Am Klinikum Saarbrücken zeigt konsequentes Energiesparen messbare Ergebnisse. Innerhalb von fünf Jahren ist der Fernwärmeverbrauch auf dem Winterberg von jährlich rund 9,2 Millionen auf etwa sieben Millionen Kilowattstunden gesunken. Das sind 2,2 Millionen Kilowattstunden weniger, ein Rückgang von knapp 24 Prozent. Zum Vergleich: Eine Ortschaft wie Eiweiler in der Gemeinde Schmelz mit ihren rund 1.400 Einwohnern und etwa 700 Haushalten verbraucht ungefähr diese Menge.
Auch beim Gas geht die Kurve nach unten. Der Verbrauch fiel im selben Zeitraum von rund 1,8 Millionen auf 1,6 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Ein Beispiel für die Feinarbeit hinter diesen Zahlen liefert die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte, kurz AEMP: Allein durch optimierte Abläufe wurden dort im vergangenen Jahr rund 66.500 Kilowattstunden gespart.
Energiemanager Marco Gökdag betont dabei, dass ein Krankenhaus beim Sparen nicht beliebig weit gehen kann. „In einem Krankenhaus können wir den Energieverbrauch nicht beliebig reduzieren. Die sichere Versorgung unserer Patientinnen und Patienten steht immer an erster Stelle“, sagt er. Genau deshalb komme es darauf an, Anlagen und Prozesse genau zu durchleuchten und nur dort zu sparen, wo Energie ohnehin nicht gebraucht werde.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung beim Strom. Seit fünf Jahren hält das Klinikum ein stabiles Niveau von rund 6,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet, sank der Verbrauch sogar von 8,8 auf 6,5 Millionen Kilowattstunden. Die Ersparnis entspricht in etwa dem Bedarf eines Ortes von 1.600 Einwohnern und rund 750 Haushalten, vergleichbar mit Landsweiler in der Gemeinde Schiffweiler.
Dass der Stromverbrauch trotzdem konstant bleibt, ist kein Selbstläufer. Seit 2025 hat der Winterberg seine Digitalisierung deutlich vorangetrieben. Digitale Visitenwagen, iPads, neue Netzwerkverteilerräume mit eigener Kühlung und rund 400 zusätzliche Access Points für das WLAN ziehen zusätzlichen Strom. Dass dieser Mehrbedarf im Wesentlichen ausgeglichen werden konnte, verdankt das Haus parallel umgesetzten Sparmaßnahmen.
Um den Wärmebedarf weiter zu drücken, rüstet das Klinikum seine Besprechungsräume nach und nach mit intelligenter Heizungssteuerung aus. Die Technik erkennt selbst, wann ein Raum genutzt wird, und fährt die Temperatur außerhalb dieser Zeiten automatisch herunter. So bleibt kein leerer Raum unnötig warm. Parallel prüft das Klinikum mit verschiedenen Unternehmen, welche Dachflächen sich für Photovoltaik eignen, um künftig einen Teil des Stroms direkt vor Ort zu erzeugen. Und auch die Abhängigkeit von Erdgas soll sinken: Untersucht wird, ob sich Prozesse in der AEMP und bei der Bettenaufbereitung vollständig elektrifizieren lassen.
Den Rahmen für all das bildet ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001, das der TÜV Rheinland im Januar 2026 erfolgreich auditiert hat. Für Gökdag ist dieses Ergebnis mehr als eine Bestätigung der eigenen Arbeit. „Das erfolgreiche Audit ist nicht nur das Ergebnis der Arbeit unseres Energieteams“, sagt er. „Viele Fachbereiche unterstützen uns, liefern Daten, setzen Maßnahmen um und bringen eigene Ideen ein. Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass unser Energiemanagement dauerhaft funktioniert.“
Welchen Anteil die Belegschaft haben kann, zeigte schon das Jahr 2022. Damals sank der Stromverbrauch gegenüber dem Vorjahr um 500 Megawattstunden, der Wärmeverbrauch sogar um 2.000 Megawattstunden. Ein erheblicher Teil davon ging auf das bewusste Verhalten der Mitarbeitenden zurück. Über das Ideenmanagement erreichen Gökdag bis heute regelmäßig Vorschläge, von denen viele bereits umgesetzt werden oder auf ihre Machbarkeit geprüft werden.
Für den Energiemanager bleibt das Thema eine Daueraufgabe. Verbrauchszahlen und Bedarfe müssten fortlaufend analysiert und neue Potenziale gefunden werden. „Energieeffizienz ist kein Einzelprojekt der Technik“, sagt er, „sie funktioniert nur, wenn alle Fachbereiche mitziehen.“ Und ans Aufhören denkt er nicht: „Wir haben schon einiges auf den Weg gebracht, aber ich sehe noch viele weitere Möglichkeiten, die wir umsetzen können. Ideen habe ich genug.“



















