Es gibt Volksfeste, und dann gibt es das Webenheimer Bauernfest. Elf Tage, mehr als 50 Fahrgeschäfte, ein Festzelt, ein Bauernmarkt mit über 60 Ständen, Südwestdeutsche Rinderschau, Schlachtfest, Ballonglühen und am Ende ein Abschlussfeuerwerk – was vom 10. bis 20. Juli in Blieskastel-Webenheim steigt, ist kein austauschbares Sommerevent. Es ist eine Institution. Und hinter ihr steckt keine Agentur, kein Veranstaltungskonzern – sondern ein Verein, der von zahlreichen ehrenamtlich engagierten Menschen getragen wird.
Denn die Wurzeln des Bauernfestes reichen bis in die frühen 1920er Jahre zurück. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg, als die Landwirtschaft mit großen Problemen kämpfte, fanden sich die Bauern der Region zu Kundgebungen zusammen – immer zwischen Heu- und Getreideernte, immer mit einem provisorischen Zelt aus Stangen und Planen. Da das Pferd damals noch das wichtigste Fortbewegungsmittel war, entstanden schnell die ersten Pferderennen.
Bier vom Fass und Rostwurstbuden gab es bereits, Umzüge mit Pferden und Wagen sowieso. Das Webenheimer Bauernfest war geboren – und zählte schon damals zu den gesellschaftlichen Höhepunkten des Jahres, getreu dem Motto: Stadt und Land, Hand in Hand. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten die Väter und Großväter das alte Brauchtum konsequent wieder auf. Der Reiterverein Bliestal, dessen Wurzeln bis zur Gründung des Pferdezucht- und Reitervereins der Saarpfalz im Jahr 1921 zurückreichen, trägt das Fest bis heute.
Genau das ist das Besondere am Webenheimer Bauernfest: Es hat seine Herkunft nicht vergessen. Die Südwestdeutsche Rinderschau, die Stutenschau, der Handwerker- und Bauernmarkt, das Schlachtfest – das sind keine folkloristischen Dekore, sondern lebendige Bestandteile eines Festes, das immer noch weiß, wo es herkommt. Und gleichzeitig zieht es Jahr für Jahr Zehntausende Besucher aus der Region und weit darüber hinaus an.
Los geht es an diesem Freitag ab 16 Uhr, wenn Festzelt und Festplatz öffnen. Den offiziellen Startschuss gibt es um 19.30 Uhr: Die Kutschenparade setzt sich vom Paradeplatz in Blieskastel in Bewegung und zieht zum Festgelände – einer jener Momente, die das Bauernfest seit Jahrzehnten begleiten. Wenig später folgt die Eröffnungsfeier im Festzelt mit Schirmherr Dr. Richard Weber, Fassbieranstich und dem Musikverein Breitfurt, der bis 23 Uhr spielt.
Volksfest mit Wurzeln
Was das Bauernfest von anderen Großveranstaltungen unterscheidet, beginnt schon am zweiten Tag. Am Samstag ab 10 Uhr läuft der Handwerker- und Bauernmarkt mit Tierschau und Maschinenausstellung – mehr als 60 Stände, regionale Produkte, Tiere und Landtechnik. Der Sonntag gehört dann ganz der Landwirtschaft: Von 10 bis 15 Uhr findet die Südwestdeutsche Rinderschau statt, ab 15 Uhr folgt der Tag der Landwirtschaft mit einer 100-jährigen Zeitreise unter dem Motto „Vom Gras zur Milch!“. Wer gedacht hat, das Bauernfest sei vor allem Kirmes, hat diese Seite noch nicht erlebt.
Natürlich darf der Festplatz trotzdem nicht zu kurz kommen. Mehr als 50 Fahrgeschäfte werden aufgebaut – Geisterbahn, Simulator, Breakdancer, Autoscooter und vieles mehr. Für Familien lohnt sich besonders der Mittwoch, 15. Juli: Familientag mit reduzierten Preisen an allen Fahrgeschäften, dazu Kindermaltisch mit Anja Gräser am Nachmittag und die Almhüttenmusikanten am Abend. Und wer sowieso kommt: Das traditionelle Schlachtfest steigt ebenfalls am Mittwoch ab 18 Uhr – mit halbem Hendl, Webenheimer Schlachtplatte und Vesperteller.
Das zweite Wochenende zieht noch einmal an
Wer nicht gleich am ersten Wochenende kommt, bekommt am zweiten eine zweite Chance – und ein starkes Programm. Am Freitag, 17. Juli, spielt Curtain Call von 19 bis 1 Uhr im Festzelt, am Samstag übernimmt Sergeant. Dazu kommt einer der schönsten Momente des gesamten Festes: Gegen 21.30 Uhr, wenn die Dunkelheit einsetzt, ist das Ballonglühen geplant. Über den gesamten Veranstaltungszeitraum sind außerdem Ballon-Fesselstarts vorgesehen.
Der Abschlusssonntag, 19. Juli, packt noch einmal alles rein: Zeltgottesdienst mit dem MGV Webenheim, Working-Equitation-Turnier, Reiterflohmarkt, Weißwurst-Frühstück, Line Dancing mit Dan Mc Baker. Den Schlusspunkt setzt Montag, 20. Juli: Sturmfrei spielt noch einmal im Festzelt, um 22.30 Uhr folgt das große Abschlussfeuerwerk mit musikalischer Begleitung.
Praktisches
Parkplätze stehen direkt am Festgelände gegen eine kleine Gebühr zur Verfügung. Die genauen Öffnungszeiten: Freitag ab 16 Uhr, Samstag und Sonntag ab 11 Uhr, Montag ab 8.30 Uhr, Mittwoch ab 13 Uhr, Freitag bis Montag der zweiten Woche jeweils ab 13 Uhr. Dienstag, 14. Juli, und Donnerstag, 16. Juli, sind Ruhetage.
Elf Tage klingen lang – sind es aber erfahrungsgemäß nicht.



















