Foto: UKS

Spezialwissen über kindliche Infektionskrankheiten ist in deutschen Kliniken Mangelware. Gerade in der stationären Kinder- und Jugendmedizin fehlen oft die Fachleute, die über den gezielten Einsatz von Antibiotika entscheiden. Genau hier setzt das Projekt TeleKasper an, das 2022 vom Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) gemeinsam mit drei weiteren Unikliniken gestartet wurde. Nun hat der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) das Vorhaben positiv bewertet und empfohlen, erfolgreiche Teile in die Regelversorgung zu überführen.

Herzstück des „Telemedizinischen Kompetenznetzwerks Antibiotic Stewardship in Pediatrics“ ist eine App, die behandelnden Kinder- und Jugendärzten als stets aktuelles Nachschlagewerk dient. Sie liefert nicht nur Orientierung bei Diagnostik und Therapie, sondern verbindet die Kliniken direkt mit dem regionalen Expertenteam. Stimmen die Sorgeberechtigten zu, lassen sich sogar einzelne Fälle telemedizinisch besprechen. So erreicht hochspezialisiertes infektiologisches Wissen die jungen Patientinnen und Patienten ohne große Umwege.

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Die Zahlen aus der wissenschaftlichen Auswertung sprechen für den Ansatz. Werden regionale Krankenhäuser über das Netzwerk bei der Wahl der richtigen Antibiotikatherapie unterstützt, sinkt die Menge der verordneten Mittel um 7 Prozent. „Mit TeleKasper ist es gelungen, hochspezialisiertes Wissen direkt zu den behandelnden Teams und damit zu den Kindern und Jugendlichen zu bringen“, erklärt Prof. Dr. Arne Simon von der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie am UKS in Homburg. Die Evaluation zeige, dass die Begleitung durch ein kinderinfektiologisches Referenzzentrum zu einem gezielteren Einsatz von Antibiotika beitrage.

Foto: UKS

Neben dem UKS sind die Universitätskliniken Halle, Essen und München beteiligt. Auf regionaler Ebene arbeiten das Klinikum Saarbrücken, das Marienhausklinikum St. Elisabeth Saarlouis, das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier, das Städtische Krankenhaus Pirmasens, das Westpfalzklinikum Kaiserslautern und das Marienhausklinikum St. Josef Kohlhof in Neunkirchen mit.

Dass das Netzwerk überhaupt weiterbestehen konnte, verdankt es einer Förderung des saarländischen Gesundheitsministeriums. In der heiklen Phase zwischen Projektende und Abschlussauswertung sprang das Ressort mit einer Direktförderung für eine Facharztstelle ein. „Für diese unbürokratische Brückenfinanzierung sind wir dem saarländischen Gesundheitsministerium außerordentlich dankbar“, betont Simon. Ohne diese Hilfe hätten mühsam aufgebaute Strukturen und Expertise verloren gehen können.

Auch Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung sieht sich in seinem Kurs bestätigt. „Das Projekt TeleKasper zeigt, wie Digitalisierung und medizinische Vernetzung einen konkreten Nutzen für Kinder und Jugendliche schaffen können“, sagt er. Die am UKS aufgebaute Expertise müsse für das gesamte Saarland erhalten bleiben. Jung kündigte an, sich in der Gesundheitsministerkonferenz der Länder dafür einzusetzen, dass wichtige Bausteine des Projekts in die Regelversorgung übergehen.

Prof. Dr. Dr. Stephanie Tritt, Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende des UKS, hebt den Modellcharakter hervor. „TeleKasper zeigt beispielhaft, wie universitätsmedizinische Expertise über den eigenen Standort hinaus wirksam werden kann“, so Tritt. Als einzige Universitätsmedizin des Landes setze das UKS auf starke Partnerschaften und vernetzte Strukturen über Standort- und Sektorengrenzen hinweg, damit Menschen von der Diagnostik bis zur Nachsorge verlässlich versorgt würden.

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