Die digitale Brieftasche kommt – und viele Menschen in Deutschland sind bereit, sie zu nutzen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung will die Wallet ab dem kommenden Jahr auf dem Smartphone verwenden. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die zeitgleich zur heutigen Abstimmung über das Digitale-Identitäten-Gesetz im Bundestag veröffentlicht wurde.
Genau 53 Prozent der Befragten gaben an, die Anwendung künftig einsetzen zu wollen. Davon zeigten sich 20 Prozent uneingeschränkt entschlossen, weitere 33 Prozent tendieren eher dazu. Auf der anderen Seite stehen jene, die abwinken: Jeweils 21 Prozent wollen die Wallet eher nicht oder auf keinen Fall verwenden. Für die Erhebung hatte Bitkom Research 1.004 Personen ab 18 Jahren telefonisch befragt.
Das Gesetz, das der Bundestag heute beschließen soll, schafft die rechtliche Basis für den Start. In Deutschland trägt die Brieftasche den Namen d-you, EU-weit firmiert sie als EUDI-Wallet. Losgehen soll es am 2. Januar 2027 – die Nutzung ist freiwillig und kostenlos. Eingerichtet wird die Wallet über den Personalausweis oder den elektronischen Aufenthaltstitel.
Für Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst entscheidet sich der Erfolg an der Alltagstauglichkeit. „d-you schafft einen ganz praktischen Nutzen für die Menschen“, sagt er. Die Priorität müsse nun darauf liegen, schon zum Start viele relevante Einsatzmöglichkeiten bereitzustellen. „Wer sich die Wallet aufs Smartphone holt, will sie auch im Alltag einsetzen, etwa im Kontakt mit seiner Bank oder beim Abschluss eines Vertrags“, so Wintergerst.
Zu Beginn dient d-you vor allem dem digitalen Identitätsnachweis – etwa um das Alter zu belegen, Verträge abzuschließen oder ein Bankkonto zu eröffnen. Schrittweise sollen weitere Dokumente folgen, darunter Führerschein und Rentenausweis, später auch die elektronische Unterschrift. Dass das Vorhaben nicht nur Behörden betrifft, zeigt ein von Bitkom und dem Bundesdigitalministerium angestoßenes Memorandum of Understanding: Mehr als 180 Unternehmen haben bereits zugesagt, die Technik in ihren eigenen Angeboten zu nutzen.
Ein Problem bleibt allerdings die mangelnde Bekanntheit. Fast die Hälfte der Deutschen, nämlich 46 Prozent, hat noch nie von der Wallet gehört – immerhin ein Rückgang gegenüber den 52 Prozent zu Jahresbeginn. Nur acht Prozent können gut erklären, worum es geht, weitere 21 Prozent haben zumindest eine ungefähre Vorstellung. „Bund, Länder und vor allem die Ämter und Behörden vor Ort müssen rasch und deutlich kommunizieren, welche konkreten Vorteile die Wallet-Nutzung den Menschen bringt“, mahnt Wintergerst.
Bei einer praktischen Hürde hat das Digitalministerium diese Woche bereits nachgebessert. Zur Aktivierung von d-you braucht es die Online-Funktion des Personalausweises samt zugehöriger PIN. Wer diese vergessen hat, muss künftig nicht mehr aufs Amt: Ein kostenloser Rücksetzungs- und Aktivierungsdienst soll Abhilfe schaffen, wie Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger zur Eröffnung der Smart Country Convention in Berlin ankündigte.




















