Prunk nach außen, leere Kassen nach innen: Die Fürstenhöfe des 18. Jahrhunderts waren Meister der Inszenierung. Genau diesem Spannungsfeld widmet sich der dritte Abend der Reihe „K&K. Kunstgeschichte trifft Kammerzofe“, zu dem das Römermuseum Schwarzenacker am Donnerstag, 10. September, um 19 Uhr einlädt. Der Titel des Abends bringt es auf den Punkt: „Schein und Sein“.
Die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Schwan und Monika Link in der Rolle der Kammerzofe Henrietta führen die Besucherinnen und Besucher in eine Epoche, in der äußerer Glanz und tatsächliche Verhältnisse selten deckungsgleich waren. Das Format ist eine Kooperation der Stadt Homburg mit dem Saarpfalz-Kreis und hat sich mittlerweile ein treues Publikum erschlossen.
Denn die Realität hinter den prächtigen Fassaden war oft eine andere. Herzog Gustav Samuel Leopold von Pfalz-Zweibrücken, Christian IV., Karl II. August oder auch Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken kannten alle dasselbe Problem: Schulden. Und trotzdem galt es, Wohlstand und Macht öffentlich zur Schau zu stellen. Das Maß aller Dinge war Versailles – und selbst die kleinsten Herrscherhöfe im Reich versuchten, diesem Vorbild nachzueifern, koste es, was es wolle.
Wer seinen Status sichern wollte, heiratete selten aus Zuneigung. Wirtschaftliche Überlegungen gaben den Ausschlag, allen voran die Höhe der Mitgift. So verwoben sich Schein und Sein auf vielerlei Weise: Leeren Kassen stand repräsentativer Luxus gegenüber, strenge Moralvorstellungen trafen auf Intrigen, Machtkämpfe und Bespitzelung hinter den Kulissen.
Auch das Privatleben an den Höfen steckte voller Widersprüche. Maitressen, Geliebte und sogenannte „Frauen zur linken Hand“ hatten oft mehr zu sagen als die offiziellen Ehefrauen und verfügten nicht selten über beträchtlichen Einfluss. Zugleich sorgten Verbindungen zwischen Adeligen und Bürgerlichen immer wieder für Skandale. Beispiele dafür lieferten Pfalz-Zweibrücken und die direkte Nachbarschaft gleich reihenweise.
Genau diese verborgenen Geschichten macht Kammerzofe Henrietta sichtbar, während Dr. Jutta Schwan vom Kulturmanagement des Saarpfalz-Kreises die kunst- und kulturhistorischen Zusammenhänge einordnet. Gemeinsam werfen sie einen Blick hinter die Kulissen einer Zeit, in der sich Wirklichkeit und Inszenierung nur schwer auseinanderhalten ließen.
Der Abend ist der vorletzte der aktuellen Saison. Den Abschluss bildet am 29. Oktober die Veranstaltung unter dem Titel „Hin und weg“. Weitere Informationen finden Interessierte online unter www.roemermuseum-schwarzenacker.de.




















