Industriekathedrale Alte Schmelz - Foto: Maria Müller-Lang
Anzeige

Ohne Silicium kein Smartphone, keine Solaranlage, kein moderner Rechner: Das Element, das in der Erdkruste nur vom Sauerstoff übertroffen wird, steht im Mittelpunkt eines öffentlichen Vortrags am MINT-Campus Alte Schmelz in St. Ingbert. Am Donnerstag, 17. September 2026, ab 19:30 Uhr spricht Prof. Dr. David Scheschkewitz von der Universität des Saarlandes über die verblüffenden Eigenheiten dieses Elements – und darüber, warum es seinem chemischen Verwandten Kohlenstoff mal ähnelt und mal völlig widerspricht.

Die Chemie des Kohlenstoffs prägt unseren Alltag wie kaum etwas anderes. Sämtliches bekanntes Leben beruht auf ihren Reaktionen, und die pharmazeutische wie chemische Industrie liefert unzählige Produkte, ohne die eine moderne Gesellschaft nicht auskäme. Weniger im Bewusstsein verankert ist die kaum geringere Bedeutung des Siliciums – jenes schwereren Cousins des Kohlenstoffs, der die Menschheit seit prähistorischer Zeit begleitet.

Anzeige

Die Spur reicht weit zurück. Feuerstein, lateinisch silex, wurde zum Namenspatron des Elements und gehörte zu den ersten Werkstoffen überhaupt. Ton dient bis heute für Keramik und Ziegel, Sand als unverzichtbarer Bestandteil von Glas, Zement und Beton. Doch längst hat das Silicium auch das Informationszeitalter erobert: Mikroprozessoren entstehen durch chemische Oberflächenbehandlung einkristalliner Siliciumscheiben, der sogenannten Wafer, und praktisch jede Photovoltaikanlage auf Dächern und Balkonen basiert auf dem Halbleiter Silicium.

Was dieses Element in Werkstoffen so besonders macht, lässt sich auf molekularer Ebene nachbilden. Genau hier setzt die Arbeit von Scheschkewitz und seinem Team an. In seinem Arbeitskreis werden hochreaktive Zwischenstufen und oberflächenähnliche Strukturmuster des Siliciums stabilisiert, indem raumgreifende organische Reste sie gewissermaßen abschirmen. So lassen sich Eigenschaften mit spektroskopischen Methoden untersuchen, die für Feststoffe nur eingeschränkt zugänglich wären. Der Vortrag verspricht dabei einen allgemeinverständlichen Blick auf diese Forschung – vom historischen Rückblick bis zur Gegenwart im Labor.

Der Referent bringt einen internationalen Werdegang mit. Nach dem Chemiestudium in Oldenburg promovierte Scheschkewitz in Marburg, forschte anschließend in Frankreich, Kalifornien und der Schweiz und baute später in Würzburg eine eigene Nachwuchsgruppe auf. Noch vor Abschluss seiner Habilitation folgte der Ruf ans Imperial College London, wo er drei Jahre lehrte. Seit 2011 hat er den Lehrstuhl für Allgemeine und Anorganische Chemie an der Universität des Saarlandes inne und ist Autor von mehr als 130 wissenschaftlichen Arbeiten.

Die Veranstaltung im Wissenschaftsforum ist kostenfrei und findet im SFTZ-Gebäude in der Alten Schmelz statt, Saarbrücker Str. 38e in 66386 St. Ingbert. Wer vor Ort dabei sein möchte, meldet sich per E-Mail bei der Koordination an. Parallel wird der Abend online übertragen. Koordiniert wird das Forum von Prof. Dr. Horst Altgeld.

Anzeige
💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein