Bezahlen mit dem Smartphone, kontaktlos an der Kasse oder ein schneller Betrag an Freunde per App: Digitale Zahlungsdienste gehören längst zum Alltag. Doch mit der Selbstverständlichkeit wächst offenbar auch das Unbehagen. Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland betrachtet die Vormachtstellung außereuropäischer Anbieter mit Sorge. Genau 46 Prozent stört es, dass viele der wichtigen Dienste von Unternehmen jenseits Europas stammen.
Das zeigt eine repräsentative Erhebung des Digitalverbands Bitkom, für die 1.004 Personen ab 16 Jahren telefonisch befragt wurden. Der Wunsch nach heimischen Alternativen ist demnach deutlich: 53 Prozent der Befragten halten mehr europäische Angebote für digitales Bezahlen für notwendig.
Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei der älteren Generation. Von den Menschen ab 65 Jahren bereitet 56 Prozent die Dominanz außereuropäischer Dienste Kopfzerbrechen, 61 Prozent fordern mehr Auswahl aus Europa. Bei den 16- bis 29-Jährigen fällt das Bild verhaltener aus: Nur 37 Prozent äußern hier eine ähnliche Sorge, immerhin 51 Prozent wünschen sich dennoch mehr europäische Lösungen.
Für Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst ist die Debatte mehr als eine Frage der Verbrauchervorlieben. „Der Zahlungsverkehr ist kritische digitale Infrastruktur. Europäische Angebote stärken die digitale Souveränität, den Wettbewerb und die Auswahl für Verbraucherinnen und Verbraucher“, betont er. Zahlungsdienste rücken damit in eine Reihe mit anderen Bereichen, deren Abhängigkeit von wenigen internationalen Konzernen politisch zunehmend kritisch gesehen wird.
Bemerkenswert ist die Kompromissbereitschaft eines Teils der Nutzerinnen und Nutzer. Immerhin 37 Prozent gaben an, für einen europäischen Dienst sogar Einbußen beim Leistungsumfang hinzunehmen. Auch hier zeigt sich das Generationengefälle: Unter den Über-65-Jährigen sind 44 Prozent dazu bereit, bei den Jüngsten lediglich 30 Prozent.
Einen Freifahrtschein bedeutet die europäische Herkunft allerdings nicht. Weitere 38 Prozent der Befragten würden heimische Anbieter nur dann bevorzugen, wenn diese den internationalen Konkurrenten in Sachen Leistung in nichts nachstehen. In diesem Punkt liegen Jung und Alt eng beieinander, mit 37 beziehungsweise 38 Prozent. „Für europäische Zahlungsdienste gibt es ein großes Potenzial, aber einen Europa-Bonus gibt es nicht um jeden Preis“, ordnet Wintergerst ein. Wer Kundschaft gewinnen wolle, müsse „bei Leistung und Funktion weltweit auf Top-Niveau spielen“.
Die Umfrage wurde von Bitkom Research im Zeitraum von der elften bis zur 14. Kalenderwoche 2026 durchgeführt und gilt als repräsentativ. Als Beispiele für Zahlungsdienste nannte die Befragung unter anderem Visa, Mastercard, Paypal, Klarna und girocard. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein europäischer Weg beim digitalen Bezahlen durchaus Rückhalt findet, entscheidend bleibt jedoch, dass die Technik überzeugt.





















