Ein Nutria klettert aus der Blies, auf seinem Rücken klebt ein dichter, fester Schaumteppich. Selbst nach sechs Metern an Land haftet die weiße Masse noch immer am Fell des Tieres. Was eine Wildkamera des NABU Homburg am 18. März aufzeichnete, liest sich wie eine Szene aus einem Umweltkrimi – doch es ist bittere Realität an einem saarländischen Bach. Für den Naturschutzbund vor Ort ist die Aufnahme ein Alarmsignal, das nicht länger ignoriert werden darf.
Der Schaum, der das Nutria wie eine chemische Rüstung überzog, ist nach Einschätzung des NABU Homburg kein harmloses Naturprodukt, sondern ein deutliches Zeichen für eine erhebliche Belastung des Gewässers mit Tensiden. Diese waschaktiven Substanzen gelangen über Haushalte und Industrie in die Kanalisation und von dort in die Flüsse. Aktuelle Studien, auf die unter anderem die Süddeutsche Zeitung und BR24 Bezug nehmen, stufen die Gefahr durch Tenside mittlerweile deutlich höher ein als lange angenommen. Besonders brisant: Die Stoffe können offenbar das Ablaichverhalten von Fischen empfindlich stören und damit die gesamte Nahrungskette in Fließgewässern aus dem Gleichgewicht bringen.
Genau hier setzt der NABU Homburg einen Kontrapunkt zur gängigen Debatte. Während der Fischereiverband des Saarlandes vor allem den Kormoran für schwindende Fischbestände verantwortlich mache, sieht der Naturschutzbund die Ursache buchstäblich tiefer – in der chemischen Belastung der Gewässer selbst. Die regionalen Kläranlagen seien der wachsenden Last aus Industrie und Privathaushalten technisch nicht mehr gewachsen, ihre Reinigungskapazitäten schlicht veraltet.

Besondere Brisanz erhält der Fund durch seinen genauen Standort. Die Wildkamera-Aufnahme entstand an der Blies, rund zwei Kilometer vor der Einmündung des Erbachs. Dieser Zufluss führt nach Angaben des NABU bereits seit Jahren eine extreme Tensid-Fracht mit sich, die nicht nur sichtbar, sondern auch deutlich riechbar sei. Dass nun auch die Blies selbst – noch vor dem Zusammenfluss mit dem ohnehin stark belasteten Erbach – solche Symptome zeigt, verschärft die Lage aus Sicht der Naturschützer dramatisch. Bislang habe die Blies in dieser Hinsicht kaum Beachtung gefunden.
„Wir können nicht länger zusehen, wie unsere Fließgewässer zu Entsorgungskanälen für Chemieabfälle verkommen“, sagt Winfried Anslinger, Vorsitzender des NABU Homburg. Der Verein richtet deshalb konkrete Forderungen an die zuständigen Behörden: eine sofortige und umfassende Untersuchung der Blies auf Tensidbelastung, die konsequente Ermittlung der Verursacher sowie eine Modernisierung der Kläranlagen entlang von Erbach und Blies. Darüber hinaus verlangt der NABU strengere Kontrollen der Einleitungen, insbesondere mit Blick auf Tenside.
Das Bild des schaumbedeckten Nutrias dürfte in Homburg und Umgebung für Gesprächsstoff sorgen. Es macht auf drastische Weise sichtbar, was sonst unter der Wasseroberfläche verborgen bleibt. Ob die Forderungen des NABU bei den Verantwortlichen Gehör finden, wird sich zeigen. Die Blies jedenfalls, so die Botschaft der Naturschützer, ist am Limit.




















