Symbolbild

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die Bundesregierung auf, dem Beispiel der Niederlande zu folgen und Verkauf und Gebrauch von Silvester-Feuerwerk komplett zu verbieten. Die Niederlande hatten sich aktuell zu diesem Schritt entschlossen, um Kliniken und medizinisches Personal zum Jahreswechsel nicht zusätzlich zu belasten. Die Covid-19-Erkrankungen bringen das Gesundheitssystem bereits an die Belastungsgrenze. Die wie jedes Jahr zu erwartenden zahlreichen und zum Teil schwer Verletzten durch Pyrotechnik drohen es zu überlasten.

Dazu sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Auch in Deutschland warnen Ärzte vor weiteren Belastungen der Krankenhäuser und des medizinischen Fachpersonals. Jedes Jahr werden Tausende durch Böller verletzt, darunter viele junge Menschen. Ein verhältnismäßig großer Teil davon muss im Krankenhaus behandelt werden und oft führen die Verletzungen zu langjährigen Beeinträchtigungen – seien es Verletzungen der Augen, der Ohren oder der Gliedmaßen. Besonders dieses Jahr muss auch jede zusätzliche Luftbelastung durch Böller und Raketen vermieden werden. Die Saubere Luft muss ein absolut primäres Ziel sein, denn immer deutlicher sehen wir den Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastungen und schweren Krankheitsverläufen von Covid-19. Die Mehrheit der Bevölkerung ist laut Umfragen für ein Ende der privaten Böllerei. Wann, wenn nicht jetzt, ist die Gelegenheit, das endlich einheitlich und umfassend umzusetzen?“

Die DUH hat bei Bundesinnenminister Seehofer und Bundesgesundheitsminister Spahn beantragt, noch im November ein allgemeines Verbot für Verkauf und Nutzung von Feuerwerk auszusprechen. Das kann über eine einfache Änderung der Sprengstoffverordnung erfolgen. „Es ist wichtig jetzt zu handeln. Denn alle müssen sich auf ein solches Verbot einstellen: Händler ebenso wie Kliniken und private Verbraucher. Wenn für alle jetzt Klarheit hergestellt wird, dann kann es endlich ein ruhiges und sauberes Silvester geben, anstatt einer Überlastung des so wichtigen Gesundheitssystems, die auch ohne Böller zu befürchten ist“, so Dorothee Saar, Bereichsleiterin Luftreinhaltung der DUH.

Dem widerspricht der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI). Der Verband hält die erneuten Forderungen für unverhältnismäßig – bestärkt durch bundesweit gemischte Ansichten zum Thema. „Es ist schon verwunderlich, wie Herr Resch in seiner Argumentation gegen unser Silvesterbrauchtum immer flexibler wird“, merkt VPI Vorstandsvorsitzender Thomas Schreiber an. „In der letzten Woche waren es noch die angeblichen Zusammenhänge zwischen Feinstaub durch Feuerwerk und schweren COVID-19-Krankheitsverläufen. Jetzt, da sich hierzu bereits einige Mediziner und Experten zu Wort gemeldet und einen direkten Zusammenhang ausgeschlossen haben, kommt die Vorlage von den Nachbarn natürlich gerade recht. Mit dem Schutz der Menschen hat das in unseren Augen nur wenig zu tun“, betont Schreiber. Der VPI sieht den Vorstoß Reschs und sein Vorhaben, auch die Minister zu Verbotserlassen aufzufordern, vielmehr als erneuten Positionierungsversuch.

Dass die Krankenhäuser entlastet werden müssen, möchte der VPI dabei nicht in Frage stellen, allerdings sieht der Verband hier erneut das Symbolbild Feuerwerk bemüht. Mediziner wie beispielsweise der Dortmunder Unfallchirurg Dr. med. Philippus Schöttes, der sich im WDR zur Thematik äußerte, verweisen darauf, dass das Gros der Feuerwerks-Verletzungen oberflächlich sei und selten einer Intensiv-Behandlung bedürfe. Zudem bereiteten sich die Unfallstationen ohnehin darauf vor, die nötigen Kapazitäten bereitzustellen. Gerade aus dem Grund, dass hierzulande zugelassene und im Handel befindliche Artikel nicht für die öffentlich angeführten Verletzungen verantwortlich sein können, sieht hier der VPI das Problem vielmehr an anderer Stelle: „Es ist nach wie vor das illegale Feuerwerk, das zu Verletzungen führt, denn es ist weitaus gefährlicher“, sagt dazu Klaus Gotzen, Geschäftsführer des VPI. „Was passiert, wenn unsere Qualitätsartikel aus dem Sortiment genommen werden, kann man sich vorstellen. Es gibt immer Chaoten, die Feuerwerk missbrauchen wollen. Wir verurteilen das auf das Schärfste und klären seit Jahren über einen verantwortungsbewussten und sachgemäßen Umgang mit pyrotechnischen Produkten auf. Wir glauben aber, dass genau diese Menschen sich nicht an die Regeln und noch weniger durch ein Feuerwerksverbot davon abhalten lassen.“ Der Verband sieht die große Gefahr, dass sich eben diese Personengruppen vermehrt an illegalem Feuerwerk bedienen werden. „Hier sollte die Politik lieber dafür sorgen, dass illegale Einfuhren stärker kontrolliert werden. Ein Verbot der zugelassenen und sicheren Artikel treibt im schlimmsten Fall sogar mehr Menschen ins Krankenhaus.“

Derzeit werden aus Sicht des VPI mehrere Stimmen laut, dass die Forderungen nach generellen Feuerwerksverboten nicht verhältnismäßig sind. So sieht der Präsident des Städte- und Gemeindebunds, Roland Schäfer, ein Problem darin, den Bürgerinnen und Bürgern „[…] zu viel [zu] verbieten“. Es sei nicht notwendig, „[…] landesweit das Abbrennen von Feuerwerk zu verbieten.“ Schäfer sprach mit der Deutschen Presse-Agentur und sagte aus, dass es in den vergangenen Jahren „[…] weder mit Feinstaubbelastung noch mit […] schweren Verletzungen zu Silvester […]“ Probleme gab. Die Verantwortung und Beurteilung der Lage liege daher bei den einzelnen Kommunen.

Der VPI ist sich sicher, dass in diesem Jahr gerade das private Silvesterfeuerwerk dazu beitragen kann, die geltenden Regelungen der Länder zu Personenzahlen und Abständen mit kleinen, überschaubaren Feierlichkeiten in Einklang zu bringen. „Generelle Verbote auch von privatem Feuerwerk in Betracht zu ziehen, halten wir für unverhältnismäßig“, sagt Gotzen. Zur Seite springt ihm auch der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) e.V., dem der VPI angehört. Christian Vietmeyer: „Privates Silvesterfeuerwerk hat eine lange Tradition, bei der Familien und Freunde auch in kleinen Kreisen das neue Jahr farbenfroh und besonders einläuten. Das zu verbieten nimmt vielen Menschen die Möglichkeit, trotz der Entbehrungen und Einschränkungen, die das Virus mit sich gebracht hat, einen besonderen Jahreswechsel zu genießen.“

Es gibt keine offizielle Statistik zu den Verletzungen zum Jahreswechsel – die Tage rund um Silvester zählen jedoch zu den am stärksten belasteten mit tausenden Notfällen. Das Ärzteblatt spricht von vollen Notaufnahmen, die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie zählt alleine 50 bis 60 schwere Handverletzungen in einem großstädtischen Krankenhaus jedes Jahr in der Silvesternacht.

1 KOMMENTAR

  1. Bisher war ich immer fett mit meiner Lebensgefährtin Silvester. Wir steuerten in meinem Oberklasse Firmenwagen Gruß Metropolen an, München, oder Berlin. Wir haben schon seit Jahrzehnten kein Feuerwerk mehr gekauft. Dieses Jahr allerdings werden wir zu zweit schön gemütlich in unserer Unternehmer Villa feiern. Mein Gott was ist so schlimm wenn es einmal kein Feuerwerk gibt, zumindest für privat Personen.

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