Symbolbild
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Rund 361.700 Tonnen CO₂-Äquivalente hat der saarländische Tourismus allein im Jahr 2024 verursacht – ein Drittel davon geht auf das Konto der An- und Abreise. Diese Zahl ist das Fundament eines Konzepts, das die Tourismus Zentrale Saarland (TZS) nun erstmals vorlegt: das Klimawandelanpassungs- und Klimaschutzkonzept, kurz KliKo. Es soll die Branche im kleinsten Flächenland nicht nur klimafreundlicher, sondern vor allem widerstandsfähiger und wirtschaftlich stabiler machen.

Entwickelt hat die TZS den Klimafahrplan gemeinsam mit dem Institut für angewandtes Stoffstrommanagement am Umwelt-Campus Birkenfeld. Wissenschaftlich begleitet wurde das Vorhaben vom Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz sowie vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie. Auf Basis erhobener Daten zu Energieverbräuchen, Gästeströmen und Treibhausgasemissionen entstand ein Gesamtbild, das weit über eine reine Ökobilanz hinausgeht. Denn hinter den Emissionsquellen – Mobilität, Freizeitaktivitäten, Unterkünfte und Verpflegung – verbergen sich zugleich die größten Kostentreiber der Branche. Wer dort ansetzt, senkt nicht nur den ökologischen Fußabdruck, sondern verbessert auch die eigene Betriebsrechnung.

Genau diesen Doppeleffekt betont Wirtschafts- und Tourismusminister Jürgen Barke: „Das Konzept verbindet Klimaschutz mit wirtschaftlicher Vernunft: Es zeigt, wie wir Emissionen senken, Kosten reduzieren und Betriebe zukunftsfest aufstellen können. Resilienz ist dabei aktive Standortpolitik – wer heute investiert, sichert morgen Wettbewerbsfähigkeit.“ Barke sieht im nachhaltigen Wachstum einen Hebel, um den Tourismus als zentralen Wirtschaftsfaktor für das Saarland weiter auszubauen.

Für eine Destination, die sich über Outdoor-Erlebnisse wie Wandern und Radfahren definiert, ist die Verwundbarkeit durch den Klimawandel besonders greifbar. Hitzeperioden zwingen Veranstalter zum Umdenken, Starkregen kann Wege und Infrastruktur beschädigen. Eine eigens erstellte Klimarisikoanalyse identifiziert genau diese anfälligen Bereiche und zeigt, wo Anpassung dringend nötig wird. Darauf aufbauend wurden Szenarien bis zum Jahr 2045 modelliert, die sichtbar machen, wie unterschiedlich sich der Tourismus je nach Entwicklungspfad verändern könnte. Die Ergebnisse fließen direkt in die übergeordnete Tourismusstrategie 2035 ein, in der Nachhaltigkeit als eines von sechs Leitzielen verankert ist.

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Das KliKo versteht sich dabei ausdrücklich nicht als statisches Papier, sondern als laufender Prozess. Hotels, Gastronomiebetriebe, Kommunen und regionale Organisationen sollen gleichermaßen eingebunden werden. Gespräche mit Landkreisen laufen bereits, weitere Formate sind in Vorbereitung. Ziel ist eine landesweite Transformation, die nicht an einzelnen Leuchtturmprojekten hängenbleibt, sondern in der Fläche wirkt. Die TZS positioniert sich als zentrale Schnittstelle: Sie will Betriebe zu konkreten Maßnahmen und Fördermöglichkeiten beraten, Akteure vernetzen und Projekte bis hin zu Investitionsentscheidungen begleiten.

Birgit Grauvogel von der TZS ordnet das Vorhaben ein: „Wir haben mit dem KliKo erstmals eine fundierte Analyse der klimabedingten Herausforderungen im Saarlandtourismus sowie konkrete Maßnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung erarbeitet. Diese bringen wir nun systematisch in die Umsetzung.“ Als digitales Werkzeug für die Branche entsteht parallel die Plattform kliko.saarland, die Wissen, Handlungsempfehlungen und praktische Instrumente bündeln soll.

Der Ansatz ist klar: Statt den Klimawandel als abstraktes Zukunftsthema zu behandeln, macht das Saarland ihn zum konkreten Planungsfaktor. Ob alternative Mobilitätsangebote für Gäste, energieeffizientere Betriebe oder eine stärkere regionale Wertschöpfung bei der Verpflegung – die identifizierten Handlungsfelder sind vielfältig. Entscheidend wird sein, ob die Umsetzung tatsächlich über Absichtserklärungen hinauskommt und die Betriebe vor Ort mitzieht. Die Strukturen dafür stehen, der Praxistest beginnt jetzt.

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