Wenn sich im Spätherbst die Räume der Modernen Galerie des Saarlandmuseums füllen, steht diesmal eine Künstlerin im Mittelpunkt, die Bewegung selbst zum Thema macht. Unter dem Titel „Gegenwärtige Bewegung“ widmet das Haus der Bildhauerin und Zeichnerin Sigrún Ólafsdóttir eine eigene Sonderpräsentation – und spannt damit den Bogen über drei Jahrzehnte kontinuierlicher Arbeit.
Die Ausstellung läuft vom 29. November 2025 bis 12. April 2026 und entsteht in Kooperation mit der Stadt St. Ingbert. Zu sehen sind insgesamt zehn Skulpturen und großformatige Zeichnungen, die zentrale Themen des Œuvres der Künstlerin sichtbar machen. Einige der Arbeiten kommen als Leihgaben aus privatem Besitz in die Galerie und sind damit nur für einen begrenzten Zeitraum öffentlich zugänglich.
Ólafsdóttir, 1963 in Reykjavík auf Island geboren, lebt und arbeitet seit Beginn der 1990er Jahre als freischaffende Künstlerin in Saarbrücken. Sie studierte von 1986 bis 1989 Bildhauerei an der Kunsthochschule Reykjavík und setzte ihre Ausbildung anschließend von 1990 bis 1994 an der Hochschule der Bildenden Künste Saar fort, wo sie als Meisterschülerin mit Diplom abschloss. Bereits 1995 erhielt sie den Förderpreis der Stadt Saarbrücken, 2005 folgte ein Stipendium der Pollock-Krasner-Foundation in New York, 2007 das CIA-Stipendium des Center of Icelandic Art in Island. Seit 1990 werden ihre Arbeiten regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt, zahlreiche Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen.
Ein wichtiger Moment in ihrer jüngeren Laufbahn war die Verleihung des Albert-Weisgerber-Preises für Bildende Kunst der Stadt St. Ingbert im Jahr 2022. Der Preis würdigte ihr „herausragendes Kunstschaffen“, das sich, so die Begründung, durch hohe Qualität und Unverwechselbarkeit auszeichne. Für die nun geplante Sonderpräsentation in der Modernen Galerie hat die Gastkuratorin der Albert-Weisgerber-Stiftung, Andrea Fischer M.A., gemeinsam mit Sigrún Ólafsdóttir Exponate aus unterschiedlichen Werkphasen ausgewählt. Signifikante Arbeiten von den frühen 2000er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart sollen einen komprimierten Einblick in Entstehung und Wandel ihres Werks geben.
Im Mittelpunkt der Schau steht die Bewegung als zentrales künstlerisches Element. Sie ist, so beschreibt es die Stiftung, ein wesentliches Material in Ólafsdóttirs Bildhauerei und durchzieht ebenso konsequent ihr zeichnerisches Werk. Die abstrakten Arbeiten lassen Bewegung, Raum und Zeit erfahrbar werden – mit einer inneren Lebendigkeit und Leichtigkeit, aber zugleich mit Kraft und Energie, die selbstverständlich und natürlich wirken. Holz, Stahl, Aluminium und Gummi gehören zu den bevorzugten Materialien der Künstlerin. Viele ihrer Plastiken entstehen in beachtlicher Größe als ortsbezogene Arbeiten im öffentlichen Raum.

Floating Volumina, 2005, Aluminium, Stahl, Foto: Sigrun Ólafsdóttir
Ólafsdóttirs Skulpturen sind eng mit dem Begriff der Raumplastik verbunden. Von Beginn an prägt das Streben nach Überwindung von Masse und Schwere ihr bildhauerisches Arbeiten. Die plastische Zeichnung im Raum nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Für ihre Darstellung von Bewegung ist die Balance entscheidend, die Suche nach dem Punkt, an dem ein Körper ins Gleichgewicht kommt. Das Austarieren von Kräften, der Ausgleich elementarer Gegensätze wie Leichtigkeit und Schwere, Ruhe und Bewegung, Stabilität und Fragilität, Innen und Außen, Oben und Unten, Spannung und Entspannung, Himmel und Erde, Gebundenheit und Freiheit bildet das Grundgerüst ihrer Plastiken.
Charakteristisch ist die Dominanz runder und geschwungener Formverläufe, die sich als konzeptionelle Konstante sowohl in der Skulptur als auch in der Zeichnung wiederfinden. Kugel und Kreis stehen in ihrem Werk für kontinuierliches Werden und Sein, für Wiederkehr und Erneuerung. Mit großer Sensibilität lotet die Künstlerin die Kräfte und Energien aus, die auf menschliche Existenz einwirken, und übersetzt sie in eine klare, abstrakte Formensprache. Innerhalb dieses Systems treten Plastik und autonome Zeichnung als eigenständige, aber eng verbundene Ausdrucksmittel in einen spannungsvollen Dialog – ein Dialog, den die Sonderpräsentation „Gegenwärtige Bewegung“ in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums nun konzentriert nachvollziehen lässt.


















