Die Hoffnung auf eine schnelle Trendwende in der saarländischen Wirtschaft hat im Oktober einen Dämpfer bekommen. Zwar bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage nur wenig schlechter als im Vormonat, doch ihr Blick in die nähere Zukunft trübt sich spürbar ein. Der IHK-Erwartungsindikator rutschte um 6,7 Punkte ab und liegt nun bei minus 15,5 Zählern – ein Wert, der klar signalisiert, dass viele Betriebe mit anhaltend rauem Fahrwasser rechnen.
Auch der Lageindikator gab nach, wenn auch moderater: Er sank um 1,7 Punkte auf 2,3 Zähler. An der Umfrage der IHK Saarland beteiligten sich rund 300 Unternehmen mit gut 90.000 Beschäftigten. Deren Rückmeldungen zeichnen ein Bild, das wenig Anlass zur Entwarnung gibt. Eine breite konjunkturelle Erholung bleibt vorerst Zukunftsmusik.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé findet deutliche Worte. „Der deutliche Rückgang der Geschäftserwartungen ist ein ernstes Warnsignal“, kommentierte er die Ergebnisse. Schwache Aufträge und hohe Standortkosten belasteten die Betriebe, während die Bundesregierung bei den nötigen Reformen kaum über Ankündigungen hinauskomme. Gerade für eine industriell geprägte Region sei das riskant: „Was an industriellen Strukturen einmal verloren geht, lässt sich nur schwer zurückholen.“ Seine Forderung an die Politik ist unmissverständlich – niedrigere Energie- und Arbeitskosten, weniger Steuern und Abgaben, Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungen.
Ein Blick in die Branchen zeigt, wie unterschiedlich die Lage ausfällt. Insgesamt bezeichnen 24 Prozent der Befragten ihre Geschäfte als gut oder sehr gut, 54 Prozent als befriedigend und 22 Prozent als schlecht. Besonders die Stahlindustrie zieht den Durchschnitt nach unten, weil geringe Margen die Betriebe drücken. Teile der Branche und die Gießereien sprechen von einer angespannten Situation. Vergleichsweise rund läuft es dagegen in der keramischen Industrie, während Fahrzeugbau, Maschinenbau, Medizintechnik oder Bauwirtschaft überwiegend auf befriedigendem Niveau arbeiten.
Die Zahlen aus dem Verarbeitenden Gewerbe unterstreichen die Schieflage: Von Januar bis August brachen die kumulierten Umsätze um 6,4 Prozent ein, während sie bundesweit um 3,4 Prozent zulegten. Freundlicher präsentiert sich das Dienstleistungsgewerbe, wo 77 Prozent der Unternehmen von guten oder zumindest befriedigenden Geschäften berichten. Vor allem IT-Firmen profitieren von der Nachfrage nach Digitalisierung, Automatisierung und IT-Sicherheit. Gegenläufig entwickeln sich Verkehrsgewerbe, Handel und Gastronomie, die unter hohen Kosten, fehlendem Fahrpersonal und zurückhaltenden Konsumenten leiden.
Für die kommenden sechs Monate überwiegt die Skepsis. Nur drei Prozent der Betriebe erwarten bessere Geschäfte, 19 Prozent befürchten eine Verschlechterung, die große Mehrheit von 78 Prozent rechnet mit Stillstand. Der nötige Rückenwind durch neue Aufträge bleibt aus – die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe lagen zwischen Januar und August um 5,3 Prozent unter dem ohnehin schwachen Vorjahreswert.
Thomé richtet den Blick deshalb auf den Mittelstand. „Die industrielle Zukunft entscheidet sich im Mittelstand“, betonte er. Zulieferer, Ausrüster und spezialisierte Hersteller hielten ganze Wertschöpfungsketten zusammen und bräuchten finanziellen Spielraum für Investitionen. Industriepolitik dürfe sich nicht in Förderprogrammen erschöpfen. Entscheidend sei nicht die Zahl der Förderbescheide, so Thomé, sondern „ob Unternehmen aus eigener Überzeugung wieder in Deutschland investieren – weil sie hier wettbewerbsfähig produzieren und Geld verdienen können“.





















