Marianne Bullacher - Vorstand Initiative „Homburger Altstadt“

Sie ist ständig unterwegs, in Ruhe sieht man sie selten: Marianne Bullacher. Als Stadträtin ist sie für die „Allianz der Vernunft“ politisch engagiert, geschäftlich ist sie neben der Bullacher Elektrotechnik AG vor allem mit dem Lichtstudio der Bullacher AG in der Innenstadt präsent. Kurzum: sie ist Homburgerin durch und durch! Dies zeigt sich auch durch ihren Einsatz für die Initiative „Homburger Altstadt“, wo sie als Vorstand tätig ist. Wir haben uns mit Frau Bullacher über die Initiative, die neue Broschüre und Themen rund um die Kreisstadt unterhalten.

HOMBURG1: Erklären sie doch kurz unseren Lesern: Wer ist die Initiative „Homburger Altstadt“ und was sind eure Ziele? Wer sind eigentlich die Mitglieder des Vereins?

Marianne Bullacher: Die Initiative „Homburger Altstadt“ ist ein Zusammenschluss eines Großteils aller Händler und Dienstleister innerhalb der Homburger Altstadt. Mit dem primären Ziel, gemeinsame Interessen zu ermitteln und umzusetzen. Wir sprechen aber auch gezielt die Immobilienbesitzer an und haben dadurch Unterstützer. Ebenso gibt es Fördermitglieder, denen Homburg am Herzen liegt, insbesondere dieser historische Teil der Stadt.

Wir möchten einerseits das gemeinschaftliche Auftreten der qualitativ hochwertigen Fachgeschäfte/ Dienstleister und damit auch die hervorragende Kompetenz der Homburger Altstadt adäquat darstellen, erhalten und fördern.

Wir beschäftigen uns mit Themen wie: Was bewegt die Altstadt, welche Gestaltungsspielräume haben wir, wie sichern wir unseren Standort unter den sich ständig verändernden Rahmenbedingungen?  Wie erreichen wir Kunden durch eine ansprechendere Innen- und Außengestaltung (Fassaden) und ein hochwertiges Warenangebot? Wie können wir uns aktiv als Gewerbetreibende und gleichzeitig Bürger dieser Stadt einbringen?  Verkehrsführung, Ausschilderung, Erreichbarkeit, Parkplatzsituation, Festveranstaltungen, gemeinsamer Auftritt in der Presse, Vermarktung, Kontaktpflege zu den einzelnen Kompetenzstellen etc..

Ebenso steht die Entwicklung des Altstadtbereiches unter Berücksichtigung der historischen Sehenswürdigkeiten und dem Erhalt des besonderen Ambientes im schönsten Teil Homburgs im Focus.

Andererseits werden wir auch als Händler und als Mensch wahrgenommen. Daher ist die Vernetzung untereinander, der Austausch von Ideen, die wir gemeinsam umsetzen können, soziale Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung, nicht nur auf geschäftlicher Basis wichtig für uns. Es bestehen viele Freundschaften darüber hinaus, die sich im Laufe der Jahre gebildet haben.

HOMBURG1: Als Interessenvertretung von Gewerbetreibenden gibt es ja auch den Gewerbeverein Homburg. Gibt es da nicht Überschneidungen der Interessen?

Marianne Bullacher: Innerhalb des Gewerbevereins ist der Einzelhandel seit Jahren eher unterrepräsentiert. Sicherlich betreffen manche Aktionen die ganze Stadt und überschneiden sich, hierbei werden die Schnittstellen koordiniert und aufeinander abgestimmt,

Die Initiative engagiert sich auch karitativ: zum Nikolausmarkt wurden selbst gebackene Plätzchen verkauft.
Die Initiative engagiert sich auch karitativ: zum Nikolausmarkt wurden selbst gebackene Plätzchen verkauft.

wo immer es nötig und möglich ist. Viele Händler der Altstadt sind Mitglied der Initiative, aber eben nicht Mitglied im Gewerbeverein. Somit haben beide Vereinigungen die beste Schlagkraft, wenn sie miteinander arbeiten.

HOMBURG1: Anlass unseres Interviews ist ja die neue Altstadt-Broschüre. Was ist der Hintergrund dieser Broschüre und wo können Interessierte das Ergebnis sehen? Wie zufrieden sind sie mit dem Ergebnis und war es schwierig alle Teilnehmer unter einen Hut zu bringen?

Marianne Bullacher: Nun, das ist ja schon die zweite Auflage! Nachdem wir vor Jahren mit der ersten einen reißenden Absatz erfahren durften, war es dieses Mal wesentlich leichter, die Händler dafür zu begeistern. Eric Farries (Schmuckgalerie Farries) war hier erneut federführend und hat es geschafft, die Broschüre wieder attraktiv zu gestalten. In dieser Broschüre stellen wir uns als größten Fachhandelsbereich von Homburg dar und zeigen, wie qualitativ hochwertig und vielseitig Homburg unterwegs ist. Kunden aus Kaiserslautern, die zur Zeit verstärkt nach Homburg kommen, aber auch aus dem ganzen Saarland und der angrenzenden Pfalz, bestätigen uns den Bedarf an hochwertiger Ware. Sie nehmen dafür weite Anfahrtswege in Kauf, weil sie genau diese Beratung, Kompetenz und den Service zu schätzen wissen. Ein großer Vorteil ist hierbei insbesondere der persönliche Kontakt durch die Inhaber selbst. Das „erlebt“ man bei uns in der Altstadt eben in extensivem Umfang.

HOMBURG1: Neben der Broschüre, gibt es auch eine „Schirm-Aktion“. Was kann man sich darunter vorstellen und wie ist die bisherige Resonanz?

Marianne Bullacher: Jedes Mitglied der Initiative hält Leih-Regenschirme bereit, die dem Kunden, der unser

Geschäft bei Regen verlassen muss, zur Verfügung stehen. Wenn er wieder in der Altstadt unterwegs ist, bringt er ihn einfach in einem der Mitgliedsbetriebe wieder zurück. Wir tauschen untereinander die Schirme aus, um möglichst immer Schirme präsent zu haben. Die Resonanz ist sehr positiv, signalisiert es doch zum einen die Wertschätzung für unsere Kunden, das sogenannte Pünktchen auf dem i, und verstärkt den Service-Gedanken über den eigentlichen Kauf  hinaus sehr deutlich. Letztlich wollen wir natürlich auch, dass die Kunden immer wieder kommen ;-).

HOMBURG1: In der Altstadt ist der Marktplatz Dreh- und Angelpunkt und gleichzeitig auch das Schmuckkästchen der Stadt. Zur Zeit findet zum Beispiel eine Diskussion um eine Verlagerung des Grünmarktes statt. Auch die Forderung den Platz autofrei zu machen, steht immer wieder im Raum. Wie sehen sie die Entwicklungen der letzten Zeit vor Ort?

Marianne Bullacher: Ein Wochen/Grün-Markt gehört auf den Marktplatz! Eine Verlegung kommt für uns gar nicht in Betracht. Das Zusammenspiel mit der rund um den Marktplatz ansässigen, attraktiven Gastronomie funktioniert. Allein das Ambiente beantwortet die Frage von selbst. Sicher gibt es Wünsche wie das einheitlichere Auftreten der Händlerstände. Durch die heutigen Hygiene- und Kühlvorschriften gehören die Kühlwägen leider mit zum Standbild, was den Gesamteindruck eindeutig beeinflusst. Wir würden hier gerne die Händler mehr mit ins Boot nehmen und gemeinsame Lösungen ausloten. Das war vor Jahren bereits ein Thema, ist allerdings nicht weiter verfolgt worden. Im Rahmen der Neuordnung des Marktplatzes wird es hoffentlich Gespräche geben, die uns weiter zum Ziel führen. Einheitliche Stände wären ein Traum, ob dies umgesetzt werden kann, werden wir sehen.

Autofrei oder nicht – das ist tatsächlich die Frage! Einerseits ja, damit der Platz insgesamt mehr „atmen“ kann. Allerdings macht ein leerer Platz wenig Sinn. Da muss ein stimmiges Konzept her und nicht ein einfaches Reagieren auf politisch Fordernde. Vorstellbar wären Bänke, Bepflanzung, etc. in einem Stil, der zu einer historischen Altstadt passt. Wenn das Parkhaus am Vauban-Carree mit 270 Parkplätzen gebaut ist, entschärft sich die Situation am Marktplatz auch für die Händler. Denn jeder Parkplatz bedeutet Kundenfrequenz. Die Struktur ist eben sehr handelslastig. Aus der Sicht der Händler ist ein weniger an Parkplätzen daher nachvollziehbar kontraproduktiv. Das sollte man bei aller Diskussion nicht vergessen und mehr mit berücksichtigen.

Marianne Bullacher - Vorstand Initiative „Homburger Altstadt“
Marianne Bullacher – Vorstand Initiative „Homburger Altstadt“

HOMBURG1: Das gastronomische Angebot hat sich erweitert. Zur Zeit wird auch der Marktbrunnen saniert. Welche Ideen und Wünsche hat die Initiative für die Fläche rund um den Marktplatz und die Eisenbahnstraße?

Marianne Bullacher: Die Konzepte für Feste und Märkte in Homburg müssen überarbeitet werden. Da ist man zur Zeit dran und das ist längst überfällig. Wir werden uns da auf jeden Fall mit einbringen.

Die Veranstaltungsflächen Marktplatz, Eisenbahnstrasse bis Christian-Weber-Platz müssen mehr miteinander verzahnt werden. Ansonsten erlebt man den relativ kleinen Stadtinnenkern nicht als Ganzes. Das ist möglich – man muss eben mal umdenken und mutig sein. Das alte Rathaus und auch der „Storche“ sind Entwicklungsfelder mit Potenzial. Leider scheitern sehr gute Projekt schnell am Finanzstatus unserer Stadt. Es gibt private Investoren, die hier sicher mehr leisten könnten, wenn das gewünscht wäre.

HOMBURG1: Die Bebauung Enklerplatz hat sowohl Befürworter als auch Kritiker. Durch die positive Entscheidung des Stadtrates zum Bebauungsplan wurden die politischen Weichen gestellt. Welche Risiken sehen sie für den Fachhandel in Homburg? Entstehen vielleicht auch Chancen?

Marianne Bullacher: Homburg wird es immer schwerer haben, mit jedem Center, das sich außerhalb ansiedelt. Nach dem „K“ in Lautern ist es praktisch fast nicht mehr möglich, die geplante Größenordnung von 16.500 qm betriebswirtschaftlich zu betreiben. Die Filialisten berechnen sehr genau die Kundenströme und bewerten die Attraktivität einer Stadt. Seit Jahren „regiert“ hier ein Großinvestor die Region und „verteilt“ seine Center strategisch günstig. Homburg und Pirmasens werden klein gehalten, angebliche Investoren sichern sich die Optionen auf die Grundstücke und es passiert auf Jahre nichts! Wenn die Politik das nicht erkennt, liefert sie sich schlichtweg aus. Aber welcher Politiker möchte das hören? Man erliegt schönen Versprechungen und blockiert zudem alle aktuellen Bemühungen, nämlich die am Vauban-Platz. Das Ergebnis  wird dann leider heißen: keine Bebauung auf dem Enklerplatz und keine auf dem Vauban-Carree! Der lachende Dritte ist der Großinvestor ECE, dem sich alle kleineren Investoren unterordnen. Den Schaden hat dann die Stadt Homburg – das muss man begreifen wollen!

Die einzige Chance, die wir in Homburg haben, ist eine Bebauung am Vauban-Carree (Verkaufsfläche plus Parkhaus) und eine kleinere Bebauung am Enklerplatz, weil es eine große Bebauung dort nie geben wird. Das Argument, es gäbe keine Investoren für kleinere Bebauungen ist nicht korrekt, das Vorhaben am Vauban-Carree ist das beste Beispiel dafür.

Die Chancen erhöhen wir zudem mit einem ergänzenden Angebot, das auf den Handelsbestand abgestimmt werden muss. Das funktioniert – damit hätte Homburg die besten Chancen! Ein Starbucks oder DunkinDonuts siedelt sich nur in Städte ab 100.000 Einwohner an, da liegen wir weit unter dem Radar. Aber es gibt Alternativen beim Sortiment. Ebenso wichtig ist, das Qualitätsniveau zu erhalten und auszubauen. Ideen gibt`s genügend!

HOMBURG1: Sie sind durch und durch Homburgerin! In einem kurzen Satz: Warum ist für sie die Kreisstadt lebens- und liebenswert?

Marianne Bullacher: Homburg verkauft sich seit Jahren unter Wert – mein Herz schlägt für meine Geburtsstadt, weil ich das Potenzial kenne und mithelfen möchte, es zu bergen. Ich kann von Saarbrücken aus (fast) in die ganze Welt fliegen, zuhause fühle ich mich nur in meinem Homburg!

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