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Wie können Geflüchtete mit geringer Bildung am deutschen Arbeitsmarkt teilhaben? Mit dieser Frage hat sich ein Forschungsteam der Universitäten Würzburg und Mannheim befasst. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

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Um gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz zu haben, sind fortgeschrittene Deutschkenntnisse und ein sicherer Aufenthaltsstatus, vor allem aber Disziplin und Motivation entscheidend. Für etwas ältere Geflüchtete mit relevanter Berufserfahrung kann sich hingegen der Weg in eine berufliche Selbständigkeit lohnen. Diese ermöglicht in vielen Fällen das Umgehen struktureller Hindernisse und führt auch bei einer unfreiwilligen Beendigung nicht zu einer Stigmatisierung auf dem Arbeitsmarkt.

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Projekts „Fachkräfte der Zukunft oder langfristig marginalisiert? Möglichkeiten zur Integration von geringfügig qualifizierten Geflüchteten“. Daran beteiligt waren Christina Felfe de Ormeno, Inhaberin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Arbeitsmarktökonomik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und ihre Wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Judith Saurer, Thomas Zwick, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, Personal und Organisation der JMU, sowie Dr. Christoph Sajons, Leiter des Forschungsbereichs „Arbeitsmarkt und Selbständigkeit“ am Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim.

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Duale Ausbildung und Selbständigkeit als Wege in den Arbeitsmarkt

In zwei getrennten Studien des von der Stiftung Mercator geförderten Projektes haben die Wissenschaftler duale Ausbildung und Selbständigkeit als Wege in den Arbeitsmarkt untersucht. Für junge Menschen, die keinen formalen beruflichen Bildungsabschluss besitzen, bietet eine Ausbildung eine hervorragende Möglichkeit im deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Bei der Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz haben es Geflüchtete jedoch vielerorts schwer.

Die Hemmnisse und deren mögliche Beseitigung analysierte das Forschungsteam in der Studie „Mehr Ausbildung wagen! Barrieren und Chancen für die Einstellung von Geflüchteten in deutschen Unternehmen“. Über 1.100 ausbildende Unternehmen in Süddeutschland haben die Forschenden dafür in Kooperation mit den Industrie- und Handelskammern (IHKs) und Handwerkskammern (HWKs) befragt.

Nur wenige Unternehmen stellen Geflüchtete ein

Dabei zeigte sich: Trotz Fachkräftemangel haben weniger als ein Drittel der Unternehmen Geflüchtete eingestellt (29 Prozent) und nur acht Prozent von ihnen haben Beratungsangebote zur Integration von Geflüchteten in Anspruch genommen. Als Gründe wurden Bedenken bezüglich der langfristigen Bindung der Geflüchteten und deren Aufenthaltsstatus sowie bezüglich der Verständigung innerhalb der Belegschaft geäußert.

In die Befragung war auch ein sogenanntes „Auswahlexperiment“ eingebaut, bei dem Personalverantwortliche zwischen zwei Bewerbenden, einmal mit und einmal ohne Fluchthintergrund, wählen sollten. Mangelnde Deutschkenntnisse und unsichere Bleibeperspektive der Geflüchteten führten dazu, dass deutsche Bewerbende häufiger ausgewählt wurden, auch wenn sie in dem Experiment eine niedrigere formale Bildung aufwiesen. „Nur bei besserer Schulbildung, guten Deutschkenntnissen auf B2-Niveau und gesichertem Aufenthaltsstatus hatten Geflüchtete praktisch die gleichen Auswahlchancen,“ erläutert Professorin Christina Felfe.

Als sehr bedeutend erwiesen sich außerdem weiche Faktoren wie Disziplin und Motivation, die beispielsweise mit Hilfe von absolvierten Praktika oder geringen Abwesenheiten bei der letzten Schulbildung identifiziert werden können. Zuletzt erhöhe auch ein einjähriges Kombimodell Spracherwerb und Ausbildung, bei dem ein zusätzliches bezahltes Lehrjahr mit intensiver sprachlicher Vorbereitung der traditionellen drei-jährigen Lehrzeit vorgeschaltet wird, die Einstellungschancen substanziell. Um die Integration der Geflüchteten in das Ausbildungssystem zu verbessern, sollten Unternehmen demnach gemäß der Studie verstärkt Schnupperpraktika anbieten und die Politik für den Zugang zu sprachlichen Förderprogrammen und deren enge Verzahnung mit der dualen Ausbildung sorgen.

Selbstständigkeit führt zu höheren Einkommen

Einen alternativen Weg in den Arbeitsmarkt stellt die Selbständigkeit dar. Geflüchtete und Zuwanderer könnten mit einer Selbstständigkeit formale Hürden am Arbeitsmarkt umgehen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten voll einbringen und somit den Fachkräftemangel lindern. Die jetzt veröffentlichte Studie zeigt, dass die Quote der Abbrüche innerhalb der ersten drei Jahre bei migrantischen Gründenden in den 2010er-Jahren mit 54 Prozent leicht höher lag als bei Gründungen von in Deutschland geborenen Personen (47 Prozent). Wer von ihnen nach drei Jahren noch im Markt war, konnte im Schnitt höhere Nettoeinkommen im Monat erzielen als Migranten in abhängiger Beschäftigung (etwas über 2000 Euro vs. 1650 Euro). Aber auch wer seine Selbständigkeit schon wieder beendet hatte, stand drei Jahre nach dem Gründungsversuch mit rund 1800 Euro Nettoeinkommen im Monat besser da als abhängig Beschäftigte.

Außerdem fand die Mannheimer Forschungsgruppe in einem Bewerbungsexperiment heraus, dass durch eine wieder aufgegebene Selbständigkeit keine Stigmatisierung am regulären Arbeitsmarkt stattfand. „Bewerbungen von Migranten, die zuvor selbständig waren, waren genauso erfolgreich wie die von Personen, die zuvor einer abhängigen Beschäftigung nachgingen – unabhängig davon, ob die Selbständigkeit freiwillig oder gezwungenermaßen beendet wurde,“ erklärt Sajons. Im Vergleich zu einer Phase der Erwerbslosigkeit stiegen die Bewerbungschancen durch eine unternehmerische Tätigkeit sogar beträchtlich. Unternehmertum bei Migranten trug in den 2010er-Jahren zudem zur gesamtwirtschaftlichen Dynamik bei, denn auf jeden Gründungsversuch kamen nach drei Jahren im Schnitt fast 1,4 geschaffene Arbeitsplätze.

Hürden für Geflüchtete abbauen

Die Forschenden empfehlen politischen Entscheidungsträgern sowie Institutionen wie Arbeitsagentur und Jobcenter, gezielt systematische Hürden für migrantische Gründende abzubauen, indem sie beispielsweise den Vermittlungsvorrang in die abhängige Beschäftigung abschaffen und damit Geflüchteten einen besseren Zugang zu Qualifizierungs- und Beratungsmaßnahmen sowie finanziellen Förderinstrumenten ermöglichen.

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