Die Krise der europäischen Automobilbranche zwingt den Zulieferer Schaeffler zu einem weiteren harten Einschnitt: Das Unternehmen aus Herzogenaurach streicht netto 3.460 Stellen in Europa, rund 2.660 davon in Deutschland. Vier deutsche Standorte sollen perspektivisch komplett schließen. Der Vorstand begründet den Schritt mit anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen und der Notwendigkeit, Überkapazitäten abzubauen.
Hinter dem Programm steht ein Markt, der dem Konzern gleich von mehreren Seiten zusetzt. Die Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen schwächelt, gleichzeitig kommt der Hochlauf der Elektromobilität langsamer voran als erhofft. Dazu kommen nach Darstellung des Unternehmens überdurchschnittlich hohe Personalkosten pro Kopf in Deutschland sowie eine Organisation mit zu vielen Führungsebenen. Rund die Hälfte der wegfallenden Stellen betrifft die Produktion, 30 Prozent die Forschung und Entwicklung, der Rest weitere Funktionsbereiche.
Konkret trifft es in Deutschland unter anderem das Werk in Dortmund mit derzeit 430 Beschäftigten sowie den Standort Morbach mit 160 Mitarbeitenden. Beide gehören zur Sparte Powertrain & Chassis und fertigen Komponenten für Verbrennungsmotoren. Auch die Aktivitäten in Berlin mit rund 270 Beschäftigten sollen eingestellt werden, der Standort Schwalbach wird aufgegeben. Ein Großteil der dortigen rund 385 Beschäftigten soll nach Frankfurt wechseln. Anpassungen sind zudem an Standorten wie Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg geplant, außerhalb Deutschlands unter anderem in Frankreich, der Slowakei und in Belgien.
Gemessen an der Stammbelegschaft von 31.957 Mitarbeitenden zum 30. September 2026 fällt in Deutschland bis 2028 rund jede elfte Stelle weg. Rechnet man die bereits beschlossenen 1.800 Altersteilzeitverträge und frühere Programme hinzu, steigt die Quote auf rund 18 Prozent. Als zentrales Element des Pakets bezeichnet der Vorstand einen sogenannten Solidaritätsbeitrag: einen temporären, noch auszuarbeitenden freiwilligen Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnt und sich über alle Hierarchieebenen zieht. Ohne diesen Beitrag, so das Unternehmen, wäre der Stellenabbau noch größer ausgefallen.
Trotz der Einschnitte bekräftigt Vorstandschef Klaus Rosenfeld das Bekenntnis zum Standort Deutschland. „Mit dem heute bekanntgegebenen Ergebnisverbesserungsprogramm wollen wir zeigen, dass es trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll ist, in Deutschland und Europa langfristig wettbewerbsfähig und kosteneffizient zu entwickeln und zu produzieren“, sagte er. Das setze voraus, Standorte zu konsolidieren, Technologiekompetenzen in regionalen Clustern zu bündeln und die Organisation zu verschlanken.
Hoffnung setzt der Konzern auf neue Geschäftsfelder. Jochen Schröder, im Vorstand für Produktion, Lieferkette und Einkauf verantwortlich, verweist auf „vielversprechende Wachstumschancen in Zukunftsfeldern, vor allem in den Bereichen Humanoide Robotik und Verteidigung“. Dort könne man auf Knowhow aus dem Kerngeschäft zurückgreifen. Zumindest ein Teil der gestrichenen Stellen soll so an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.
Die strukturellen Maßnahmen sollen überwiegend in den Jahren 2027 und 2028 umgesetzt werden, Grundlage bleibt die 2018 geschlossene Zukunftsvereinbarung. Personalvorständin Astrid Fontaine betont die sozialverträgliche Linie: „Als Familienunternehmen ist es uns besonders wichtig, dass wir die notwendigen Maßnahmen im engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen sozialverträglich umsetzen.“ Ab 2030 erwartet Schaeffler jährliche Einsparungen von rund 300 Millionen Euro, dem steht ein Einmalaufwand von etwa 480 Millionen Euro gegenüber, der überwiegend bereits 2026 verbucht werden soll.




















