Wenn der Alltag mit Kindern eng getaktet ist, geraten Pausen leicht aus dem Blick. Genau an diesem Punkt setzte ein Fachtag an, den das Kreisjugendamt Anfang Dezember im Bildungszentrum Kirkel organisiert hat. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Tagespflegepersonen im fordernden Betreuungsalltag besser mit Stress umgehen und eigene Kraftquellen erhalten können.
Das Kreisjugendamt qualifiziert regelmäßig Menschen für die Kindertagespflege. Diese Form der Betreuung gilt als gleichwertige Alternative zu Krippen und Kindertagesstätten. Sie ist individuell, flexibel und findet meist in einem besonders familiennahen Rahmen statt. Häufig bieten Mütter oder Väter die Betreuung in ihren privaten Räumen an, betreuen dort die eigenen Kinder gemeinsam mit den Tagespflegekindern und verbinden so Familie und Beruf. Um die Qualität der Betreuung zu sichern, müssen Kindertagespflegepersonen jedes Jahr Fortbildungen von mindestens 15 Unterrichtseinheiten absolvieren. Das Jugendamt stellt für diese Pflichtfortbildung verschiedene Angebote bereit.
Vor diesem Hintergrund organisierten die Fachberaterinnen der Kindertagespflege nun den Fachtag „Stressbewältigung im Betreuungsalltag der Kindertagespflege“ im Bildungszentrum Kirkel. Themen wie Selbstfürsorge und Selbstreflexion gewinnen in Berufen der sogenannten Care-Arbeit – ob in der Kinderbetreuung oder der Altenpflege – zunehmend an Bedeutung. Jugendamtsleiterin Cornelia Kazakob-Marsollek betonte zur Eröffnung des Fachtages: „Es ist nicht immer ganz einfach, mit Kindern in einer ganzen Gruppe der Situation angemessen umzugehen. Um Stress bewältigen zu können, muss man die Belastungen erkennen und seine eigenen Ressourcen kennen.“
Gleich zu Beginn wurden die Teilnehmer gebeten, einen Blick auf die zurückliegenden acht Tage zu werfen: Ob und wie war es gelungen, für sich persönlich zu sorgen, Energie zu tanken und die eigene Balance zu halten? Ausgehend von diesen Erfahrungen näherten sie sich einem zentralen Themenfeld der Veranstaltung: dem bewussten Erkennen der eigenen Stressoren, der individuellen Stressverstärker und der körperlichen wie emotionalen Reaktionen darauf. Ziel war es, besser zu verstehen, was Stress im Alltag auslöst und wie sich frühzeitig gegensteuern lässt.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der praxisnahen Umsetzung. Referentin des Fachtages war die Theaterpädagogin Claudia Knauf, die auf Erfahrungen aus Montessori-Projekten zurückgreift. Sie gestaltete den praktischen Übungsteil und lud dazu ein, unterschiedliche Formen der persönlichen Stressbewältigung direkt auszuprobieren. Dazu gehörten unter anderem Yoga-Elemente, Achtsamkeitsübungen und Gehmeditationen. Diese Methoden, so der Ansatz, lassen sich nicht nur für die eigene Entspannung nutzen, sondern können auch gemeinsam mit den Tagespflegekindern in den Alltag integriert werden.
Zum Abschluss hob Hans Josef Daubaris, Bereichsleiter Kindertagespflege beim Jugendamt, die Bedeutung solcher Weiterbildungen hervor. „Die Fachtage sind stets eine gute Gelegenheit für einen intensiven Austausch und eine Vernetzung innerhalb der Gruppe der Tagespflegepersonen, aber auch die Kompetenzen für die Arbeit mit Kindern weiterzuentwickeln. Bei der Themenauswahl achten wir darauf, dass das Gelernte in der Praxis anwendbar ist. Im Fokus des Kurses stand die Vermittlung von Methoden, die dazu geeignet sind, im Tagespflegealltag entspannte Situationen zu gestalten“, resümierte Daubaris. Damit setzte der Fachtag ein deutliches Signal, wie wichtig es ist, die Belastungen im Betreuungsalltag ernst zu nehmen und die Handlungsspielräume der Kindertagespflegepersonen gezielt zu stärken.




















