Krieg, Klimawandel, gesellschaftliche Spaltung, digitale Umbrüche: Selten standen so viele Krisen gleichzeitig im Raum wie heute. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) zog zu seinem 80jährigen Bestehen eine deutliche Bilanz. Die dreitägige Jubiläumstagung in Berlin machte sichtbar, wie sehr die Profession in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen hat – und welche Rolle ihr in den anstehenden Veränderungsprozessen zukommt.
„In Zeiten multipler Krisen und teilweise rasanter Veränderungen in allen Lebensbereichen hat die Psychologie als Profession enorm an Bedeutung gewonnen“, betonte BDP-Präsidentin Thordis Bethlehem in ihrer Eröffnungsrede. Der Bedarf an professioneller, seriöser und vertrauensvoller psychologischer wie psychotherapeutischer Versorgung sei in der Bevölkerung deutlich gestiegen. Sie helfe Menschen dabei, Krisen zu bewältigen und neue Strategien im Umgang mit persönlichen wie globalen Herausforderungen zu entwickeln.
Den fachlichen Auftakt setzte Prof. Dr. Elisabeth Kals mit ihrem Vortrag „Gerechtigkeitserleben und soziale Verantwortung“. Ihr gerechtigkeitspsychologischer Blick auf das Zusammenspiel von Individuum und Gesellschaft markierte den Ton der Tagung. Rund 30 Veranstaltungen folgten und spannten einen weiten thematischen Bogen: Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt, Bildung und Kindeswohl, Digitalisierung, Arbeitssicherheit, psychotherapeutische Versorgung und Verbraucherschutz standen ebenso auf der Agenda wie die psychischen Folgen von Klimawandel, Umweltkatastrophen, Kriegen, Armut und Migration.
Ein Höhepunkt war der Verbändegipfel zur Psychologie im Arbeitsschutz. Gemeinsam mit Prof. Dr. Annett Kluge (DGPs), Prof. Dr. Sabine Rehmer und Prof. Dr. Jan Dettmers vom Vorstand des Fachverbands PASiG, Dr. Christian Felten von der Basi sowie VDSI-Vorstand Silvester Siegmann diskutierte der BDP über die Rolle der Psychologie im betrieblichen Schutzgefüge. Politikwerkstätten wie „Psychologie im Kindergarten“ oder „Die doppelte Klimakrise – meteorologisch und gesellschaftlich“ ergänzten das Programm, hinzu kamen Fachimpulse aus Wirtschafts-, Sport- und Verkehrspsychologie.
Auch das verbandspolitische Selbstverständnis wurde geschärft. Als größte bundesweit agierende Interessenvertretung des Berufsstandes wird der BDP weiterhin im gesellschaftlichen Diskurs mitmischen und wissenschaftlich fundierte Positionen in Gesetzgebungsverfahren einbringen. Die Stärkung psychischer Gesundheit, so der Tenor, sei eine zentrale Voraussetzung für Resilienz, Gemeinwohl und Veränderungsbereitschaft – und damit für die Lösung der großen Aufgaben der Gegenwart.
Während des Festakts wurden zwei Persönlichkeiten besonders geehrt. Prof. Dr. Wolfgang Schubert erhielt die Goldene Ehrennadel des BDP für seine Verdienste um die Verkehrspsychologie. Als Sektionsvorsitzender war er an der erstmaligen Erwähnung von Diplom-Psychologinnen und -Psychologen in der Gesetzgebung zur Fahrerlaubnisprüfung beteiligt und entwickelte das Zertifikat „Psycholog*in für Verkehrspsychologie (BDP)“ mit. In seiner Zeit bei der Dekra baute er zudem ein flächendeckendes Netzwerk von Begutachtungsstellen für Fahreignung auf. Ruth Curio wurde mit dem Ehrenzeichen des BDP ausgezeichnet. Über 25 Jahre prägte sie die Arbeit der Fachgruppe „Klinische Psychologie im Allgemeinkrankenhaus“ und vertritt bis heute die Interessen in der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychosoziale Versorgung im Allgemeinkrankenhaus.
Ausklang fand das Jubiläum auf dem Restaurantschiff Van Loon unter dem Motto „Elbe in Berlin“ – eine Verbeugung vor der Gründung am 5. Juni 1946 im Restaurant Hoppe am Hamburger Elbstrand. Heute zählt der Verband rund 11.000 Mitglieder. Der Abend wurde zum Dank an Mitarbeitende und Kooperationspartner und zur Feier dessen, was den BDP seit acht Jahrzehnten trägt: Solidarität, Wirksamkeit und Vielfalt.
















