Wer im Saarland arbeitet, kommt an Frankreich kaum vorbei. Die grenzüberschreitende Kooperation mit dem Nachbarland prägt den Behördenalltag – doch sie steht und fällt mit jenen Menschen, die die Sprache beherrschen und die Gepflogenheiten auf der anderen Rheinseite verstehen. Genau an dieser Stelle setzt ein neues Weiterbildungsangebot an, das am 22. Oktober in seine Pilotphase geht.
Frankreichkompetenzen+ heißt das Zertifikat, das auf Initiative der saarländischen Staatskanzlei entstanden ist. Entwickelt wurde es vom Frankreichzentrum der Universität des Saarlandes. Das Ziel: Beschäftigte der Landesverwaltung sollen ihre französischen Sprachkenntnisse ausbauen und zugleich ein tieferes Verständnis für die Verwaltungsstrukturen, Arbeitsweisen und die berufliche Praxis des Nachbarlandes gewinnen.
Denn Vokabeln allein reichen im deutsch-französischen Arbeitsalltag selten aus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, berufliche Gespräche auf Französisch sicher zu führen und sich in gemischten Arbeitskontexten souveräner zu bewegen. Ein besonderes Gewicht liegt dabei auf der interkulturellen Kommunikation – also auf dem feinen Gespür für unterschiedliche Kommunikationskulturen, das in der Zusammenarbeit oft den Unterschied macht.
Für Ministerpräsidentin Anke Rehlinger ist das Angebot mehr als eine Fortbildung. „Die deutsch-französische Zusammenarbeit gehört im Saarland zum Alltag. Sie lebt von Menschen, die die Sprache unserer Nachbarn sprechen und verstehen, wie auf der anderen Seite der Grenze gearbeitet wird“, sagt sie. Genau hier setze das Programm an: Man wolle sprachliche und kulturelle Hürden abbauen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Kooperation mit französischen Partnern weiter stärken. „Damit bringen wir unsere Frankreichstrategie ganz konkret in die berufliche Praxis und stärken die Rolle des Saarlandes als Brücke zwischen Deutschland und Frankreich.“
Aufgebaut ist das Zertifikat modular. Es verbindet die Vermittlung von Sprachkompetenz mit Orientierungswissen und interkultureller Kompetenz, bevor das Gelernte in einem eigenen Praxismodul im beruflichen Umfeld angewendet und vertieft wird. Präsenz- und Onlinephasen wechseln sich ab, ergänzt durch Fachvorträge, Kulturveranstaltungen und praxisnahe Aufgaben. Insgesamt bringt das Programm zehn Credit Points und lässt sich innerhalb von zwei Semestern abschließen.
In der Pilotphase richtet sich das Angebot zunächst an Beschäftigte der Landesverwaltung. Doch der Blick geht bereits weiter: Perspektivisch soll Frankreichkompetenzen+ so weiterentwickelt werden, dass auch Mitarbeitende der Landkreise, der Kommunen und der freien Wirtschaft gezielt einbezogen werden können.


















