Wenn es um informatische Bildung an den Schulen geht, zählt das Saarland bundesweit zur Spitzengruppe. Der aktuelle Informatik-Monitor 2026/27 bestätigt: Nur drei Bundesländer haben den wissenschaftlich empfohlenen Umfang von sechs Jahreswochenstunden in der Sekundarstufe I tatsächlich in ihren Stundentafeln festgeschrieben. Das Saarland ist eines davon.
Für Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot ist das mehr als eine Statistik. Sie versteht digitale Kompetenz als Frage der Gerechtigkeit. „Die digitale Welt prägt, wie wir lernen, arbeiten und miteinander leben. Wir wollen, dass junge Menschen diese Welt verstehen, kritisch hinterfragen und selbstbewusst mitgestalten können“, sagt sie. Dazu gehöre nicht nur Wissen über informatische Zusammenhänge, sondern auch die Fähigkeit, Informationen einzuordnen und verantwortungsvoll mit Künstlicher Intelligenz umzugehen.
Entscheidend ist dabei der Zugang unabhängig vom Elternhaus. Mit dem Pflichtfach, so die Ministerin, entstehe „eine gemeinsame Grundlage“ für alle. Dass das Saarland bei dieser verbindlichen Verankerung vorangeht, bestätige den eingeschlagenen Weg – einen Weg, der von der Sekundarstufe I bis zum Abitur reicht und auch die Förderschulen einschließt.
Der Monitor zeigt, dass inzwischen zehn Bundesländer Informatik als Pflichtfach an allen Schulformen der Sekundarstufe I eingeführt haben. Doch den von der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz empfohlenen Gesamtumfang von sechs Jahreswochenstunden erreichen bislang nur das Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. An den saarländischen Gemeinschaftsschulen und Gymnasien sind in den Klassenstufen 7 und 8 jeweils zwei Wochenstunden vorgesehen, in den Klassenstufen 9 und 10 jeweils eine. Der Aufbau erfolgt schrittweise, sodass Grundlagen über mehrere Schuljahre hinweg vertieft werden.
Auch auf dem Weg zum Abitur gewinnt das Fach an Gewicht. Mit der neuen Verordnung für die gymnasiale Oberstufe wird Informatik den Naturwissenschaften gleichgestellt und künftig als dreistündiger Grundkurs oder als fünfstündiger Leistungskurs angeboten. Parallel dazu verankert die neue Förderschulverordnung digitale Bildung an allen Förderschulen – mit Ausnahme des Förderschwerpunkts Geistige Entwicklung. Die Inhalte orientieren sich dort am individuellen Lern- und Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler.
Damit all das im Klassenzimmer ankommt, braucht es qualifizierte Lehrkräfte. Das Saarland setzt auf eine Kombination aus Weiterbildung und neuen Zugangswegen. Für das Schuljahr 2024/25 weist der Monitor 74 Lehrkräfte aus, die eine entsprechende Weiterbildung für die Sekundarstufe I abgeschlossen haben. Seit 2024 eröffnet zudem ein Quereinstiegsmaster einen universitären Weg zum Master of Education, zunächst in Physik und Informatik, inzwischen auch in weiteren Fächern. Ergänzend wurde der direkte Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst für Bedarfsfächer geöffnet.
Dass Technik und Didaktik zusammengehören, zeigt sich auch im Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, der neben dem hohen Umfang des Informatikunterrichts die überdurchschnittliche Verfügbarkeit von schnellem WLAN hervorhebt. Pflichtfach, Medienbildung, digitale Lernangebote und die Qualifizierung der Lehrkräfte greifen ineinander, rechtlich abgesichert durch das Digitale-Bildung-Gesetz. Der Informatik-Monitor selbst ist ein Gemeinschaftsprojekt des Stifterverbandes, der Gesellschaft für Informatik und der Heinz Nixdorf Stiftung und untersucht jährlich den Stand der informatischen Bildung in den Bundesländern.




















