Bereits das Wissen um die Supertaster-Gene hilft vielen Eltern und fördert das Verständnis für das ablehnende Verhalten beim Essen. Doch wie merkt man, dass das eigene Kind ein Supertaster ist? Im Internet findet man Teststäbchen und Fragebögen. Oecotrophologe Bier appelliert aber vor allem an das Einfühlungsvermögen und die Beobachtungsgabe von Eltern und Erziehern und empfiehlt, die geschmacklichen Empfindungen von Kindern ernst zu nehmen:

„Vorlieben und Abneigungen entwickeln sich über einen sehr langen Zeitraum. Dies beginnt bereits im Mutterleib und wird nie so richtig abgeschlossen. Es handelt sich um einen lebenslangen soziokulturellen Lernprozess. Mit zunehmendem Alter festigen sich die Gewohnheiten. Die ersten Lebensjahre sind jedoch entscheidend. In dieser Zeit durchlebt der Mensch unterschiedliche Phasen, die für alle Beteiligten mal mehr, mal weniger anstrengend sind. Man darf Kinder – egal, ob Supertaster oder nicht – keinesfalls zum Verzehr irgendwelcher Lebensmittel zwingen.

Genauso wenig darf man sie für den Verzehr von Lebensmitteln belohnen. Und erst recht darf man sie nicht mit bestimmten Lebensmitteln belohnen. Nachtisch zu versprechen, wenn das Kind den Spinat isst, ist unsinnig und kontraproduktiv. Der Nachtisch wird dadurch auf- und der Spinat abgewertet. Auf der anderen Seite muss man Kinder stetig ermuntern, neue Geschmäcker in ihr Repertoire aufzunehmen. Dieser Spagat ist sehr schwierig, wird aber immer wieder mit verblüffenden Erfolgserlebnissen belohnt – für Kinder und Eltern. Und letztlich lernen die Kinder auch das Essverhalten von ihren Vorbildern!“