Die Digitalisierung deutscher Kommunen soll endlich aus der Logik befristeter Pilotprojekte herausgeführt werden. Dafür haben sich sechs gewichtige Akteure zusammengetan: Der Digitalverband Bitkom, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der Verband kommunaler Unternehmen und die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement legten am 5. Oktober 2026 in Berlin ein gemeinsames Positionspapier vor. Ihr Kernanliegen: eine dauerhafte digitale Grundversorgung, die jeder Kommune zugutekommt.
Anlass für den Schulterschluss ist das Auslaufen zentraler Förderprogramme, allen voran der Modellprojekte Smart Cities des Bundesbauministeriums. Die Verbände warnen davor, dass mit dem Ende dieser Gelder auch der digitale Schwung verloren gehen könnte. Statt immer neuer zeitlich begrenzter Projekte brauche es Strukturen, die auf Dauer tragen und dauerhaft finanziert werden.
Wie unterschiedlich der digitale Fortschritt bislang verteilt ist, belegt der Smart City Index des Bitkom mit deutlichen Zahlen. Selbst innerhalb der 83 deutschen Großstädte klafft eine erhebliche Lücke. Metropolen mit mehr als einer Million Einwohnern erreichen im Schnitt 87,5 von 100 möglichen Punkten. Die kleineren Großstädte mit 100.000 bis 149.999 Einwohnern kommen dagegen nur auf durchschnittlich 66,8 Punkte.
„Viele Städte haben gezeigt, dass Smart City funktioniert. Jetzt muss aus einzelnen Erfolgen eine digitale Grundversorgung für alle Kommunen werden, gerade auch für die kleineren“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Und er wird noch konkreter: „Nach Jahren der Modellprojekte brauchen wir Strukturen, die dauerhaft tragen. Das heißt insbesondere: Der künftige Deutschland-Stack muss bis ins kleinste Rathaus reichen.“
Vier konkrete Forderungen bringt das Papier auf den Tisch. Zum einen soll das Thema einen festen Platz in der Digitalpolitik von Bund und Ländern erhalten, unter Einbeziehung des Bundesdigitalministeriums und der Digitalressorts der Länder. Zum anderen sollen Bund und Länder den Kommunen dauerhaft digitale Basisinfrastrukturen bereitstellen und finanzieren, etwa Datenplattformen, auf denen Informationen aus einer ganzen Stadt oder einem Landkreis zusammenlaufen.
Auf solchen Plattformen bauen Anwendungen auf, die den Alltag der Menschen erleichtern, beispielsweise eine App, die freie Parkplätze oder die tatsächliche Ankunftszeit des nächsten Busses anzeigt. Damit diese Systeme zueinanderpassen, braucht es gemeinsame Standards. Der Deutschland-Stack als technische Grundlage der digitalen Verwaltung, so die Forderung, solle diese Schnittstellen von Anfang an mitdenken, damit sich kommunale Lösungen leicht anbinden lassen.
Darüber hinaus soll der Online-Marktplatz „Marktplatz Deutschland Digital“ zu einem echten Beschaffungsinstrument ausgebaut werden. Kommunen könnten dort erprobte Smart-City-Lösungen öffentlicher und privater Anbieter finden und direkt einkaufen, anstatt alles selbst zu entwickeln. Schließlich fordern die Verbände eine zentrale Anlaufstelle, die Kommunen und ihre Unternehmen wie Stadtwerke von der Auswahl über die Einführung bis zu Betrieb und Finanzierung begleitet.
Vertieft wird die Debatte um die digitale Transformation des öffentlichen Sektors auf der Smart Country Convention. Vom 13. bis 15. Oktober 2026 kommen auf dem Berliner Messegelände mehr als 23.000 Fachleute aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Staatsmodernisierung, Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität und Cybersicherheit. Erstmals widmet die Veranstaltung am 15. Oktober dem Thema Widerstandsfähigkeit im Krisenfall einen eigenen Resilience Day. Die Schirmherrschaft liegt beim Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, Partnerland ist in diesem Jahr Portugal.


















