Mit deutlichen Worten stellt sich St. Ingbert hinter eine wachsende Allianz deutscher Stadtoberhäupter, die in Brüssel um die Zukunft der Automobilindustrie kämpfen. Die Stadt schließt sich der Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ an und unterstützt damit einen gemeinsamen Appell an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Im Kern geht es um Tempo: Das europäische Automotive Package soll deutlich schneller umgesetzt werden, begleitet von klaren industriepolitischen Signalen und einer offenen Haltung gegenüber unterschiedlichen Technologien.
Getragen wird das Bündnis von den Oberbürgermeistern aus Stuttgart, Wolfsburg, Friedrichshafen und Saarbrücken. Inzwischen haben sich zahlreiche weitere Kommunen angeschlossen, in denen die Branche eine tragende Säule der lokalen Wirtschaft bildet. Zusammengerechnet stehen die beteiligten Städte für Regionen, in denen mehr als 800.000 Arbeitsplätze direkt oder mittelbar an der Automobil- und Zulieferindustrie hängen.
Auch in St. Ingbert sind die Verflechtungen mit der Branche eng. Zahlreiche Beschäftigte aus der Stadt und dem Umland verdienen ihren Lebensunterhalt bei Autoherstellern oder deren Zulieferern. Was in den Werkshallen passiert, schlägt sich deshalb unmittelbar in den Familienbudgets, in der Kaufkraft und in den Zukunftserwartungen vor Ort nieder.
Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer findet in der Sache klare Worte: „Die Transformation der Automobilindustrie kann nur gelingen, wenn sie mit Augenmaß gestaltet wird und die Menschen mitnimmt. Unsere Unternehmen und Beschäftigten brauchen jetzt Planungssicherheit, verlässliche Rahmenbedingungen und Technologieoffenheit.“ Jeder verlorene Industriearbeitsplatz, so Meyer, treffe Familien und schwäche zugleich den Wirtschaftsstandort. Europa müsse deshalb zügig handeln und ein unmissverständliches Signal für industrielle Stärke und Wettbewerbsfähigkeit aussenden.
Die Initiative verweist auf einen massiven Druck, dem die europäische Autoindustrie derzeit ausgesetzt ist. Hohe Energiekosten, eine wachsende Regulierungsdichte, geopolitische Spannungen und langwierige Entscheidungswege gefährden nach Einschätzung der Bürgermeister sowohl Investitionen als auch Beschäftigung. Der Verband der Automobilindustrie beziffert die Verluste der vergangenen Jahre auf rund 100.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland seit 2019. Bleibt eine politische Korrektur aus, könnten bis 2035 weitere erhebliche Einschnitte folgen.
St. Ingbert spricht sich vor diesem Hintergrund nachdrücklich für ein beschleunigtes Vorgehen der Europäischen Kommission aus. Klimaschutz, Innovation und industrielle Wertschöpfung dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, heißt es aus dem Rathaus. Die Botschaft an Brüssel ist eindeutig: Eine erfolgreiche Transformation muss wirtschaftlich tragfähig sein, technologisch breit aufgestellt bleiben und gesellschaftlich auf Akzeptanz stoßen – sonst droht den Industriestandorten und ihren Beschäftigten ein Strukturbruch, der weit über die Werkstore hinausreicht.

















