Im Saarland geht zum Jahresbeginn 2026 ein neues digitales Angebot an den Start, das sich gezielt gegen Menschenfeindlichkeit richtet. Unter der Adresse meldestelle.saarland können ab sofort Vorfälle gemeldet werden, bei denen Menschen etwa aus rassistischen, antisemitischen oder queerfeindlichen Motiven angegriffen oder diskriminiert werden. Das Portal versteht sich als Anlaufstelle für Betroffene und Zeugen und soll zugleich ein genaueres Bild davon liefern, was im Alltag häufig unsichtbar bleibt.
„Rechte, rassistische und antisemitische Gewalt sind eine Bedrohung für unsere demokratische Gesellschaft. Durch die neue digitale Meldestelle werden Vorfälle von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sichtbar und zudem dokumentiert. Gleichzeitig werden Betroffene mit Unterstützungsangeboten vernetzt. Die meldestelle.saarland ist ein Beispiel dafür, dass technologische Lösungen für den Kampf gegen Hass und Gewalt genutzt werden können“, sagte Sozialminister Magnus Jung zum Start des Angebots. Die Plattform richtet sich auch gegen weitere Formen von Menschenfeindlichkeit, etwa Queerfeindlichkeit oder Islamfeindlichkeit.
Getragen wird die Meldestelle von der zivilgesellschaftlichen Beratungsstelle „Bounce Back“, die Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt unterstützt. Das Projekt entsteht in Kooperation mit dem im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit angesiedelten Landes-Demokratiezentrum. Finanziert wird es aus Bundesmitteln des Programms „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums. Projektleiterin und „Bounce Back“-Geschäftsführerin Isabelle Piwonka beschreibt den Anspruch so: „Die Meldestelle gibt Betroffenen Orientierung und steht für Respekt. Für Menschlichkeit. Für Zusammenhalt. Denn nur gemeinsam können wir etwas bewegen.“
Die Plattform verfolgt drei zentrale Ziele. Zum einen sollen menschenfeindliche Vorfälle im Saarland systematisch dokumentiert werden – unabhängig davon, ob sie strafrechtlich relevant sind oder bei der Polizei angezeigt wurden. So werden auch Erlebnisse erfasst, die unterhalb der Strafbarkeitsschwelle liegen oder aus unterschiedlichen Gründen nie bei Behörden gemeldet wurden. Zum zweiten vermittelt die Meldestelle auf Wunsch passgenaue Beratungs- und Unterstützungsangebote für Betroffene und Zeugen. Diese reichen von psychosozialer und juristischer Beratung bis hin zu Hilfen, um die eigene Handlungskompetenz im Umgang mit den Vorfällen zu stärken. Drittens sollen die gesammelten Kennzahlen jährlich in Berichten veröffentlicht werden, um die gemeldeten Vorfälle aus den verschiedenen Themenbereichen transparent zu machen.
Die Nutzung der meldestelle.saarland ist niedrigschwellig angelegt. Meldungen können online eingereicht werden, auf Wunsch auch anonym. Parallel dazu hilft das Portal dabei, spezialisierte Beratungsstellen im Saarland zu finden. Die Meldestelle steht in engem Austausch mit Einrichtungen, die über das Landes-Demokratiezentrum aus Landes- und Bundesmitteln gefördert werden. Dazu zählen unter anderem die Fachstelle gegen Rechtsextremismus des Adolf-Bender-Zentrums, die Fachstelle Islamismus und antimuslimischer Rassismus „Yallah!“ der FITT gGmbH, die Distanzierungsberatung „Check In“ der AWO sowie das Beratungsangebot des LSVD+ Saarland gegen LSBTI-Feindlichkeit. Hinzu kommen weitere saarländische Beratungsstellen aus anderen Bereichen.
Eine interaktive Saarland-Karte auf der Website bietet zudem eine Übersicht über alle mit der Meldestelle kooperierenden Beratungsangebote – auch unabhängig von einer konkreten Meldung. Offiziell startet die meldestelle.saarland im Januar 2026 mit einer Testphase, erreichbar ist das Portal aber bereits jetzt unter meldestelle.saarland/
Wichtig ist der Hinweis, dass die Meldestelle in keiner direkten Verbindung zu polizeilichen Stellen steht. In akuten Gefahren- oder Bedrohungssituationen bleibt die Polizei erster Ansprechpartner, entweder über die örtliche Polizeiinspektion oder die Notrufnummer 110. Über die Meldestelle selbst wird keine Strafanzeige erstattet. Wer eine Anzeige erstatten möchte, kann sich an die zuständige Polizeiinspektion wenden oder das Formular der Onlinewache Saarland unter www.saarland.de/polizei/DE/onlinewache nutzen.



















