ein zweiter Hebel liegt im Bestand: Dachaufstockungen, Nachverdichtung und die Umnutzung leerstehender Hotels, Büros und Gewerbeimmobilien könnten gerade in Ballungsräumen rasch zusätzliche Angebote schaffen.
Längerfristig fordert der BKU strukturelle Reformen – etwa die Weiterentwicklung des Gebäudetyps E, flexiblere energetische Anforderungen, den Abbau von Stellplatzpflichten und eine Harmonisierung der Landesbauordnungen. Soziale Förderung sei zudem über Wohngeld, ein neues Baukindergeld oder die Stärkung von Genossenschaften deutlich zielgerichteter einsetzbar.
Über die reine Kostenfrage hinaus plädiert der Verband für Stadtplanung in sozialer Verantwortung. Denkbar seien Quartiere, die Wohnen, Gesundheit, Bildung und Begegnung vereinen – etwa auf leerstehenden Bauernhöfen oder ungenutzten kirchlichen Flächen. Solche Projekte adressierten Wohnraummangel, Ärztemangel, Einsamkeit und Pflegebedarf zugleich. Für den BKU ist das Bauen im Bestand gelebte katholische Soziallehre.





















