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„Wenn Homeoffice in Zukunft verstärkt genutzt wird, ist es dringend nötig, die Rahmenbedingungen in entsprechenden Vereinbarungen ganz klar zu regeln. Passiert das nicht, kann Homeoffice zu einer Gefahr für die Gleichstellung werden“, sagt Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer des Saarlandes und Geschäftsführer der Technologieberatungsstelle BEST e.V..

Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer des Saarlandes
Quelle: www.arbeitskammer.de

Dabei geht es um Fragen der Erreichbarkeit, der festgelegten Präsenzzeiten, der Souveränität der Beschäftigten aber auch der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes. „Sind die klar geregelt, kann Homeoffice in Zukunft Frauen weiterbringen. Sie können dann ihre Arbeitszeiten tendenziell erhöhen, verlieren weniger den Anschluss und können insgesamt im Erwerbsleben zu den Männern aufschließen“, so Otto. Die online ad-hoc-Befragung der BEST e.V. zum Thema Homeoffice aus dem Juni 2020 zeigt, dass 40% der Interessenvertretungen das Problem erkannt haben und viele auch schon an betrieblichen Lösungen arbeiten.

Denn klar ist: Homeoffice oder mobiles Arbeiten führen ungeregelt auf längere Zeit zu einer Verschärfung der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Nach einer Studie vom Januar 2020 führt Homeoffice schon in „normalen“ Zeiten dazu, dass Frauen sich stärker um die Sorgearbeit zu Hause kümmern als sie das ohnehin schon tun. Männer dagegen arbeiten, wenn sie ihren Arbeitsplatz zu Hause haben, länger für ihren Arbeitgeber. Bestätigt wird diese Erkenntnis durch eine Befragung der Hans Böckler Stiftung vom April 2020. Eltern im Homeoffice während Corona gaben an: Väter waren mit maximal 15 Prozent der Fälle deutlich weniger im Haushalt im Einsatz als Mütter, die in 40 bis 60 Prozent der untersuchten Haushalte den Hauptanteil der Sorgearbeit übernahmen.

Passend dazu ein Ergebnis des Wissenschaftszentrums Berlin ebenfalls vom April. Nach der Frage an Eltern, wie sich die Familien- Lebens- und Arbeitszufriedenheit in den letzten Wochen entwickelt hat, ergab sich folgendes: Sie sank bei Vätern leicht und bei Frauen/Müttern „dramatisch“. Am stärksten belastet sind dabei zweifellos die Alleinerziehenden. Für sie ist – bei komplett fehlender partnerschaftlicher Entlastung – selbst die Homeoffice-Variante bei der Arbeit sehr viel seltener möglich.

Zurzeit bewegen sich die Beschäftigten wieder verstärkt zurück in die Büros. „Wir hoffen, dass sich die Corona-Krise mittelfristig als Beschleuniger für Veränderungen in der Arbeitskultur erweisen wird, von denen auch Frauen profitieren“, so Otto. Doch das geht nur mit guten Rahmenbedingungen. „Viele Interessensvertretungen in den Betrieben und Dienststellen arbeiten gerade mit Hochdruck an Betriebs-/Dienstvereinbarungen zum Homeoffice bzw. zum mobilen Arbeiten. Unsere Kolleg*innen von BEST stehen auf Anfrage gerne beratend zur Seite“, so Otto abschließend.

Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie in unserer neuen AK-Analyse „Gleichstellung: In Krisenzeiten ist aktives Gegensteuern nötig!“ im Anhang. Über einen Hinweis zur Veröffentlichung der AK-Analyse würden wir uns freuen. Die Analyse finden Sie auch unter  www.arbeitskammer.de/sonderpublikationen.

Mehr Informationen zur Technologieberatungsstelle BEST e.V.: www.best-saarland.de.

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