Europa hat sich im Handelsstreit mit den USA auf eine gemeinsame Linie verständigt – und der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sieht darin ein deutliches Zeichen der Stärke. „Die europäische Einigung im Umgang mit den USA sendet ein wichtiges Signal: Europa ist handlungsfähig und in der Lage, seine wirtschaftlichen Interessen gemeinsam zu vertreten“, erklärte BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura am 20. Mai 2026 anlässlich der Trilog-Einigung zum EU-US-Zollabkommen.
Der Kern der Vereinbarung betrifft die offenen Zollfragen zwischen Brüssel und Washington. Jandura betonte, die erzielte Verständigung trage dazu bei, die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zu stabilisieren und neues Vertrauen zwischen beiden Seiten aufzubauen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Europa durch die Einigung an Glaubwürdigkeit gewinne und mit Nachdruck darauf pochen könne, dass auch die USA ihre Zusagen einhielten. Entscheidend sei nun allerdings die Umsetzung: „Wichtig ist nun, dass die politischen Vereinbarungen schnell in verbindliches Recht umgesetzt werden“, forderte der Verbandspräsident.
Dabei ließ Jandura keinen Zweifel daran, dass Europa auch Instrumente brauche, um im Ernstfall reagieren zu können. Die im Abkommen verankerte Möglichkeit, Zollzugeständnisse bei Bedarf auszusetzen, erhöhe die Handlungsfähigkeit der EU. Zugleich warnte er vor einer weiteren Eskalation: „Zusätzliche Zölle und neue Unsicherheiten würden internationale Lieferketten belasten, Investitionen hemmen und den Unternehmen dringend benötigte Planungssicherheit entziehen.“ Niemand dürfe ein Interesse daran haben, den Handelskonflikt weiter anzuheizen.
Besonders der Mittelstand steht nach Einschätzung des BGA unter Druck. In einem zunehmend unberechenbaren globalen Umfeld seien verlässliche Rahmenbedingungen für Groß- und Außenhändler unverzichtbar. Offene Märkte, kalkulierbare Handelsbedingungen und funktionierende Lieferketten bildeten das Fundament, auf dem mittelständische Unternehmen ihre Geschäftsmodelle aufbauten. Nur wenn beide Seiten dauerhaft zu fairen und verbindlichen Vereinbarungen stünden, ließen sich Investitionen absichern und Wachstumspotenziale tatsächlich nutzen, so Jandura.
Der BGA-Präsident unterstrich abschließend die herausragende Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft. Die USA blieben für Deutschland und Europa ein zentraler Handelspartner. Gerade die Verschiebungen der globalen Handelsströme in geopolitisch schwierigen Zeiten zeigten, wie wertvoll verlässliche Partnerschaften zwischen Ländern mit gemeinsamen Werten seien. „Umso wichtiger ist es, dass jetzt auf beiden Seiten der politische Wille erkennbar bleibt, die transatlantischen Beziehungen konstruktiv und langfristig stabil zu gestalten“, schloss Jandura.
Mit der Trilog-Einigung rückt ein verbindlicher Rahmen für die Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA näher. Ob das Abkommen tatsächlich die erhoffte Stabilität bringt, wird sich daran messen lassen, wie konsequent beide Seiten die vereinbarten Regeln einhalten – und wie entschlossen Europa auf mögliche einseitige Maßnahmen reagiert.
















