Staub liegt in der Luft, Kabelstränge ziehen sich durch offene Decken, unverputztes Mauerwerk zeigt die Spuren von mehr als 100 Jahren Nutzung: Wer die St. Ingberter Ludwigsschule derzeit betritt, sieht eine Schule im Wandel. Bei einem Ortstermin konnten interessierte Bürgerinnen und Bürger nun selbst verfolgen, wie weit die Sanierung des markanten Gebäudes auf dem Hügel über der Stadt bereits vorangekommen ist.
Im Erdgeschoss, stellvertretend für alle Etagen, wurden die Veränderungen besonders deutlich. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Schule hat eine umfassende technische Erneuerung erhalten. Wasser- und Abwasserleitungen, Elektroinstallationen, Heizung, Lüftung, EDV und Brandmeldeanlage wurden komplett ausgetauscht. Das neue Heizsystem wird künftig an das bestehende Nahwärmenetz angebunden. Auch das Dach ist saniert, die statische Ertüchtigung des Gebäudes durch Doppel-T-Träger in den Decken abgeschlossen.
Ein Blick in die künftigen Klassenräume zeigt, wie sehr der Charakter des Hauses trotz der Eingriffe erhalten bleiben soll. Die alten großen Kastenfenster wurden in gleicher Optik ersetzt und lassen weiterhin viel Tageslicht in die Räume. Noch unverputzte Wände geben den Blick frei auf das historische Mauerwerk, in dem damals je nach Verfügbarkeit sehr unterschiedliche Materialien verbaut wurden. „Hier liegt auch ein Problem der Ertüchtigung dieses Bauwerks“, erläuterten die Architekten Christoph Gabrovsek und Peter Wack. „Bevor die Wände mit denkmalschutz-gerechten Kalkputz verputzt werden können, mussten sie an verschiedenen Stelle auf unterschiedliche Weise verstärkt werden. Das kostete viel Zeit.“

Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer nutzte den Rundgang, um die Bedeutung des Projekts für die Stadt einzuordnen. „Die Ludwigsschule wurde als Bildungseinrichtung hoch über der Stadt erbaut. Das zeigt, welche Bedeutung sie damals hatte und heute noch hat“, betonte Meyer. „Dieses Denkmal wird mit viel Liebe zum Detail saniert und damit erhalten. Es prägt das Stadtbild von St. Ingbert und wird als Bildungscampus mit langer Tradition das Quartier beleben“, so der Oberbürgermeister.
Die Stadt setzt bei der Sanierung auf denkmalgerechte und zugleich nachhaltige Lösungen. Alle verwendeten Materialien und die Bauweise sollen den Anspruch der Biosphärenstadt St. Ingbert als nachhaltige und zukunftsfähige Kommune unterstreichen. Viele Besonderheiten der alten Schule bleiben bewusst erhalten. Dazu zählen die hölzernen Wandschränke in Räumen und Fluren, farbige und geflieste Türstürze aus Sandstein, die Fenster sowie die Trinkbrunnen in den Fluren, die später wieder als Wasserspender genutzt werden sollen.
In der Flurzone ist bereits der Durchgang zur sogenannten „Schulischen Mitte“ erkennbar. Dieser Bereich bildet künftig den Übergang zum Neubau der Freiwilligen Ganztagsschule (FGTS). Die „Schulische Mitte“ wird mit einer Tribünenanlage ausgestattet und soll auch für größere Veranstaltungen genutzt werden können. Im Neubau der FGTS werden Mensa, Nachmittagsbetreuung, Schulverwaltung sowie zentrale Treppen- und Aufzugsanlagen untergebracht.
Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für den nächsten großen Schritt: die Verputzarbeiten. Insgesamt rund 6.500 Quadratmeter Wandflächen müssen mit Kalkputz versehen werden. Wie schnell es dabei vorangeht, hängt nach Angaben der Architekten auch von den Außentemperaturen ab. Beim Rundgang beantwortete Ulli Meyer zahlreiche Fragen der Besucher, unter ihnen mehrere Lehrerinnen und Erzieherinnen der Rischbachschule, die nach Abschluss der Arbeiten in die sanierten Räume einziehen wird.
Auch ehemalige Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, ihre frühere Schule in neuem Zustand zu sehen. Mit Ilse Meyer und Heinz Scholl waren zwei von ihnen zur Begehung gekommen. „Früher wurden in dieser katholischen Schule in einer Klasse etwa 50 Schüler unterrichtet – streng nach Jungs und Mädchen getrennt“, erzählen sie. Beide zeigten sich beeindruckt davon, wie die laufende Sanierung historische Elemente bewahrt und zugleich Raum für eine moderne Grundschule schafft.





















