Symbolbild
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Kamera, Mikrofon und künstliche Intelligenz direkt im Brillengestell: Smart Glasses versprechen einen digitalen Assistenten, der unauffällig im Alltag mitläuft. Doch genau diese Unauffälligkeit sorgt für ein Unbehagen, das quer durch die Bevölkerung reicht. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt eine bemerkenswerte Zwiespältigkeit: Viele Menschen würden eine solche Brille selbst gern tragen, fühlen sich aber sichtlich unwohl, wenn ihr Gegenüber es tut.

Am deutlichsten wird das Misstrauen beim Gedanken an heimliche Aufnahmen. Ganze 76 Prozent der Befragten wollen nicht, dass andere sie mit einer smarten Brille filmen oder fotografieren. Dieses Gefühl kennt kaum Altersgrenzen: Bei den 16- bis 29-Jährigen liegt der Wert bei 71 Prozent, bei den Menschen ab 65 Jahren sogar bei 79 Prozent. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es kaum Unterschiede – 73 Prozent der Männer und 78 Prozent der Frauen stören sich daran.

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Wie stark das Bedürfnis nach Privatsphäre wiegt, zeigt ein weiterer Wert: 62 Prozent würden Menschen mit einer solchen Brille schlicht nicht in die eigene Wohnung lassen. Die Grenze zwischen Neugier auf die Technik und der Angst vor Kontrollverlust verläuft für viele offenbar an der eigenen Haustür.

Dabei mangelt es keineswegs an Offenheit. 43 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, selbst Smart Glasses zu nutzen. 15 Prozent haben eine solche Brille bereits ausprobiert, sei es testweise oder im Alltag, weitere 28 Prozent würden es gern tun. Für rund die Hälfte der Befragten, genauer gesagt 52 Prozent, kommt das Tragen dagegen nicht in Betracht.

Für Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder liegt der Schlüssel nicht in Verboten, sondern in klaren Spielregeln. „Smart Glasses haben großes Potenzial, digitale Assistenten nahtlos in unseren Alltag zu integrieren, und stoßen auf wachsendes Interesse. Die Sorgen der Menschen vor unbemerkten Aufnahmen müssen aber ernst genommen werden“, sagt er. Kameras seien im öffentlichen Raum ohnehin allgegenwärtig – im Smartphone, als Dash Cam im Auto, als Action Cam beim Sport oder als Body Cam bei Sicherheitskräften.

Rohleder plädiert deshalb für technische Lösungen statt pauschaler Einschränkungen. „Entscheidend ist, dass Hersteller den Schutz von Privatsphäre bereits bei der Produktentwicklung berücksichtigen und für Umstehende jederzeit eindeutig erkennbar ist, wenn Bild oder Ton aufgenommen werden“, so der Verbandschef. Heimliche Aufnahmen müssten zudem empfindlich sanktioniert werden.

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Genau dieser Wunsch nach Transparenz findet in der Bevölkerung breite Zustimmung. 82 Prozent halten es für wichtig, dass eine smarte Brille für das Umfeld klar sichtbar signalisiert, wenn sie aufnimmt. Der Wert liegt in nahezu allen Altersgruppen über 80 Prozent, bei Männern bei 84 und bei Frauen bei 81 Prozent. Aktuelle Modelle verfügen üblicherweise über eine LED, die das Filmen anzeigt – wird sie abgeklebt, schaltet sich bei vielen Geräten die Kamera automatisch ab.

Grundlage der Zahlen ist eine telefonische Befragung von 1.164 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, die Bitkom Research im Zeitraum von Kalenderwoche 20 bis 24 des Jahres 2026 durchführte. Die Erhebung gilt als repräsentativ.

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