Das Deutsch-Türkische Tulpenfest in Homburg gehört ab sofort zum immateriellen Kulturerbe des Saarlandes. Bei einer Feierstunde in Saarbrücken überreichte Kultusministerin Christine Streichert-Clivot der Homburger Delegation die offizielle Urkunde – und ließ dabei keinen Zweifel an ihrer persönlichen Begeisterung: „Ich bin sehr glücklich über die Aufnahme des Festes, weil dies im besten Sinne der UNESCO die Vielfalt der Kulturen deutlich macht.“ Erst vor gut zwei Wochen hatte die Ministerin das Tulpenfest im Homburger Stadtpark selbst besucht. Ihre Erwartungen, so sagte sie, seien dabei weit übertroffen worden.
Die Auszeichnung reiht sich in eine breitere Würdigung saarländischer Kulturformen ein. Neben dem Tulpenfest wurden fünf weitere Traditionen neu in das Landesverzeichnis aufgenommen: der Doppelweck, die Tradition des Schwenkens, die Barbarafeiern, das Lehnenausrufen sowie das Erbsenrad Wadrill. Auch die Bergmusik erfuhr bei der Veranstaltung eine besondere Anerkennung. Streichert-Clivot verband die Ehrung mit einem Appell an alle Vertreter der neu eingetragenen Kulturformen: „Mein Wunsch wäre, dass Sie die Unterschiedlichkeit der Kulturformen in einem Netzwerk zusammenbringen.“ Ein Gedanke, der bei der Homburger Abordnung offenbar sofort auf fruchtbaren Boden fiel – beim anschließenden Get-together wurde bereits darüber gesprochen, ob Doppelweck und Schwenker künftig auch beim Tulpenfest offiziell ihren Platz finden könnten.
Angeführt wurde die Delegation aus Homburg von Beigeordnetem Philipp Scheidweiler. Mit dabei waren Klaus Friedrich, der gemeinsam mit Nurettin Tan und dem anfänglich involvierten Markus Emser zu den Initiatoren und treibenden Kräften des Festes zählt, sowie Fatih Can und Ali Keyfoglua vom veranstaltenden Türkischen Elternbund Homburg und Umgebung e. V. und Hüseyin Kasikci. Scheidweiler nutzte die Gelegenheit, der Ministerin für die Würdigung der ehrenamtlichen Arbeit zu danken, die seit 2013 hinter der Ausrichtung des Festes steckt. Von Beginn an sei die Veranstaltung ein mit Leben erfülltes Symbol für Verständnis und Miteinander gewesen.
„Dass diese besondere Bedeutung auch saarlandweit wahrgenommen und erkannt worden ist, macht uns stolz und glücklich“, betonte Scheidweiler. Die Aufnahme in das Landesverzeichnis sei „der mehr als verdiente Lohn für die engagierte Arbeit aller, die sich hier einbringen“. Er richtete seinen Dank ausdrücklich an sämtliche Beteiligten und Unterstützer und unterstrich: „Diese Auszeichnung ist eine große Ehre für unsere Stadt und eine besondere Würdigung jahrelanger Anstrengung und vieler neuer Ideen. Und diese Auszeichnung ist auch ein sichtbares Zeichen für das lebendige und offene Miteinander, auf das wir in Homburg großen Wert legen.“
Zuvor hatte Klaus Friedrich in der Aula der Hochschule für Musik Saar die Entstehungsgeschichte des Festes nachgezeichnet – und dabei die besondere Rolle der namensgebenden Tulpe hervorgehoben. Die Blume, in der Türkei „Lale“ genannt, habe im 16. Jahrhundert ihren Weg aus dem Osmanischen Reich in europäische Gärten gefunden und gelte als Symbol für Liebe und Leben. Friedrich zog daraus eine Parallele zum Fest selbst: „So wie die Tulpe über Ländergrenzen hinweg ihren Platz gefunden hat, soll auch dieses Fest eine verbindende Wirkung haben und ein Zeichen sein für die deutsch-türkische Freundschaft, für ein friedliches Miteinander, für einen offenen Dialog zwischen Kulturen, Generationen und Lebenswelten – unabhängig von Herkunft, Sprache oder Religion.“ Das Tulpenfest stehe als lebendiges Beispiel für gelungene Integration, getragen von Offenheit, gegenseitiger Wertschätzung und der Freude am gemeinsamen Feiern.
Den emotionalen Schlusspunkt der Feierstunde setzten Hüseyin Kasikci auf der Saz, der türkischen Langhalslaute, und Ali Keyfoglua an der Trommel. Mit türkischen Weisen unterstrichen sie musikalisch, was an diesem Nachmittag in Saarbrücken vielfach in Worte gefasst worden war: dass Kultur dann am stärksten wirkt, wenn sie Menschen über Grenzen hinweg zusammenbringt.





















