Ob heimlich unter der Bank, in der Pause auf dem Schulhof oder ganz offiziell als Werkzeug im Unterricht: Das Smartphone ist aus dem Schulalltag längst nicht mehr wegzudenken. Doch beim Umgang mit den Geräten fühlen sich viele Lehrkräfte im Stich gelassen. Nur 36 Prozent geben an, von ihrer Schule ausreichend Rückhalt zu bekommen, wenn es um die Handynutzung ihrer Schülerinnen und Schüler geht. Das zeigt eine repräsentative Befragung unter 501 Lehrkräften der Sekundarstufen I und II, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat.
Die Herausforderung ist groß. Fast drei Viertel der Befragten (74 Prozent) beobachten, dass sich ihre Schülerinnen und Schüler durch das Smartphone schwerer auf den Unterricht konzentrieren können. Gleichzeitig bleibt das Bild ambivalent: 29 Prozent der Lehrkräfte sehen im Gerät auch ein hilfreiches Lernwerkzeug. Zwischen Ablenkung und Lernhilfe verläuft also ein schmaler Grat, den viele Pädagoginnen und Pädagogen offenbar allein austarieren müssen.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst plädiert dafür, das Thema nicht mit Verboten zu erschlagen. „Smartphones sind Teil der Lebenswelt junger Menschen und gehören an den meisten Schulen zur Realität. Lehrkräfte dürfen damit nicht allein gelassen werden“, sagt er. Statt pauschaler Verbote brauche es klare, altersgerechte und durchsetzbare Regeln, etwa auf Basis von Leitlinien und Musterschulordnungen der Länder. Zugleich müssten Lehrkräfte dabei unterstützt werden, Medienkompetenz und einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Geräten zu vermitteln.
Wie zwiespältig die Rolle des Smartphones ist, zeigt sich beim Blick auf den Unterricht selbst. Die Hälfte der Befragten setzt die Geräte gezielt ein, zwölf Prozent davon häufig, 38 Prozent gelegentlich. Für einen erheblichen Teil sind die privaten Handys sogar unverzichtbar: 28 Prozent geben an, ohne die Geräte ihrer Schülerinnen und Schüler oft gar keinen digitalen Unterricht anbieten zu können. Dass Bildung damit von der technischen Ausstattung im heimischen Kinderzimmer abhängt, sieht Wintergerst kritisch.
„Digitale Bildung darf nicht davon abhängen, wer welches Gerät von zu Hause mitbringt“, betont der Bitkom-Präsident. Der kürzlich gestartete DigitalPakt 2.0 müsse konsequent genutzt werden, um Schulen flächendeckend mit moderner Technik auszustatten und zugleich die Fortbildung der Lehrkräfte auszubauen. Gute Ausstattung und praxisnahe Weiterbildung, so sein Appell, gehörten untrennbar zusammen.
Umstritten bleibt der Umgang mit den Geräten jenseits des Unterrichts. 54 Prozent der Lehrkräfte halten es für problematisch, die Smartphones ihrer Schülerinnen und Schüler einzusammeln, allein schon aus Gründen des Privatsphärenschutzes. Und schließlich fällt es nicht nur den Jüngeren schwer, souverän mit dem Handy umzugehen: Rund ein Fünftel der Lehrkräfte (21 Prozent) räumt offen ein, den eigenen Schülerinnen und Schülern beim Umgang mit dem Gerät nicht immer ein gutes Vorbild zu sein.

















