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Nach einer Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind im August 2021 in Deutschland 76 248 Menschen gestorben. Diese Zahl liegt im Bereich des mittleren Wertes (Median) der Jahre 2017 bis 2020 für diesen Monat (+341 Fälle). Dies geht aus einer Sonderauswertung der vorläufigen Sterbefallzahlen hervor. Durch ein Hochrechnungsverfahren unvollständiger Meldungen können die ersten Sterbefallzahlen für Deutschland nach etwa einer Woche veröffentlicht werden. In der 35. Kalenderwoche (30. August bis 5. September), lagen die Zahlen 7 % über dem mittleren Wert der Vorjahre.

Zahl der COVID-19-Todesfälle steigt wieder an 

Ein Vergleich der gesamten Sterbefälle mit der Zahl der beim Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten COVID-19-Todesfälle nach Sterbedatum ist derzeit bis einschließlich der 33. Kalenderwoche 2021 (16. bis 22. August 2021) möglich. In dieser Woche gab es laut RKI 116 COVID-19-Todesfälle. Das waren 46 Fälle mehr als in der Vorwoche. Somit sind die gemeldeten COVID-19-Todesfälle die dritte Woche in Folge gestiegen.

Grafik: Statistisches Bundesamt

Auf Länderebene lassen sich die Sterbefallzahlen derzeit bis einschließlich der 32. Kalenderwoche (9. bis 15. August 2021) abbilden. In dieser Woche lagen sie in 7 der 16 Bundesländer über, in den anderen 9 Ländern unter oder im Bereich des mittleren Wertes der Vorjahre. Die 4 Länder mit den größten Abständen nach oben waren Bremen (+16 % oder 23 Fälle), Rheinland-Pfalz (+15 % oder 125 Fälle), Thüringen (+8 % oder 42 Fälle) und Bayern (+8 % oder 189 Fälle). Am deutlichsten unter dem mittleren Wert lag Sachsen (-7 % oder 68 Fälle weniger).

Grafik: Statistisches Bundesamt

Mäßige Übersterblichkeit in Belgien und Spanien

Das EuroMOMO-Netzwerk zur Beobachtung von Sterblichkeitsentwicklungen ordnet Befunde zur Übersterblichkeit mit einem anderen Ansatz europaweit vergleichend ein. Auf Basis einer eigenen Hochrechnung unvollständiger Meldungen und eines eigenen Übersterblichkeitskonzepts liegen dort ebenfalls erste Ergebnisse bis zur 35. Kalenderwoche vor, die sich durch Nachmeldungen noch verändern können. Für diese Woche wird für Deutschland bei EuroMOMO derzeit keine Übersterblichkeit gemeldet. Für Belgien und Spanien wird eine mäßige Übersterblichkeit („moderate excess“) berichtet.

Grundlage der Sonderauswertung für das Jahr 2021 sind erste vorläufige Daten (Rohdaten). Dabei handelt es sich zunächst um eine reine Fallzahlauszählung der eingegangenen Sterbefallmeldungen aus den Standesämtern ohne die übliche Plausibilisierung und Vollständigkeitskontrolle der Daten. Durch gesetzliche Regelungen zur Meldung von Sterbefällen beim Standesamt und Unterschiede im Meldeverhalten der Standesämter an die amtliche Statistik sind diese Daten noch unvollständig. Aufgrund der hohen Relevanz aktueller Sterbefallzahlen in der Corona-Pandemie hat das Statistische Bundesamt ein Schätzmodell zur Hochrechnung der unvollständigen Daten entwickelt. Mit diesem Modell lassen sich bundesweite Sterbefallzahlen bereits nach etwa einer Woche bereitstellen.

Grafik: Statistisches Bundesamt

Anhand der vorläufigen Sterbefallzahlen lassen sich Phasen der Übersterblichkeit im Laufe eines Jahres identifizieren. So werden direkte und indirekte Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Sterbefallzahlen zeitnah sichtbar. Der Effekt der steigenden Lebenserwartung und des steigenden Anteils älterer Menschen auf die zu erwartende Zahl an Sterbefällen kann in diesen Vergleich nicht einberechnet werden. Der Median wird für den Vergleich mit den Vorjahren seit Berichtsmonat Juli 2021 verwendet. Zuvor waren die aktuellen Sterbefallzahlen mit dem arithmetischen Mittel der Vorjahre verglichen worden.

Ab März 2020 lassen sich die Zahlen nur vor dem Hintergrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie interpretieren. Neben der Vermeidung von COVID-19-Todesfällen können die Maßnahmen und Verhaltensänderungen auch dafür gesorgt haben, dass weniger Sterbefälle durch andere Infektionskrankheiten wie beispielsweise die Grippe verursacht werden, was sich ebenfalls auf den Vergleich mit Vorjahren auswirkt. Rückgänge oder Anstiege bei anderen Todesursachen können ebenfalls einen Effekt auf die gesamten Sterbefallzahlen haben. Über die Häufigkeit einzelner Todesursachen können die Sterbefallzahlen jedoch keine Auskunft geben.

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