Foto: MFW
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Gewalt gegen Kinder hinterlässt Spuren, die weit über die Kindheit hinausreichen. Sie kann psychische Erkrankungen auslösen und ganze Familien in einen Kreislauf ziehen, in dem sich Aggression von Generation zu Generation weiterträgt. Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit von Anselm Crombach an, der nun die Professur für Klinische Kinder- und Jugendlichenpsychologie und Psychotherapie an der Universität des Saarlandes übernommen hat.

Seine Forschung dreht sich um eine zentrale Frage: Wie entstehen diese Gewaltkreisläufe, und wie lassen sie sich durchbrechen? Crombach untersucht, welche Rolle traumatische Erfahrungen, Scham, soziale Ausgrenzung und familiäre Belastungen dabei spielen, dass Gewalt weitergegeben wird. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt und prüft er zugleich therapeutische und vorbeugende Ansätze, die dem entgegenwirken sollen.

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Dahinter steht ein nüchternes Argument, das oft übersehen wird. Die sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgekosten von Gewalt übersteigen die Ausgaben für Prävention und frühe Behandlung um ein Vielfaches. Dennoch ist die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen weltweit wie auch in Deutschland lückenhaft. Gerade jene Kinder, die Gewalt erlebt haben, erreichen die bestehenden Angebote bislang kaum.

Crombachs Weg führte ihn immer wieder in Regionen, in denen Gewalt zum Alltag gehört. In Burundi, der Demokratischen Republik Kongo, Südafrika und Uganda arbeitete er mit lokalen Kolleginnen und Kollegen und mit Menschen, die Gewalt erfahren oder selbst ausgeübt hatten. Parallel baute er seit 2021 als Juniorprofessor die Universitätsambulanz für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Saar-Universität auf. Diese Ambulanz ist längst ein fester Bestandteil der Ausbildung angehender Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und soll künftig als Plattform dienen, um Forschungsergebnisse direkt in die Versorgung zu übertragen.

Mit seiner Professur verfolgt Crombach ein ehrgeiziges Ziel. In Saarbrücken will er einen international sichtbaren Schwerpunkt zu Gewaltkreisläufen, Traumafolgestörungen und aggressivem Verhalten etablieren, der Forschung, Lehre und praktischen Transfer verbindet. Seine Ansätze sollen dabei nicht im Labor verharren, sondern in ganz unterschiedlichen Systemen greifen, von der Hochschulambulanz über das deutsche Gesundheitswesen bis hin zu Regionen, die von bewaffneten Konflikten gezeichnet sind.

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Angesichts globaler Krisen, Fluchtbewegungen und klimabedingter Unsicherheiten sieht er darin auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Studierende sollen deshalb früh und forschungsnah an die wissenschaftlich fundierte Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter herangeführt werden.

Crombachs akademischer Werdegang begann mit dem Psychologiestudium an der Philipps-Universität Marburg. 2010 wechselte er an die Universität Konstanz, wo er in der Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Klinische Neuropsychologie promovierte und seinen Forschungsschwerpunkt zu den Folgen von Gewalt in Konfliktregionen aufbaute. Er lehrte an der Université Lumière de Bujumbura in Burundi und gründete ein Forschungskonsortium mit den Nichtregierungsorganisationen vivo international e.V. und Psychologues sans Frontières Burundi. Zwischen 2020 und 2023 koordinierte er zudem ein Projekt gegen geschlechtsspezifische Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo, in dessen Rahmen mehr als 8600 Traumatherapien durchgeführt wurden.

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