Extreme Hitze, ausgedehnte Trockenperioden und plötzliche Starkregenfälle: Der Klimawandel verändert die Arbeit der Feuerwehren im Saarland spürbar. Genau diese neue Gefahrenlage stand im Mittelpunkt, als Innenminister Reinhold Jost und Landesbrandinspekteur Timo Meyer am 31. Oktober die Führungskräfte der saarländischen Feuerwehren in die Würzbacher Halle nach Blieskastel-Niederwürzbach einluden. Zum 20. Mal fand die gemeinsame Tagung statt, die traditionell dazu dient, über aktuelle Herausforderungen zu informieren und die Weichen für die kommenden Jahre zu stellen.
Für Jost sind die Feuerwehren das Fundament des gesamten Bevölkerungsschutzes. Ob Wald- und Vegetationsbrände durch anhaltende Dürre oder Überschwemmungen, die binnen Minuten erhebliche Schäden anrichten: Die Einsatzkräfte seien in jeder Lage gefordert. „Dieses ehrenamtliche Engagement ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Rückgrat unserer Gesellschaft“, betonte der Minister. Es verlange Fachwissen, körperliche wie psychische Belastbarkeit und die Bereitschaft, Verantwortung für die Mitmenschen zu übernehmen.
Landesbrandinspekteur Timo Meyer, der seit mehr als zehn Jahren an der Spitze der saarländischen Feuerwehren steht, hob die gewachsene Gemeinschaft hervor. Nicht nur über die Kreisgrenzen hinweg sei die Zusammenarbeit heute selbstverständlich, sondern auch mit den Nachbarländern und Nachbarstaaten. Gerade im Ehrenamt, so Meyer, sei eine starke Gemeinschaft existenziell.

Ein Kernstück der politischen Bemühungen ist das neue Saarländische Bevölkerungsschutzgesetz, das die Landesregierung als eines der modernsten der Bundesrepublik versteht. Es bündelt nicht mehr nur Brand- und Katastrophenschutz, sondern bezieht erstmals auch den Schutz Kritischer Infrastrukturen sowie die Zivile Verteidigung mit ein. Zugleich stärkt es das Ehrenamt, etwa durch klarere Regeln bei der Freistellung von Helfenden und durch rechtliche Grundlagen für hauptamtliches Personal zur Entlastung. „Wir wählen damit einen 360-Grad-Ansatz für den Bevölkerungsschutz“, erklärte Jost. Das Gesetz trage dem Klimawandel ebenso Rechnung wie hybriden Bedrohungen.
Dass die Beratung in eine dritte Lesung ging, verschiebt den Zeitplan allerdings. Die CDU-Landtagsfraktion beantragte in der Sitzung vom 28. Oktober 2026 eine erneute Beratung des Entwurfs, sodass sich die Beschlussfassung und das Inkrafttreten um einige Wochen nach hinten verlagern. Die externen Stellungnahmen begrüßen den ganzheitlichen Ansatz und das durchgängige Gefahrenabwehrsystem „vom Kleinen ins Große“ ohne Brüche.

Wie wichtig reibungslose Kooperation ist, zeigte der Großbrand im Hosterwald zwischen Hirzweiler und Wustweiler im August 2026. Über 78 Stunden kämpften mehr als 1.000 Einsatzkräfte aus dem Saarland sowie aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Luxemburg gegen die Flammen. Als Konsequenz plant die Landesregierung eine grenzüberschreitende Einheit zur Bekämpfung von Vegetationsbränden. Im Rahmen der Otzenhausener Gespräche 2026 unterzeichneten das Saarland, Rheinland-Pfalz, Luxemburg und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens dazu eine Absichtserklärung. Mit einem weiteren Letter of Intent vereinbarten das Saarland und Luxemburg, gemeinsame Übungen, Ausbildungen und einen rechtlichen Rahmen für Einsätze über die Grenze hinweg zu schaffen.
Personell steht der Brandschutz im Land stabil da. Neben der Berufsfeuerwehr Saarbrücken sorgen 52 Freiwillige Feuerwehren mit 307 Löschbezirken und 14 Werkfeuerwehren für Sicherheit, getragen von 11.420 aktiven Angehörigen. Besonders erfreulich ist der Nachwuchs: Die Zahl der Kinder in Vorbereitungsgruppen stieg um acht Prozent auf 648, hinzu kommen 4.856 Kinder und Jugendliche in den Jugendfeuerwehren.
Auch bei Ausrüstung und Infrastruktur investiert das Land kräftig. Noch im Dezember 2026 werden sechs Wechselladerfahrzeuge und die ersten zwei Universal-Modulträger-Fahrzeuge ausgeliefert, weitere Systeme wie das Hochleistungspumpsystem Hytrans folgen Mitte 2027. Ein Meilenstein ist der rund 53 Millionen Euro teure Neubau der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Homburg. Flankiert wird all dies von der neuen Abteilung F „Bevölkerungsschutz“ im Innenministerium, die alle nicht-polizeilichen Sicherheitsaufgaben strategisch unter einem Dach vernetzt.





















