Beim Füttern und Streicheln der Coburger Fuchsschafe mit ihren Lämmern - Foto: Sandra Klingler
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Die Koordinierungsstelle für „Nachhaltige Jugendarbeit“ des Saarpfalz-Kreises / Junge Biosphäre besuchte kürzlich mit einer Gruppe von elf jungen Menschen die Erlebnisschäferei in Peppenkum.

Eva Müller, Erlebnisschäferin mit Leidenschaft, empfing die jungen Leute freudig. Gleich ging es gemeinsam auf die Schafsweide zu den „Mädels“, wie sie ihre Schafe liebevoll nennt. Schon an den Namen, wie Pünktchen, Karla aber auch Günther, wurde schnell klar, dass darunter auch männliche, kastrierte Tiere (Hammel) sind. Die Coburger Fuchsschafe empfingen die Zweibeiner mit freudigem Blöken, denn alle brachten ein Stückchen trockenes Brot als Willkommensgruß mit. Auch die braunen Lämmer waren sehr zutraulich und ließen sich streicheln.

Sehr spannend und mit viel Humor gab Eva Müller ihr großes Wissen über Schafe mit vielen persönlichen Anekdoten preis und beantwortete gerne jegliche Fragen. Gebannt hörten die jungen Menschen zu, als die Schäferin berichtete, warum einige Schafe ein „grünes Hinterteil“ haben. Zudem unterscheidet Eva Müller zwischen Zuchtschafen, zu denen sie eine emotionale Bindung aufbaut, und Schlachtschafen. „Der herbeigeführte Abschied fällt dann letztendlich nicht ganz so schwer“, erzählt sie durchaus mit Wehmut.

Eva Müller demonstriert das Spinnen der Wolle. – Foto: Sandra Klingler

Nach einer kleinen Pause mit Stärkung war die Gruppe wieder aufnahmebereit um zu erfahren, wozu bereits die unbehandelte, abgelagerte Schafwolle, die sogenannte Rohwolle, genutzt werden kann. Sie eignet sich hervorragend als Dämmmaterial, aber auch im Garten leistet sie als Langzeitdünger, Wasserspeicher und Pflanzenheilmittel hervorragende Dienste. Die Fachfrau demonstrierte anschließend den langwierigen und arbeitsintensiven Prozess von der Rohwolle bis hin zum fertigen Produkt.

Mit großem Interesse und viel Freude probierte die Jugend das Kämmen oder Kardieren mit Hilfe der Handkarden und einer Kardier-Maschine aus. Durch den Prozess des Kämmens liegen die übrig gebliebenen, längeren Fasern später schön ordentlich und parallel nebeneinander, so dass die Wolle weiterverarbeitet werden kann. Es folgte das Spinnen der Wolle, wobei mehrere Fasern zu einem Faden gedreht werden. Auch diesen Prozess demonstrierte die Schäferin gekonnt am eigenen Spinnrad. Wer wollte durfte auch hier mal selbst ausprobieren. Schrittweise gab es eine Einführung. Erstmal wurde nur das Fußpedal im Rhythmus betätigt und wer sich dabei sicher fühlte, durfte auch die Handarbeit einfließen lassen.

Die kleine Gruppe kann nun gut verstehen, warum die Herstellung eines selbstgestrickten Pullovers aus der eigenen Wolle und in reiner Handarbeit die Schäferin mit Stolz erfüllt – ein Prozess, der immerhin drei Jahre in Anspruch nahm.
„Heutzutage wird Kleidung mitunter in riesigen Mengen, schnell und sehr günstig produziert. Die Angebote sind vor allem für junge Menschen recht verführerisch. Daher ist es wichtig, dass wir uns mit den daraus ergebenden ökologischen und ethischen Problemen beschäftigen. Wenn junge Menschen erleben, welch ein arbeitsreicher Prozess von der Wolle bis zum fertigen Produkt nötig ist, dann regt das sicher zum Nachdenken an“, sagt Landrat Dr. Theophil Gallo.

 

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