Fast einhundert Besucherinnen und Besucher drängten sich in der Stadtbücherei St. Ingbert, als dort zwei Psychologinnen ihr gemeinsames Sachbuch vorstellten – und dabei einen Nerv trafen, der weit über die Welt der Fachliteratur hinausreicht. Prof. Tanja Michael und Corinna Hartmann waren auf Einladung des St. Ingberter Literaturforums (ILF) gekommen, um aus ihrem Bestseller „55 Fragen an die Seele – wie sie tickt und was ihr Halt gibt“ zu lesen. Der Abend reihte sich ein in ein Programm, das zuletzt mit einem musikalischen Literaturabend von Hans Bollinger und einer szenischen Rilke-Lesung für volle Reihen gesorgt hatte.
Das im dtv Verlag erschienene Buch widmet sich psychologisch fundierten Antworten auf Alltagsprobleme, liefert praktische Übungen zur Stärkung der eigenen Widerstandskraft und gibt Hinweise, wie sich das seelische Gleichgewicht bewahren lässt. Statt eines klassischen Vortrags wählten die beiden Autorinnen eine dialogische Form, die beim Publikum sichtlich ankam. Wer einen akademischen Frontalvortrag erwartet hatte, wurde angenehm überrascht: Der Austausch auf der Bühne wirkte eher wie ein offenes Gespräch zwischen zwei Freundinnen als wie eine Fachpräsentation.
Die Expertise der beiden Frauen ist dabei beachtlich. Tanja Michael lehrt als Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie und gilt international als Expertin für Traumaforschung. Corinna Hartmann stammt aus St. Ingbert, arbeitet als Wissenschaftsjournalistin und wurde mit dem Deutschen Journalistenpreis Neurologie ausgezeichnet. Gerade diese Kombination aus klinischer Forschung und journalistischer Vermittlungskraft macht das Buch und den Vortrag so zugänglich.
Exemplarisch griffen Michael und Hartmann einige der 55 Fragen heraus: Wie prägt uns die Kindheit? Wie gehen wir mit Stress um? Welche Macht hat bewusstes Atmen? Und wie durchbrechen wir Spiralen aus Angst und Grübeln? Die Antworten blieben dabei nie abstrakt, sondern wurden anschaulich aufbereitet. Zum Schluss verdichteten die Autorinnen ihre Botschaft im Bild einer Heldenreise: „Wir alle besitzen die Kraft, der Protagonist unserer eigenen Geschichte zu sein, und haben ein Leben lang die Chance, uns zu entwickeln und an unseren Erfahrungen zu wachsen.“ Im Saal brauchte es danach keine weiteren Worte – das Publikum reagierte mit sichtlicher Begeisterung.
ILF-Sprecher Jürgen Bost nutzte den Ausklang des Abends, um den Autorinnen und dem Team der Stadtbücherei zu danken. Ohne deren ganzjähriges Engagement, so Bost, wären Kulturveranstaltungen dieser Art schlicht nicht umsetzbar. Gleichzeitig richtete er den Blick nach vorn: Am Donnerstag, den 23. April 2026, steht die nächste Lesung im Kalender. Dann wird das im St. Ingberter Conte-Verlag erschienene Buch „Verlorene Schlösser und verborgene Adelssitze im Saarpfalz-Kreis“ präsentiert. Die Kunsthistorikerin Jutta Schwan und ihre Mitautoren nehmen darin die Leserschaft mit auf eine Spurensuche durch die Region, die laut Ankündigung mit so mancher überraschenden Erkenntnis aufwartet.



















