Rund 2,6 Milliarden Euro sind bislang zusammengekommen – doch gemessen am eigentlichen Ziel der WIN-Initiative ist das erst ein Bruchteil. Die KfW hat am Montag ihren ersten umfassenden Report über das Maßnahmenpaket zur Förderung von Startups und Scaleups in Deutschland vorgelegt. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst zieht eine gemischte Bilanz: Fortschritte ja, aber an den entscheidenden Stellen fehle es weiterhin an Umsetzung.
Die WIN-Initiative wurde vor rund anderthalb Jahren von der damaligen Bundesregierung gemeinsam mit privaten Kapitalgebern gestartet. Ihr erklärtes Ziel: Bis 2030 sollen zwölf Milliarden Euro an Wachstums- und Innovationskapital für junge deutsche Technologieunternehmen mobilisiert werden. Im aktuellen Koalitionsvertrag ist sogar eine Verdopplung auf 25 Milliarden Euro vorgesehen. Vor diesem Hintergrund wirken die bisher eingesammelten 2,6 Milliarden Euro zwar respektabel, aber bei weitem nicht ausreichend.
Wintergerst ordnete die Zahlen entsprechend ein: „Die WIN-Initiative hat Fahrt aufgenommen, und das ist eine gute Nachricht für den Startup-Standort Deutschland.“ Insbesondere in den vergangenen Monaten sei deutlich mehr Kapital in den Venture-Capital-Markt geflossen. Gleichzeitig machte der Bitkom-Präsident unmissverständlich klar, dass das Tempo nicht reicht. „Um das ursprüngliche Ziel von 12 Milliarden Euro bis 2030 und die im Koalitionsvertrag vorgesehene Verdopplung auf 25 Milliarden Euro zu erreichen, muss aber noch eine Schippe draufgelegt werden“, sagte er.
Von den insgesamt zehn vorgesehenen Maßnahmen sind laut Wintergerst sechs umgesetzt, darunter der Wachstumsfonds II und das Standortfördergesetz. Doch gerade bei den verbleibenden vier Vorhaben hakt es – und die haben es in sich. „Ausgerechnet dort, wo es wirklich zählt, sind die Beteiligten der WIN-Initiative noch die Umsetzung schuldig“, kritisierte er. Konkret geht es um die Frage, wie institutionelle Anleger stärker in den Startup-Markt eingebunden werden können. Stiftungen und Family Offices bräuchten bessere Anreize, um in junge Unternehmen zu investieren. Noch wichtiger sei es, Pensionskassen und Versorgungswerke dazu zu bewegen, einen Teil ihres Kapitals in Technologieunternehmen zu lenken. Davon würden beide Seiten profitieren, argumentierte Wintergerst, weil dann auch breite Bevölkerungsteile am wirtschaftlichen Erfolg von Startups teilhaben könnten.
Ein weiterer Knackpunkt betrifft den sogenannten Sekundärmarkt. Investoren wie Business Angels, die frühzeitig in Startups einsteigen, müssen ihre Anteile auch weiterverkaufen können. Ohne funktionierende Handelsplätze für solche Beteiligungen fehle dem gesamten System die nötige Dynamik, warnte der Bitkom-Präsident. Hier sei vor allem die Politik gefragt, für mehr Sichtbarkeit und deutlich mehr Tempo zu sorgen.
Wintergerst forderte darüber hinaus die zeitnahe Veröffentlichung der angekündigten Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung. Die Botschaft des Branchenverbands ist damit klar: Der Anfang ist gemacht, doch ohne entschlossenes Handeln bei den strukturellen Hebeln droht die Initiative hinter ihren eigenen Ansprüchen zurückzubleiben. Ob die neue Bundesregierung die offenen Baustellen mit der nötigen Entschlossenheit angeht, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.




















