Der Weltklimarat IPCC hat am 9. August 2021 den ersten Band seines Sechsten Sachstandsberichts vorgestellt. Basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen zeigt sich, dass mittlerweile in allen Regionen weltweit konkrete Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels nachweisbar sind. An der Verabschiedung des Berichtes war auch der DLR Projektträger mit der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle beteiligt.

Der Klimawandel schreitet nachweislich immer schneller voran, und führt bereits überall auf der Welt zu gravierenden Veränderungen. Zu diesem Ergebnis kommt der Beitrag von IPCC-Arbeitsgruppe I zum Sechsten Sachstandsbericht über „Naturwissenschaftlichen Grundlagen“ des Klimawandels. Er wurde Ende Juli/Anfang August in einer virtuellen Vollversammlung des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Chance/„Weltklimarat“) verabschiedet. Der Bericht beschreibt den aktuellen Zustand des Weltklimas und seine voraussichtliche zukünftige Entwicklung. Außerdem informiert er über die damit verbundenen Risiken für Mensch und Natur und über die Minderungen an Treibhausgasemissionen, die notwendig wären, um die Ziele des Übereinkommens von Paris einzuhalten. In Paris wurde international verbindlich beschlossen, die globale Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C zu beschränken.

6.IPCC Sachstandsbericht: Die Hauptaussagen (PDF)

Der aktuelle Bericht beschreibt Änderungen in vielen Aspekten des Klimasystems: Temperaturänderungen, Meeresspiegelanstieg, Änderungen von Wettermustern und vieles mehr. Die damit verbundenen Risiken für Mensch und Natur werden in Band II zu Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit näher betrachtet, der im Februar 2022 erscheinen wird.
Der Bericht macht außerdem deutlich, dass die weltweiten Treibhausgasemissionen schnellstmöglich sinken und auf Null gebracht werden müssen, damit die Pariser Klimaziele noch eingehalten werden können. Band III, der im März 2022 veröffentlich werden wird, wird sich mit hierfür geeigneten Maßnahmen in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen befassen. Seit knapp drei Jahren arbeiteten mehr als 240 Fachleute aus aller Welt an dem Bericht, der Erkenntnisse aus über 14.000 Publikationen einordnet und bewertet. Insgesamt wurden in mehreren Begutachtungsrunden über 75.000 Kommentare eingereicht und von den Autorinnen und Autoren bearbeitet. De-IPCC ist im Prozess an der Nominierung von Expertinnen und Experten und an der Erstellung der Regierungsgutachten beteiligt.

Deutsche Umwelthilfe: Fakten des Weltklimarats zeigen uns: Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, es ist fünf nach zwölf

Den erschienenen neuen Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) kommentiert der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Sascha Müller-Kraenner, wie folgt: „Der neue Bericht des Klimarats bestätigt alle unsere Warnungen: Die Klimakrise kommt noch schneller und heftiger als bislang prognostiziert. Das CO2-Restbudget, um das 1,5-Grad-Limit einzuhalten, ist so gut wie aufgebraucht. Die aktuellen Katastrophen, seien es Fluten in Deutschland oder Brände in ganz Südeuropa, zeigen uns, dass die Auswirkungen uns nicht irgendwann treffen, sondern auch in Europa bereits hier und heute. Aber wir haben es selbst in der Hand, wie viel schlimmer es noch wird. Deshalb muss jetzt gehandelt werden – nicht nur mit verschärften Zielen, sondern mit ganz konkreten Taten. Und ‚jetzt‘ heißt nicht nächstes Jahr oder später, sondern noch vor der Bundestagswahl im September. CDU/CSU und SPD versündigen sich an uns und noch mehr an unseren Kindern und Enkeln, wenn sie bis zur Wahl weiter untätig sind. Eine neue Regierung muss zudem mit einem umfangreichen Sofortprogramm innerhalb der ersten 100 Tage reagieren. Wie das aussehen muss, ist vollkommen klar: Es darf keine neuen fossilen Infrastrukturprojekte mehr geben, Nord Stream 2 und Flüssigerdgasterminals müssen gestoppt werden, wir brauchen ein Verbrenner-Aus für Pkw in Deutschland 2025, ein Tempolimit, ein Sofortprogramm zur Gebäudesanierung und vieles mehr. Fluten, Brände und die Fakten des Weltklimarats zeigen uns: Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, es ist fünf nach zwölf. Die Zeit für Reden und Ziele ist vorbei. Noch heute muss gehandelt werden.“

Fridays for Future Deutschland: “Wir fordern die Neuverhandlung der Wahlprogramme. Alle Wahlprogramme müssen 1,5 Grad-konform sein“

Die Fridays For Future-Sprecher:in Luisa Neubauer reagiert mit folgenden Worten: “Wir fordern die Neuverhandlung der Wahlprogramme. Alle Wahlprogramme müssen 1,5 Grad-konform sein. Wir stehen wenige Woche vor der Bundestagswahl in einem der Haupverursacherländer der Klimakrise und keine der Parteien hat eine angemessen Antwort auf die Drastik der Lage. Die Einhaltung vom Pariser Abkommen scheitert bisher nicht an der Physik, sondern am politischen Willen.” Sprecherin Helena Marschall ergänzt: “Die Unfähigkeit der Politik diesen Katastrophen zu begegnen, treibt uns auf die Straße – wir appellieren an Menschen aus allen Generationen, sich uns anzuschließen. Zum globalen Klimastreik am 24. September werden wir uns an über 170 Orten gegen die aktuelle klimapolitischen Ignoranz wehren.”

Bundesverband Erneuerbare Energie e.V.: Sechster Bericht des Weltklimarats zeigt massiven Handlungsdruck auf

„Die Botschaft ist mehr als eindeutig: Die Anstrengungen zur Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels müssen massiv verstärkt werden. Ein hartes Umlenken beim Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase und der verstärkte Einsatz sauberer Technologien ist erforderlich, um das Klima wieder ins Lot zu bringen. Die Erneuerbaren Energien stehen in großer Technologiebreite für alle Bedarfe zuverlässig und bezahlbar bereit. Wir wollen unseren Beitrag für den Klimaschutz leisten. Dafür müssen die Hürden abgebaut und ein Programm zum beschleunigten Ausbau in den ersten 100 Tagen der neuen Bundesregierung aufgelegt werden. Deutschland kann damit an die einstigen Erfolge als Energiewende-Vorreiter anknüpfen.“, so Dr. Simone Peter, Präsidentin Bundesverband Erneuerbare Energie. Der Ausbau erneuerbarer Technologien leiste den entscheidenden Beitrag zur Eindämmung der Folgen des Klimawandels. Zugleich sei er Treiber regionaler Wertschöpfung: „Allein im Jahr 2020 hat die Nutzung Erneuerbarer Energien den Ausstoß von rund 227 Millionen Tonnen Treibhausgasen vermieden, insgesamt wurden rund 300.000 Arbeitsplätze geschaffen. Mit schnelleren Genehmigungsverfahren, einem neuen Strommarkt, der Flexibilität ins Zentrum stellt, und dem Abbau von Hürden im EEG könnten diese Erfolge deutlich ausgeweitet werden „Um die beschlossene Treibhausgasreduktion von mindestens 65 Prozent im Jahr 2030 zu erreichen, braucht es einen Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch von mindestens 44 Prozent und am Bruttostrombedarf von mindestens 77 Prozent. Dieser ist an einem deutlich steigenden Strombedarf auszurichten. Hierzu gehört auch die vollständige Umsetzung der europäischen Erneuerbaren-Energien-Richtlinie, um die gemeinsame Erzeugung von Energie und die Versorgung mit Bürgerenergie aus eigenen Anlagen zu ermöglichen“, so Peter. „Auf der Weltklimakonferenz im November in Glasgow müssen zudem die internationalen Ziele und Anstrengungen zur Bekämpfung der Klimakrise weiter präzisiert und die Erneuerbaren Energien ins Zentrum der Lösungsstrategie gestellt werden“, so Peter abschließend.

Die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle beim DLR Projektträger
Die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle wurde 1998 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) am DLR Projektträger eingerichtet. Seit über zwanzig Jahren unterstützt die Koordinierungsstelle das BMU und das BMBF und fungiert als Ansprechpartnerin für Regierung, Wissenschaft und Öffentlichkeit in IPCC-Angelegenheiten. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern den Wissenstransfer zwischen Klimaforschung und Klimapolitik; gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz stellen sie deutsche Übersetzungen der wichtigsten IPCC-Publikationen zur Verfügung. Fachkolleginnen und -kollegen des DLR Projektträgers im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit begutachten regelmäßig Entwürfe von IPCC-Berichten.

Der Weltklimarat IPCC
Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) ist ein UN-Ausschuss für Klimaänderungen, in dem 195 Staaten vertreten sind. Er wurde 1988 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu Ursachen und Folgen des Klimawandels sowie Möglichkeiten, damit umzugehen, zu bündeln. Der IPCC forscht nicht selbst, sondern hat Expertinnen und Experten ernannt, die die neuesten Forschungsergebnisse zum Klimawandel aus wissenschaftlicher Sicht bewerten.

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