Im Streit um die Zukunft des Schienengüterverkehrs wächst im Saarland die Sorge um zentrale Versorgungsadern der Industrie. Hintergrund sind Pläne für eine Sanierung von DB Cargo, die nach Einschätzung der Landesregierung auch im Südwesten gravierende Folgen haben könnten – insbesondere für Betriebe, die auf flexible Gütertransporte per Bahn angewiesen sind.
Die Verkehrsminister aus dem Saarland, Bayern und Baden-Württemberg haben sich deshalb gemeinsam an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und die DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla gewandt. In einem Schreiben, das am 9. Dezember 2025 öffentlich wurde, fordern sie ein Gespräch über die aktuellen Entwicklungen im DB-Konzern. Auslöser sind Befürchtungen, dass im Zuge der diskutierten Sanierung wichtige Angebote im Güterverkehr, allen voran der sogenannte Einzelwagenverkehr, wegfallen könnten.
„Für das Saarland sind die Leistungen durch die DB Cargo ein unersetzlicher Bestandteil der Logistik für unsere Wirtschaft. So ist beispielsweise die saarländische Stahlindustrie massiv auf die Schiene angewiesen, eine Verlagerung auf die Straße wäre nicht nur schädlich, sondern oftmals gar nicht zu realisieren“, sagt Mobilitätsministerin Petra Berg. Nach ihrer Darstellung würde ein Rückbau des Angebots unmittelbar die Wettbewerbsfähigkeit zentraler Branchen im Land treffen.
Der Einzelwagenverkehr gilt dabei als Schlüsselfunktion im System: Dabei werden einzelne Waggons von verschiedenen Absendern zu einem Zug zusammengestellt und zu unterschiedlichen Empfängern transportiert. Fiele dieses System weg, drohten nach Einschätzung der Ministerin nicht nur Engpässe und zusätzliche Belastungen im Straßenverkehr. „Es drohen am Ende auch massive wirtschaftliche Verwerfungen für die betroffenen Unternehmen“, heißt es aus dem Ministerium.
Berg verweist darauf, dass die möglichen Konsequenzen der DB-Cargo-Sanierung in den Ländern derzeit nur schwer abzuschätzen seien. Umso dringlicher sei Transparenz vor grundlegenden Weichenstellungen im Konzern. „Aufgrund der aktuell unklaren, im schlimmsten Falle aber gravierenden Auswirkungen auch in den Ländern, fordern wir vor den anstehenden Entscheidungen zur Zukunft der DB Cargo umfassende Informationen vom Bundesverkehrsminister und die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Auswirkungen. Der Bund und die Deutsche Bahn dürfen hier keine vorschnellen und nicht mehr revidierbaren Entscheidungen treffen“, erklärte die Ministerin.
Im Hintergrund steht eine bereits länger anhaltende Debatte um die wirtschaftliche Lage der DB Cargo AG. Die jüngste Verkehrsministerkonferenz hatte den Bund aufgefordert, sich nicht nur als Anteilseigner einzubringen, sondern auch aus verkehrs- und sicherheitspolitischen Gründen aktiv zu werden. Es gehe um das „wichtige Bundesinteresse“ am Erhalt und Ausbau der Transportmöglichkeiten von Gütern auf der Schiene.
Besonders im Fokus stehen dabei der Einzelwagenverkehr, die Sicherung von Werkstatt- und Instandhaltungskapazitäten sowie der Erhalt spezialisierten Know-hows im Güterverkehrssektor. Nach dem Willen der Länder soll der Bund außerdem die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen See- und Binnenhäfen im Blick behalten. Aus Sicht der Verkehrsminister hängt daran nicht nur die Versorgung der Industrie, sondern auch die Rolle Deutschlands in den europäischen Logistikketten.

















