Das Vertrauen der Deutschen in die Krisenfestigkeit ihrer Verwaltung schwindet. Nur noch 32 Prozent halten die öffentliche Verwaltung für gut auf hybride Angriffe wie Cyberattacken, Sabotage oder Desinformation vorbereitet. Zu Jahresbeginn lag dieser Wert noch bei 37 Prozent. Die Mehrheit von 62 Prozent sieht die Behörden sogar als schlecht gewappnet an.
Diese Zahlen stammen aus einer repräsentativen Befragung von 1.004 Menschen ab 18 Jahren, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat. Etwas mehr Zutrauen bringen die Befragten ihrer eigenen Kommune entgegen: 42 Prozent halten die Stadt- oder Gemeindeverwaltung vor Ort für gut vorbereitet. Dennoch sorgt sich mehr als die Hälfte der Deutschen, nämlich 53 Prozent, dass ein hybrider Angriff Behörden komplett lahmlegen könnte.
Besonders deutlich fällt die Kritik an der Politik aus. Fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent) sind überzeugt, die Bundesregierung schenke der Bedrohung durch hybride Angriffe zu wenig Beachtung. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sieht darin eine berechtigte Erwartungshaltung: „Deutschland wird täglich angegriffen, unsere Unternehmen, kritischen Infrastrukturen und Verwaltungen. Die Menschen spüren das und erwarten zu Recht, dass Staat und Verwaltung auch im Ernstfall handlungsfähig bleiben.“ Krisenfestigkeit, so Wintergerst, müsse von Anfang an mitgedacht werden – mit geschützten digitalen Systemen und funktionierenden Notfallplänen.
Viele Bürgerinnen und Bürger betrachten die Digitalisierung dabei als Teil der Lösung. 45 Prozent glauben, dass eine digitalisierte Verwaltung das Land insgesamt krisenfester macht. Ein Drittel (34 Prozent) geht davon aus, dass digitale Verwaltungsleistungen in einer Krise leichter zu nutzen sind als der klassische Gang aufs Amt oder Anträge auf Papier.
Der Vertrauensverlust betrifft nahezu alle staatlichen und gesellschaftlichen Akteure. Die Polizei halten derzeit 51 Prozent für gut vorbereitet, nach 56 Prozent zu Jahresbeginn. Die Bundeswehr bleibt stabil bei 47 Prozent. Unternehmen sowie Krankenhäusern und Ärzten trauen jeweils nur 34 Prozent eine gute Vorbereitung zu. Schlusslicht sind die Schulen: Ihnen attestieren lediglich 22 Prozent eine gute Vorbereitung, während 70 Prozent sie als schlecht gerüstet einstufen. Selbst die Bevölkerung bewertet ihre eigene Krisenfestigkeit zurückhaltend – nur 28 Prozent sehen sich gut vorbereitet.
Anlass für die Veröffentlichung der Zahlen ist der erste Resilience Day auf der Smart Country Convention in Berlin. Dort diskutieren prominente Gäste darüber, wie Deutschland widerstandsfähiger gegen hybride Bedrohungen werden kann. Zu ihnen zählen unter anderem Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, Sabine Lackner, Präsidentin des Technischen Hilfswerks, sowie Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv. „Resilienz ist eine gemeinsame Aufgabe von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft“, betont Wintergerst. Jede Behörde, jedes Unternehmen und jeder Einzelne könne schon heute etwas tun, um im Ernstfall besser gerüstet zu sein.
Konkrete Hilfe soll der Bitkom Resilience Hub bieten. Kommunen finden dort eine Checkliste mit mehr als 60 Prüfpunkten, die von der Krisenorganisation über die Cybersicherheit bis zur Warnung der Bevölkerung reichen. So können auch kleinere Verwaltungen ihre Vorsorge Schritt für Schritt prüfen. Unternehmen erhalten Leitfäden und Notbetriebspläne, während Bürgerinnen und Bürger in einem Selbsttest lernen, Desinformation, Fake-Webseiten und Bots zu erkennen.




















