Acht Prozent aller weltweiten CO₂-Emissionen gehen auf die Herstellung von Portlandzement zurück – ein Wert, der sich nach Erkenntnissen aus der Materialforschung auf unter zwei Prozent drücken ließe. Wie das gelingen könnte, erläutert Prof. Dr. Bernd Spangenberg von der Hochschule Offenburg am heutigen Dienstag, 24. März 2026, ab 19:30 Uhr beim Wissenschaftsforum des MINT-Campus Alte Schmelz e. V. in St. Ingbert. Sein Vortrag trägt den Titel „Ein Polymer aus Calciumaluminat und Wasserglas als Zementersatz“ und ist kostenlos zugänglich.
Der Ansatz klingt zunächst sperrig, birgt aber enormes Potenzial für den Klimaschutz. Calciumaluminat-Zement liefert tetraedrisch konfiguriertes Aluminium, das mit Silizium aus Wasserglas in einer exothermen Reaktion reagiert. Dabei entstehen anorganische Polymerstrukturen – genauer gesagt Ketten aus Sauerstoff-, Silizium- und Aluminium-Atomen mit einem durchschnittlichen Si/Al-Verhältnis von eins. Diese Strukturen halten Temperaturen von über 1.500 °C stand und härten bereits bei Werten zwischen 4 und 64 °C aus, ganz ohne zusätzliche Energiezufuhr.
Entscheidend für die praktische Anwendung: Das neue Material lässt sich genauso verarbeiten wie herkömmlicher Beton auf Basis von gewöhnlichem Portlandzement. Es kann bei Raumtemperatur gegossen werden und aushärten. Damit besitzt es nach Einschätzung der Forschung das Potenzial, den konventionellen Portlandzement in sämtlichen Einsatzbereichen vollständig abzulösen – mit drastischen Folgen für die globale CO₂-Bilanz.
Der Referent bringt einen ungewöhnlich breiten wissenschaftlichen Hintergrund mit. Spangenberg studierte Chemie und Philosophie an der Philipps-Universität Marburg, schloss 1982 mit einer Diplomarbeit in metallorganischer Chemie ab und wurde 1987 im Fach Pharmazeutische Chemie promoviert. Nach Jahren in der pharmazeutischen Industrie in Deutschland und der Schweiz, wo er unter anderem als Laborleiter und Forschungsleiter tätig war, folgte 1991 der Ruf an die Hochschule Offenburg für das Fach Umweltanalytik im Studiengang Verfahrens- und Umwelttechnik. Ein Forschungssemester führte ihn 2002 an das Joint Research Centre der Europäischen Kommission im belgischen Geel. Seit 2021 ist er Seniorprofessor in Offenburg.
Neben seiner langjährigen Forschung zur ressourcenschonenden Chromatographie und zu neuen Detektionsmethoden in der Hochleistungs-Dünnschichtchromatographie widmet sich Spangenberg intensiv der Recyclingtechnik und der Verfügbarkeit von Rohstoffen. Sein übergeordnetes Ziel dabei: die CO₂-Belastung der Umwelt zu senken, indem Kohlenstoffpolymere durch Siliziumpolymere ersetzt werden. Von 2007 bis 2022 leitete er als Chefredakteur das Journal of Planar Chromatography bei SpringerNature, und sein Buch „Quantitative Dünnschichtchromatographie“ gilt als einziges aktuell verfügbares Werk zur Planarchromatographie im deutschsprachigen Raum.
Die Veranstaltung findet hybrid statt. Wer vor Ort im SFTZ-Gebäude des MINT-Campus in der Alten Schmelz, Saarbrücker Straße 38e in St. Ingbert, dabei sein möchte, wird um eine vorherige Anmeldung per E-Mail gebeten. Alternativ ist eine Online-Teilnahme über den Link t1p.de/Wissenschaftsforum möglich. Der Eintritt ist frei.




















