Tochter Alina Vullo, Thoraxchirurg Alexander Gamrekeli und Mutter Guiseppina Vullo-Johann (v.l.n.r.). Foto: Klinikum Saarbrücken
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Ein Händedruck ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Für Alina Vullo und ihre Mutter Giuseppa Vullo-Johann aus Saarbrücken war er über Jahrzehnte ein Moment der Anspannung, oft begleitet von einer Entschuldigung: „Entschuldigung, ich schwitze.“ Beide litten seit ihrer Kindheit an krankhaft schwitzenden Händen. Am Klinikum Saarbrücken haben sie sich nun gemeinsam operieren lassen – mit sofortiger Wirkung.

Die medizinische Bezeichnung für ihr Leiden lautet „palmare Hyperhidrose“. Gemeint ist ein übermäßiges Schwitzen an den Händen, das unabhängig von Temperatur oder körperlicher Belastung auftritt. Was harmlos klingt, greift tief in den Alltag ein. Und die Zahl derer, die sich deshalb einem Eingriff unterziehen, wächst spürbar: Auf dem Winterberg wurden bis Mitte August 2026 bereits doppelt so viele Menschen mit dieser Diagnose operiert wie im gesamten Vorjahr.

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„Wenn die Patientinnen und Patienten zu uns kommen, ist der Leidensdruck meist schon sehr hoch“, sagt Alexander Gamrekeli, Sektionsleiter der Thoraxchirurgie im Zentrum für Thoraxmedizin. Viele Betroffene, so seine Erfahrung, wüssten gar nicht, dass eine operative Behandlung überhaupt in Frage kommt. Auch die Zahl der Anfragen an die Klinik ist deutlich gestiegen.

Der Eingriff selbst erfolgt minimal-invasiv. Über vier winzige Zugänge von jeweils rund fünf Millimetern, die unterhalb der Achseln gesetzt werden, führen die Operateure eine feine Kamera und spezielle Instrumente in den Brustkorb ein. Nahe der Wirbelsäule verläuft der sogenannte sympathische Grenzstrang, ein Teil des autonomen Nervensystems, der die Schweißproduktion mitsteuert. An einer genau festgelegten Stelle wird die Weiterleitung der Nervensignale mit einem Clip unterbrochen – und das übermäßige Schwitzen an den Händen dadurch gestoppt.

Bei Mutter und Tochter zeigte sich der Effekt unmittelbar. „Direkt nach der Operation war alles anders. Kein Schwitzen mehr“, berichtet Alina Vullo. Ihre Mutter erinnert sich mit einem Augenzwinkern an den Abschied vor der Entlassung: „Da hat ja sogar der Operateur mehr geschwitzt als wir.“

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Wie belastend der Alltag zuvor war, lässt sich an ihren Berufen ablesen. Die 28-jährige Alina Vullo arbeitet als Tierarzthelferin. Nasse Hände im Fell eines Tieres seien für beide Seiten unangenehm, sagt sie – gerade Katzen reagierten darauf mitunter aggressiv. Ihre 55-jährige Mutter ist als pharmazeutisch-technische Assistentin in einer Apotheke tätig, wo präzise Handgriffe beim Mischen von Arzneimitteln entscheidend sind. Feuchte, rutschige Finger machten ihr die Arbeit über Jahre schwer.

Zuvor hatten beide zahllose Behandlungen durchprobiert. „Ich habe alles ausprobiert, was es gibt“, sagt Giuseppa Vullo-Johann. Zwei Jahrzehnte lang ließ sie ihre Hände regelmäßig mit Botulinumtoxin behandeln – schmerzhaft und nur zeitweise wirksam. Salben brachten ebenfalls keine dauerhafte Besserung. Das ständige Schwitzen reizte zudem die Haut, sodass ein Kreislauf aus Feuchtigkeit, Irritation und Pflege entstand.

Dass Hyperhidrose weit mehr als ein kosmetisches Problem ist, erlebt Gamrekeli regelmäßig. Er berichtet von Kindern, die ihrer Mutter wegen der feuchten Hände nicht mehr die Hand geben wollten, von Busfahrern, die das Lenkrad kaum sicher greifen konnten, und von Tätowierern, die in ihren Handschuhen so stark schwitzten, dass die Arbeit litt. Ein Eingriff kommt laut Klinik dann in Betracht, wenn andere Therapien versagt haben und die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist – nach individueller Prüfung und ausführlicher Aufklärung.

Für Mutter und Tochter, die über eine Internetrecherche auf die Möglichkeit gestoßen waren, stand von Beginn an fest, diesen Schritt gemeinsam zu gehen. Nun freuen sie sich auf einen Alltag, in dem ihre Hände keine Rolle mehr spielen. Für Alina Vullo genügt dafür ein einfacher Wunsch: „Ich freue mich schon darauf, unseren Hund zu streicheln und keine Haare mehr an den Händen kleben zu haben.“

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