Pascal Richmann Foto: Enix Maci

Wie lässt sich der Klimawandel erzählen, ohne in bloße Zahlen und Warnungen zu verfallen? Der Autor Pascal Richmann sucht darauf eine literarische Antwort – und wird dafür ausgezeichnet. Das saarländische Ludwig-Harig-Stipendium 2026, dotiert mit 10.000 Euro, geht in diesem Jahr an den 1987 in Dortmund geborenen Schriftsteller für sein Romanprojekt „PECH HABEN“. Die feierliche Übergabe ist für Anfang November geplant.

Mit dem Stipendium fördert das Ministerium für Bildung und Kultur (MBK) Autorinnen und Autoren dabei, ihre literarischen Vorhaben zu verwirklichen. Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot sieht in Richmanns Arbeit ein Beispiel dafür, wozu Literatur imstande ist. „Gute Literatur kann Brücken schlagen – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Menschen und Perspektiven“, so die Ministerin. Sie mache Geschichte erfahrbar und helfe, die Herausforderungen der Gegenwart besser zu begreifen.

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Besonders jungen Menschen eröffne die Literatur Räume, in denen sie Fragen stellen, sich eine Meinung bilden und Empathie entwickeln könnten, betonte Streichert-Clivot weiter. Richmanns Roman zeige eindrucksvoll, „wie Literatur komplexe Zusammenhänge erzählbar macht und dabei berührt“. Solche Stimmen, so die Ministerin, brauche es – und deshalb freue sie sich über die Förderung.

Im Zentrum von „PECH HABEN“ steht die Geschichte der industriellen Erdölförderung im Elsass. Richmann verfolgt darin die Anfänge der modernen Fortschrittserzählung und deutet sie zugleich als eine Geschichte der Zerstörung. Die Jury lobte, wie der Autor die Folgen des menschengemachten Klimawandels mit einem ebenso analytischen wie poetischen Blick verknüpft und dabei zeigt, dass Literatur historische und politische Fragen in fordernde, emotionale Geschichten verwandeln kann.

Stilistisch überzeugt das Vorhaben die Jury durch seine sprachliche Konzentration und seinen ungewöhnlichen Zugriff. Richmann lasse seine Figuren mit „herausragender Eleganz“ auf die vergangenen 500 Jahre zurückblicken – präzise und überraschend, lakonisch und leidenschaftlich zugleich. Dabei wechselt er die Perspektiven, verschiebt die Grenzen literarischer Gattungen und verbindet Erzählung, Reportage und anthropologische Beobachtung zu einem eigenen Ton. So werde nicht nur Vergangenes erzählt, sondern auch die Gegenwart les- und verstehbar.

Mit dem Namensgeber des Preises verbindet Richmann laut Jury mehr als das Bestreben, Geschichte im Licht der Gegenwart zu deuten. Auch der erzählerische Blick auf die deutsch-französische Grenzregion sei beiden gemeinsam. Richmann studierte Sozial- und Kulturanthropologie in Heidelberg und Literarisches Schreiben in Hildesheim. Er verfasst Theatertexte, Essays, Reportagen und Erzählungen. Sein Debüt „über Deutschland, über alles“ erschien 2017 bei Hanser, gefolgt von „Man vermisst diesen Planeten“ (2021). Zuletzt veröffentlichte er gemeinsam mit Enis Maci den Roman „Pando“.

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Das Ludwig-Harig-Stipendium wird bereits zum achten Mal vom Ministerium für Bildung und Kultur vergeben. Es ist auf zwei Jahre befristet und als Reise- und Recherchestipendium angelegt – ganz im Sinne Ludwig Harigs, der selbst gern unterwegs war, um sich an originalen Schauplätzen inspirieren zu lassen und dort zu sammeln, zu sichten und zu recherchieren.

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