Das vermeintliche Superschnäppchen, das nur noch wenige Minuten gilt, der Hinweis auf den „letzten verfügbaren Artikel“ oder ein Glücksrad, das zusätzliche Rabatte verspricht: Wer online einkauft, begegnet solchen Elementen ständig. Viele dieser Hinweise sollen informieren, einige zielen aber klar darauf ab, den Kauf zu beschleunigen. In der Fachdebatte ist dann von sogenannten „Dark Patterns“ die Rede. Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt nun: Wahrgenommen werden diese Muster von nahezu allen, doch viele lassen sich nach eigenen Angaben davon kaum beeinflussen.
Für die repräsentative Befragung hat Bitkom Research im Auftrag des Verbands 1.263 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch interviewt, darunter 1.045 Personen, die Online-Shops nutzen. Die Erhebung fand zwischen Kalenderwoche 51 im Jahr 2025 und Kalenderwoche 2 im Jahr 2026 statt. Alle befragten Online-Shopper gaben an, mindestens eines der typischen Elemente schon gesehen zu haben – etwa Hinweise zur aktuellen Nachfrage oder zu Lagerbeständen, Countdown-Timer oder spielerische Funktionen wie Glücksräder. „Gegen missbräuchliche Geschäftspraktiken wie sogenannte Dark Patterns gibt es eine ganze Reihe von Regulierungen auf deutscher und europäischer Ebene“, erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Es mangelt nicht an Regeln, sondern an ihrer konsequenten Durchsetzung.“
Im Detail zeigt die Umfrage, wie verbreitet die einzelnen Elemente sind. 84 % der Online-Shopper nehmen Hinweise auf begrenzte Lagerbestände wahr, 60 % davon regelmäßig oder häufig, 24 % eher selten. 83 % stoßen auf Angaben zur aktuellen Nachfrage, etwa wie viele andere Personen ein Angebot ansehen oder im Warenkorb haben; 43 % sehen solche Hinweise regelmäßig oder häufig, 40 % selten. Ebenfalls 83 % berichten von Countdown-Timern, die anzeigen, dass ein Angebot nur noch kurze Zeit gilt, davon 44 % regelmäßig oder häufig und 39 % selten. Spielerische Elemente wie Glücksräder oder Hütchenspiele fallen ebenfalls 83 % der Befragten auf, 46 % sehen sie regelmäßig oder häufig, 37 % selten.
Trotz dieser allgegenwärtigen Kaufanreize geben viele an, sich in ihrem Verhalten nicht wesentlich beeinflussen zu lassen. Unter denjenigen, die Hinweise zur aktuellen Nachfrage wahrnehmen, sagen 64 %, sie träfen ihre Kaufentscheidungen wie gewohnt. 6 % kaufen nach eigenen Angaben schneller oder sofort, während 12 % die Seite ohne Kauf wieder verlassen. Bei Warnungen vor knappen Lagerbeständen entscheiden 53 % wie üblich, 16 % beschleunigen den Kauf und 14 % brechen ihn ab. Countdown-Timer führen bei 19 % dazu, dass der Einkauf abgebrochen wird. Bei spielerischen Elementen wie Glücksrädern ist der Anteil der Abbrechenden mit 21 % noch höher. Zugleich prüfen viele vor einem Kauf, mit wem sie es zu tun haben: 42 % schauen bei unbekannten Anbietern ins Impressum oder in vergleichbare Angaben. „Digitaler Verbraucherschutz beginnt beim Aufbau von Medienkompetenz“, sagt Wintergerst. „Wer typische Manipulationsmuster erkennt und Anbieter prüft, trifft informiertere Entscheidungen und kann so souveräner in der digitalen Welt handeln.“
Interessant ist auch der Blick auf das Sicherheitsgefühl beim Einkauf. Trotz der verbreiteten „Dark Patterns“ fühlen sich 90 % der Online-Shopper beim Kauf im Netz häufig oder regelmäßig sicher. Beim Einkauf im stationären Handel sagen das nur 79 %. Auch beim Komfort und beim Einkaufserlebnis liegt der Online-Handel vorn: 91 % haben nach eigenen Angaben in der Regel Spaß am Online-Einkauf, im Geschäft vor Ort sind es 77 %. 88 % empfinden Online-Shopping als bequem, während dies beim Einkauf vor Ort nur 53 % so sehen. Zudem wird die Transparenz im Netz deutlich höher eingeschätzt. 85 % der Online-Shopper geben an, online unterschiedliche Angebote leicht vergleichen zu können, im stationären Handel gelingt das nur 47 % häufig oder regelmäßig. „Verbraucherinnen und Verbraucher schätzen den Online-Handel, weil er Orientierung, Vergleichbarkeit und rechtliche Sicherheit bietet“, sagt Wintergerst. „Gerade weil Online-Shopping so etabliert ist, sollten für Online- und Offline-Handel vergleichbare Maßstäbe gelten – mit klaren, durchsetzbaren Regeln, die Manipulation an der richtigen Stelle begrenzen und Verbraucherinnen und Verbraucher wirksam schützen.“
Der Verbraucherschutz im Netz steht auch im Mittelpunkt des Safer Internet Day am 10. Februar. An diesem Tag veranstalten das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und Bitkom eine gemeinsame Tagung unter dem Titel „Altersverifikation, Dark Patterns und In-Game-Käufe – was verändert der Digital Fairness Act?“. Die Veranstaltung findet am 10. Februar von 13 bis 18 Uhr statt. Weitere Informationen stellt Bitkom online unter www.bitkom.org/Safer-Internet-Day bereit. Die zugrunde liegende Umfrage umfasste Fragen zu Erfahrungen beim Online-Kauf und im stationären Handel, zur Wahrnehmung von Elementen wie Countdown-Timern, Glücksrädern, Lagerbestands- und Nachfragehinweisen, zu typischen Reaktionen darauf sowie zu Einschätzungen rund um Sicherheit, Komfort und Vergleichbarkeit beim Einkaufen.






















