Ein kurzes Vibrieren, ein aufploppendes Fenster, ein leuchtendes App-Symbol: Moderne Smartphones sind so gebaut, dass sie uns immer wieder zu sich zurückziehen. Dass dieser Sog kein Zufall ist, betont Georg Dahm, Technikexperte der Stiftung Warentest. Doch wer sich dem permanenten Reiz entziehen möchte, hat mehr Möglichkeiten, als vielen bewusst ist.

„Es ist kein Wunder, dass wir ständig am Handy hängen, sogar auf dem Spielplatz, beim Abendessen oder auf einem Waldspaziergang“, sagt Dahm. „Das Design von Smartphones und Apps hat eine so starke Sogwirkung, dass wir uns immer wieder reinziehen lassen. Aber wir können etwas dagegen tun – wenn wir es wirklich wollen.“

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Den Anfang macht laut Stiftung Warentest ein radikaler Schritt: alle App-Benachrichtigungen abschalten. Wer das nicht tue, überlasse dem Gerät die Kontrolle darüber, wann die eigene Konzentration unterbrochen wird. „Die Welt geht nicht unter, wenn Sie Ihre Whatsapps nur viermal am Tag checken“, so Dahm. Für wirklich dringende Fälle empfiehlt er eine klare Absprache im eigenen Umfeld – wer etwas Wichtiges mitzuteilen hat, soll einfach anrufen.

Überraschend wirkungsvoll ist ein zweiter Kniff: das Display auf Schwarz-weiß umstellen. Sowohl beim iPhone als auch bei Android-Geräten gelingt das mit wenigen Klicks. Mehrere Studien zeigten laut Dahm, dass die Handynutzung spürbar zurückgeht, sobald Apps und Videos nicht mehr bunt leuchten. Mit dem TCL NXTpaper 60 Ultra hat die Stiftung Warentest zudem ein Gerät getestet, das sich über einen eigenen Schalter in einen Graustufen-Modus versetzen lässt.

Wer gezielter vorgehen will, kann unterschiedliche Nutzungsprofile anlegen – etwa für den Morgen, den Arbeitsweg, das Büro oder den Familientisch. Die Idee dahinter: Für jede Situation nur jene Apps und Kontakte zulassen, die tatsächlich gebraucht werden, und alles andere stummschalten. Beim iPhone heißt diese Funktion „Fokus“, bei den meisten Android-Geräten „Modi“.

Besonders konsequent setzt das Fairphone der sechsten Generation dieses Prinzip um. Dort tragen die Profile den Namen „Moments“ und werden über einen seitlichen Schalter aktiviert. Der entscheidende Unterschied liegt in der Darstellung: Die erlaubten Apps erscheinen nicht als bunte Icons, sondern als nüchterner Text auf schlichtem Hintergrund. „Sie wirken dann eher wie Werkzeuge und weniger wie bunte Verheißungen“, erklärt Dahm. Diesen Effekt lässt sich auch nachrüsten, über Apps, die unter Stichworten wie „Dumbify“ oder „Dumbphone“ zu finden sind.

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Für alle, denen das noch nicht weit genug geht, bleibt der Griff zu einem sogenannten Dumbphone. Der einst spöttische Begriff für simple Tastentelefone steht heute für Geräte, die sich bewusst von der Logik gängiger Smartphones lösen. Als Beispiel nennt die Stiftung Warentest das Mudita Kompakt des polnischen Anbieters Mudita, das mit einem E-Ink-Bildschirm arbeitet und bewusst spartanisch ausgestattet ist. „Das ist ein Gerät für echte Minimalisten – oder für die Zeiten, in denen Sie ganz bewusst nicht am digitalen Alltag teilhaben wollen“, sagt Dahm.

Weitere Hinweise zum sogenannten Digital Detox, also der bewussten Auszeit vom Bildschirm, finden sich in der November-Ausgabe der Zeitschrift Stiftung Warentest sowie online unter test.de/reizreduzierte-smartphones.

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